Finanzen

Einbruch an der Börse: Vorübergehende Korrektur oder Vorbote des Crashs?

Der Markt hat letzte Woche stark nachgelassen. Jetzt heißt es, die Augen offen zu halten, meint DWN-Autor Andreas Kubin.
01.02.2021 13:56
Lesezeit: 2 min

Den letzteren Einbruch an der Börse gab es Anfang März 2020, also vor knapp einem Jahr. Seitdem kennt der Aktienmarkt fast ausschließlich eine Richtung: Nach oben. Im Oktober 2020 gab es eine kleine Korrektur, doch anschließend stiegen die Kurse wieder stetig an.

Letzte Woche erfolgte wiederum eine Korrektur – sogar eine ziemlich kräftige. Was bedeutet das? Droht eine Wiederholung des Einbruchs vom März 2020? Mit anderen Worten: War die letzte Woche eine Trend-Wende, geht es mit Kursen ab diesem Monat nach unten? Oder waren die letztwöchentlichen Ereignisse nur eine vorübergehende Erscheinung, und geht es mit der Inflationierung der Märkte wie gewohnt munter weiter?

Um diese Frage zu beantworten, lassen Sie uns einen Blick auf das Marktgeschehen der vergangenen Woche werfen. Am Mittwoch sackte der DAX um annähernd 600 Punkte ab. Am Donnerstag erholte er sich dann vorübergehend ganz leicht, um schließlich am Freitag in den frühen Abendstunden (MEZ) weiter starke Verluste zu kassieren! Auch in den USA waren die Ergebnisse grottenschlecht!

Interessant dabei ist, dass die beiden US-Giganten „3M“ und „Abbott Labs“ parallel dazu phänomenale Kennzahlen, das heißt hervorragende Ergebnisse bei Umsatz und Gewinn, lieferten. Die Aktien legten aber bei weitem nicht in dem Maße zu, in dem sie das nach solchen Zahlen normalerweise tun sollten. Für den Anleger ist das eine Warnung. Heißt konkret: Während der kommenden Wochen das Marktgeschehen beobachten. Und sich seine Taktik zurechtlegen!

Die Netto-Gewinn-Zahlen von AIRBUS für das Geschäftsjahr 2020 erwarten wir nun mit besonderer Spannung

Das Luftfahrt-Portal „Aerotelegraph.com“ meldete am Mittwoch: „Der Nettoverlust von Boeing lag 2020 bei 11,94 Milliarden Dollar (9,86 Milliarden Euro) nach 636 Millionen Dollar im Jahr 2019. Allein für die 777 MAX legte Boeing im vierten Quartal 2020 6,5 Milliarden Dollar zurück.“ Auf der nächsten Hauptversammlung sollte man dem Vorstand die Frage stellen, wie lange der Konzern nun benötigen wird, um sein gigantisches Defizit in Höhe von zehntausend Millionen Euro wieder auszugleichen.

Wir können beziehungsweise sollten implizieren, dass der Kurs von Airbus zu fast dem gleichen Zeitpunkt (83 Euro pro Aktie am Freitag) zu hoch notiert. Wenn man sich die Konsequenzen der letzten zehn Monate vor Augen führt, ist es wahrscheinlich, dass das realistische Kursniveau in einem „etwas“ tieferen Bereich liegt. Wenngleich auch - im Gegensatz zu Boeing - Airbus nicht diesen Klotz namens 777 MAX auch noch „am Bein hängen hat“.

Wir erwarten deshalb mit Spannung die Kennzahlen von Airbus fürs Gesamtjahr 2020, die am Donnerstag, den 18. Februar´, veröffentlicht werden. Die Airbus-Pressemitteilung vom 8. Januar 2021 soll die Anleger offensichtlich bei Laune halten. Wortwörtlich heißt es darin: „Airbus Auslieferungen in 2020 zeigen Widerstandsfähigkeit; 566 Flugzeugauslieferungen, 34 Prozent weniger als 2019, im Einklang mit dem Anpassungsplan; 383 neue Bestellungen, 268 Nettobestellungen, 7.184 Flugzeuge im Auftragsbestand.“ Mit großer (An-)Spannung erwarten wir jedoch die Gewinnzahlen - spätestens dann wissen wir, ob der aktuelle Kurs gerechtfertigt ist oder bereits viel zu viel Aufschwung-Phantasie eingepreist ist.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
Andreas Kubin

Andreas Kubin lebt in Oberösterreich, hat ein MBA mit Schwerpunkt "Finanzen" und verfügt über drei Jahrzehnte Börsen-Erfahrung. 
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europas Start-ups: Talente ziehen lieber in die USA statt nach Europa
30.11.2025

Immer mehr europäische Start-ups verlagern ihre Aktivitäten in die USA, um dort leichter an Risikokapital zu gelangen. Kann Europa durch...

DWN
Politik
Politik Militärischer Schengen-Raum: Wie die EU die Truppenmobilität beschleunigen will
30.11.2025

Die sicherheitspolitischen Spannungen in Europa erhöhen den Druck auf die EU, ihre militärische Handlungsfähigkeit neu auszurichten. Wie...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Digital Champions: Das sind die neuen deutschen Tech-Vorbilder
30.11.2025

Von Leipzig bis Heidelberg entsteht eine Generation von Startups, die KI-Forschung in Markterfolg übersetzt. Digitale Champions wie Aleph...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft KI-Blase durch steigende Investitionen: Wie EU und deutsche Wirtschaft betroffen sind
30.11.2025

Die rasanten Investitionen in künstliche Intelligenz lassen Experten vor einer möglichen KI-Blase warnen. Droht diese Entwicklung, die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europas Rüstungsindustrie im Aufschwung: USA profitieren von der Aufrüstung
30.11.2025

Europa versteht sich gern als Friedensmacht, die auf Diplomatie und Werte setzt, während in ihrem Inneren eine hochdynamische Sicherheits-...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Russland übernimmt ausländische Markenrechte: Mehr als 300 Brands gefährdet
30.11.2025

Ausländische Marken geraten in Russland zunehmend unter Druck, seit viele Unternehmen ihre Aktivitäten im Land eingestellt haben. Wie...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europa im Schuldenstrudel: Warum die alten Mächte wanken und der Süden aufsteigt
29.11.2025

Europa war lange in zwei Gruppen geteilt. Es gab die Staaten mit fiskalischer Disziplin, angeführt von Deutschland, und die...

DWN
Finanzen
Finanzen Ölpreis und geopolitischer Druck: Serbiens Konflikt um den russischen Energiekonzern NIS
29.11.2025

Serbien steht inmitten einer energiepolitischen Zuspitzung, deren Ausgang weit über das Land hinaus Bedeutung hat. Welche Entscheidung...