Deutschland

Lauterbach kündigte 2015 an: Deutschland steht vor einer Krebs-Epidemie

Karl Lauterbach hatte im Jahr 2015 ein Buch unter dem Titel „Die Krebsindustrie - Wie eine Krankheit Deutschland erobert“ veröffentlicht. In seinem Buch warnt er vor einer „Krebs-Epidemie“. Von der Babyboomer-Generation werde jeder zweite an Krebs erkranken. Eine komplett krebsfreie Familie werde in Zukunft eher die Ausnahme sein.
21.02.2021 19:05
Aktualisiert: 21.02.2021 19:05
Lesezeit: 1 min
Lauterbach kündigte 2015 an: Deutschland steht vor einer Krebs-Epidemie
Karl Lauterbach (SPD), Abgeordneter, spricht in der 106. Sitzung des Deutschen Bundestages während der Debatte zum Thema Organspende. Die Mitglieder des Bundestages treffen sich zur letzten Sitzungswoche vor der parlamentarischen Sommerpause. (Foto: dpa) Foto: Ralf Hirschberger

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, dessen Aussagen aus dem Herzen der Sozialdemokratie kommen und der traurigerweise üblen Anfeindungen ausgesetzt ist, hatte im Jahr 2015 ein Buch mit dem Titel „Die Krebsindustrie - Wie eine Krankheit Deutschland erobert“ veröffentlicht.

„Pharma Fakten“ hat die wichtigsten Aussagen von Karl Lauterbach zusammengefasst. Einige Aussagen sollen hier zitiert werden: „

  • Deutschland steht vor einer Krebs-Epidemie. Von der Babyboomer-Generation wird jeder zweite an Krebs erkranken. Eine komplett krebsfreie Familie wird in Zukunft eher die Ausnahme sein. Der Hauptgrund dafür: Die hohe Lebenserwartung.
  • Auf Deutschland rollt deshalb eine Kostenlawine zu. Einmal wegen der indirekten Kosten von Krebs (Arbeitsausfälle etc.). Aber auch wegen der Kosten der Therapien: Die Therapie von Krebs wird in den nächsten Jahren dramatisch teurer werden, weil wir zurzeit in diesem Bereich eine wahre Revolution erleben: den Übergang von der klassischen Chemotherapie zur sogenannten gezielten Therapie.
  • Die Kosten der Krebsbehandlung nehmen auch deshalb zu, weil andere Krankheiten besser behandelt werden können. Die simple Logik dahinter: Nur wer einen Herzinfarkt überlebt, kann auch Krebs bekommen.
  • Keiner Krankheit widmen Forschung und Industrie mehr Aufmerksamkeit. Bei keiner Krankheit hat es in den vergangenen Jahrzehnten größere Erkenntnisgewinne gegeben.
  • Während das Wissen um Krebs stark gestiegen ist, sieht Lauterbach doch nur bescheidenen Fortschritt; z.B. bei der nur geringfügig gestiegenen Lebenserwartung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs. Insgesamt erfüllen unterm Strich weder die Tyrosinkinaseinhibitoren noch die Antikörper die in sie gesetzte Hoffnung – die hohen Kosten sieht er vor dem Hintergrund der Ergebnisse als problematisch an.“

Um eine Zweiklassen-Medizin bei der Krebstherapie zu verhindern, fordert Lauterbach eine Bürgerversicherung. Der Rowohlt-Verlag führt über das Buch von Lauterbach aus: „Krebs wird in den nächsten Jahren zu einer unserer größten Herausforderungen – menschlich wie gesundheitspolitisch. Fast jeder zweite Deutsche wird im Alter betroffen sein, Wissenschaftler gehen von 40 Prozent mehr Krebsfällen bis 2030 aus. Dennoch herrscht bei dieser Volkskrankheit enorme Unaufgeklärtheit – von der viele profitieren: der graue Markt für obskure Mittel, die Krankenhäuser mit ihrer lukrativen Vorsorgepraxis und die Pharmaindustrie, für die Krebsmedikamente, deren Preise sie selbst festlegt, der größte Wachstumszweig sind.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

DWN
Panorama
Panorama Immer mehr Deutsche ziehen nach Polen: Das steckt hinter dem Trend
07.11.2026

Deutsche kommen längst nicht mehr nur nach Polen, um ihr Auto zu betanken oder deutlich günstiger im Supermarkt einzukaufen. Sie kommen...

DWN
Finanzen
Finanzen Poker um EZB-Spitze: Wer folgt auf Christine Lagarde?
07.11.2026

Die Eurostaaten suchen nach einem neuen Präsidenten für die Europäische Zentralbank. Schon in wenigen Tagen könnte über die Nachfolge...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft KfW-ifo-Mittelstandsbarometer: Mittelstand hofft auf Aufschwung – doch beim Personal bleibt die Bremse angezogen
07.11.2026

Deutschlands Mittelstand gewinnt wieder Zuversicht: Das Geschäftsklima hat sich im Oktober zum sechsten Mal hintereinander verbessert....

DWN
Technologie
Technologie Dacia Duster im Test: Wenn die Reichweite an der Grenze zur Unwahrscheinlichkeit liegt
07.11.2026

1.410 Kilometer Reichweite, Allradantrieb und drei Antriebstechnologien in einem Auto: Der Dacia Duster Hybrid 4x4 verspricht erstaunlich...

DWN
Politik
Politik Schweden bestätigt Taurus-Lieferung: Marschflugkörper erreicht mehr als 500 Kilometer
07.11.2026

Schweden hat erstmals bestätigt, bereits Taurus-Marschflugkörper erhalten zu haben. Die Waffe kann Ziele in mehr als 500 Kilometern...

DWN
Finanzen
Finanzen 26 Prozent an einem Tag: Warum Duolingo plötzlich an meinen Chipaktien vorbeizieht
07.11.2026

Für meine Chipaktien war es ein schlechter Börsentag: Nvidia, Micron und Iren gerieten deutlich unter Druck. Ganz anders Duolingo. Die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Polestar 5 im Test: Angriff auf Porsche und Audi – mehr Luxus für weniger Geld?
07.11.2026

Mit dem Polestar 5 wollen die Schweden Porsche und Audi im Luxussegment angreifen. Bis zu 884 PS, 678 Kilometer Reichweite und elektrisch...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Wertvollste Marken 2026: Apple ist auf Platz eins, Tesla hat am meisten verloren
07.11.2026

Welche Unternehmen führen das Ranking der wertvollsten Marken 2026 an, welche gewinnen besonders stark und welche verlieren an Bedeutung?...