Finanzen

Aufstand bei der Deutschen Bank: Callcenter-Mitarbeiter streiken seit Wochen für höheres Gehalt

Während den Herrschaften im Investmentbanking satte Boni ausgezahlt werden, wehrt sich die Bank mit Händen und Füßen gegen höhere Löhne für Angestellten im Callcenter.
02.03.2021 11:59
Aktualisiert: 02.03.2021 11:59
Lesezeit: 1 min

Im Streit um mehr Gehalt für Callcenter-Mitarbeiter bei der Deutschen Bank sind die Fronten verhärtet. Nach einem fast fünfwöchigen Streik der rund 650 betroffenen Angestellten ist eine Rückkehr an den Verhandlungstisch nicht in Sicht. Die Gewerkschaften Verdi und DBV wollen so lange streiken, bis sie ein Signal von der Deutschen Bank erhalten, wie sie am Dienstag erklärten. Das Geldhaus will sich dazu nicht äußern und setzt auf die Dienste von externen Callcentern. So lange dauernde Arbeitskämpfe sind sehr ungewöhnlich bei Banken.

„Es bleibt für mich völlig unverständlich, warum die Deutsche Bank zwar Milliarden-Bonus für Investmentbanker auslobt, aber für Geringverdiener im Konzern kein anständiges Angebot macht“, sagte der DBV-Bundesvorsitzende Stephan Szukalski der Nachrichtenagentur Reuters. Dies könne nicht mehr nur mit Sparzwang erklärt werden. Verdi sieht sich durch das Stillhalten der Deutschen Bank provoziert, wie Roman Eberle, Verdi-Verhandlungsführer, sagte. „Die Leute sind sauer, dass für Investmentbanker Boni ausgeschüttet werden, aber bei den Beschäftigten der DB Direkt gespart wird.“

Die Callcenter-Mitarbeiter gehören laut den Gewerkschaften zu den Geringstverdienern im Deutsche-Bank-Konzern. Sie fordern unter anderem eine Gehaltserhöhung um sechs Prozent und ein 13. Monatsgehalt. Der Tarifstreit zieht sich seit Juni hin, es gab mehrere Verhandlungsrunden. Seit Ende Januar befindet sich laut Gewerkschaftsangaben ein Großteil der Beschäftigten in einem unbefristeten Streik.

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hatte bei der Jahresmedienkonferenz im Februar wenig Entgegenkommen gezeigt. „Wir sind der festen Überzeugung, dass wir ein faires und tragfähiges Angebot gemacht haben“, hatte er gesagt. Die Deutsche Bank kämpft im Privatkundengeschäft mit sinkenden Erträgen und spart an allen Ecken und Enden. Besser läuft es dagegen im Kapitalmarktgeschäft, 2020 stand im Konzern vor allem deshalb ein Vorsteuergewinn von einer Milliarde Euro zu Buche. Die Investmentbanker sollen einen höheren Bonus erhalten.

Die Callcenter-Mitarbeiter nehmen in der neuen Strategie der Bank eigentlich künftig eine zentrale Funktion ein, weil im Zuge der Sparbemühungen eine große Anzahl Filialen geschlossen und die Kunden stattdessen ins Online- und Telekonbanking abgedrängt werden sollen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Wandel im Vaping-Markt: Nachhaltigkeit und Kostendruck treiben Wechsel zu Mehrwegsystemen

Der Markt für E-Zigaretten durchlebt eine tiefgreifende Transformation. Lange Zeit galten Einweg-Vapes, popularisiert durch Marken wie Elf...

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Dieses Familienunternehmen profitierte vom Krieg, nun droht der Kontrollverlust
29.07.2026

Aller Petfood blieb mit zwei Fabriken in Russland aktiv und profitierte zunächst vom abgeschotteten Markt. Nun geraten das...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europäischer Gaspreis steigt wieder: Iranische Attacken nach US-Angriffsstopp – Entspannung nicht in Sicht
29.07.2026

Die Hoffnung auf eine Entspannung im Nahen Osten war nur von kurzer Dauer. Neue militärische Entwicklungen lassen den europäischen...

DWN
Finanzen
Finanzen Europa droht ein Preisschock und ein stärker als erwarteter Anstieg des Euribor
29.07.2026

Der 6-Monats-Euribor ist auf den höchsten Stand seit anderthalb Jahren geklettert. Der Anstieg dürfte sich fortsetzen, da ein unerwartet...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie: Starke Quartalszahlen stützen Erholung, Cashflow bleibt Belastungsfaktor
29.07.2026

Nach Monaten deutlicher Kursverluste zeigt sich die Rheinmetall-Aktie am Mittwoch von ihrer besten Seite – dank starker Quartalszahlen....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ende der Einspeisevergütung: Was sich durch die EEG-Reform bei der Solarförderung ändert
29.07.2026

Die Bundesregierung stellt die Förderung von Solarstrom grundlegend um. Das Kabinett hat eine Reform des EEG beschlossen, die private...

DWN
Finanzen
Finanzen DWS-Aktie sackt ab: Deutsche-Bank-Tochter enttäuscht mit Erträgen
29.07.2026

Auf den ersten Blick liefert DWS starke Zahlen: Milliarden fließen neu in die Fonds, das verwaltete Vermögen erreicht einen Höchststand...

DWN
Finanzen
Finanzen Steuererklärung 2025: So nutzen Sie die neuen Freibeträge und Steuerpauschalen
29.07.2026

Die Steuererklärung 2025 müssen pflichtveranlagte Steuerzahler bis spätestens 31. Juli 2026 beim Finanzamt einreichen. Auch in diesem...

DWN
Finanzen
Finanzen BMW-Aktie unter Druck: Anlegern reicht BMW-Stellenabbau offenbar nicht aus – BMW-Zahlen stehen an
29.07.2026

BMW galt lange als Ausnahme unter den deutschen Autobauern. Nun folgt ein BMW-Stellenabbau, der Münchener Autobauer verschärft seinen...