Deutschland

Zoll: Etwa 816 Millionen Euro hinterzogene Steuern und nicht gezahlte Sozialabgaben im Jahr 2020

Der Zoll hat im vergangenen Jahr erneut Schwarzarbeit, illegale Beschäftigung und Sozialleistungsbetrug mit Schäden in vielfacher Millionenhöhe aufgedeckt.
09.02.2021 13:41
Aktualisiert: 09.02.2021 13:41
Lesezeit: 1 min
Zoll: Etwa 816 Millionen Euro hinterzogene Steuern und nicht gezahlte Sozialabgaben im Jahr 2020
12.09.2018, Mecklenburg-Vorpommern, Stralsund: Zollbeamte kontrollieren Mitarbeiter in Einzelhandelsunternehmen und Gaststätten in einem Einkaufszentrum. (Foto: dpa) Foto: Stefan Sauer

Der Zoll hat im vergangenen Jahr erneut Schwarzarbeit, illegale Beschäftigung und Sozialleistungsbetrug mit Schäden in vielfacher Millionenhöhe aufgedeckt. Nach Zahlen des Finanzministeriums wurden mehr als 105.000 Strafverfahren eingeleitet, die Schadensumme aufgrund hinterzogener Steuern und nicht gezahlter Sozialabgaben betrug rund 816 Millionen Euro - etwa acht Prozent mehr als im Vorjahr. Insgesamt führten die Ermittlungen zu Freiheitsstrafen von mehr als 1800 Jahren.

Hinter der Schwarzarbeit stünden immer häufiger professionelle Strukturen, sagte Finanzminister Olaf Scholz (SPD). Er sprach von kriminellen Machenschaften, dubiosen Firmengeflechten und undurchsichtigen Betrugssystemen. Die Arbeit der Kontrolleure im Bereich organisierte Kriminalität sei erheblich ausgeweitet worden. Scholz betonte: „Illegale Beschäftigung und Schwarzarbeit sind keine Kavaliersdelikte.“ Vielmehr greife Schwarzarbeit die Grundlage des Sozialstaates an.

Wegen der Corona-Pandemie überprüften die Ermittler zwar weniger Unternehmen als im Vorjahr, deckten aber dennoch höhere Schäden auf. Vor allem Gaststätten, Hotels, Friseure und Messebauer seien wegen der coronabedingten Schließungen seltener überprüft worden, dafür habe man einen Schwerpunkt auf die Fleischbranche sowie Kurier- und Paketdienstleister gesetzt, hieß es im Finanzministerium.

Für die Bekämpfung von Schwarzarbeit und illegaler Beschäftigung ist eine Sonderheit beim Zoll zuständig, die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS). Der Zoll untersteht dem Bundesfinanzministerium. Im vergangenen Jahr hatte der Bundesrechnungshof schwerwiegende Mängel bei der Bekämpfung von Schwarzarbeit beklagt. Zoll und Steuerbehörden arbeiteten nicht vertrauensvoll zusammen und könnten sensible Daten nicht sicher austauschen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Volvo FH 500 Aero: 500 PS und trotzdem auf Sparkurs
21.10.2026

500 PS, 2.800 Newtonmeter Drehmoment und trotzdem auf Sparkurs: Der Volvo FH 500 Aero soll beweisen, dass schwere Lastwagen nicht...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche Exporte nach Russland: Handel weit eingebrochen, aber nicht beendet
21.10.2026

Seit Beginn des Ukraine-Kriegs ist der Handel zwischen Deutschland und Russland massiv zurückgegangen. Vor allem die Importe sind nahezu...

DWN
Politik
Politik Europäische Telekomriesen bereiten Gegenangriff auf Starlink vor
21.10.2026

Vier der größten europäischen Telekomkonzerne wollen bei satellitengestützten Mobilfunkdiensten enger zusammenarbeiten. Ziel ist es,...

DWN
Politik
Politik Frankreich steckt mitten im finanziellen Sturm: Kann daraus eine Schuldenkrise werden?
21.10.2026

Frankreich kämpft mit hohen Defiziten, steigenden Zinsen und politischer Unsicherheit. Erinnerungen an die europäische Schuldenkrise...

DWN
Politik
Politik Bürgergeld: 1,4 Millionen Arbeitslose beziehen seit fünf Jahren Grundsicherung
21.10.2026

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen, die im Bürgergeld festhängen, hat sich in den vergangenen zwei Jahren deutlich erhöht. Die Zahlen der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Chinesische Unternehmen mieten massiv Lagerflächen in der EU. Am meisten in Polen
21.10.2026

Chinesische Unternehmen bauen ihre Logistikpräsenz in Europa massiv aus. Besonders Polen entwickelt sich zum zentralen Knotenpunkt für...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte im Überblick: Achterbahnfahrt bei KI- und Tech-Aktien am Dienstag
20.10.2026

Spannung an der Wall Street: Was hinter den jüngsten Kursbewegungen steckt und welche Werte jetzt überraschen.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kappa Rus: Wie Putin einen Unternehmer um sein Lebenswerk bringt
20.10.2026

Jahrelang baute ein schwedischer Unternehmer in Russland ein millionenschweres Geschäft auf. Nun nimmt ihm Wladimir Putin per Dekret die...