Politik

Bretton Woods führte Pseudo-Goldstandard ein: Bürger konnten kein Geld gegen Gold einlösen

Die Konferenz von Bretton Woods schuf einen weltweiten Pseudo-Goldstandard. Denn anders als einst beim klassischen Goldstandard konnten die US-Bürger ihre Dollar nicht für Gold einlösen.
10.03.2021 17:46
Lesezeit: 4 min
Bretton Woods führte Pseudo-Goldstandard ein: Bürger konnten kein Geld gegen Gold einlösen
Die Deutsche Bundesbank präsentiert in ihrer Zentrale Goldbarren. (Foto: dpa) Foto: Arne Dedert

Unter Führung der USA wurde Mitte 1944 auf einer internationalen Konferenz in Bretton Woods im US-Bundesstaat New Hampshire die Währungsordnung für die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg konzipiert. Das neue System ähnelte dem Pseudo-Goldstandard der 1920er Jahre in Europa, wobei jedoch der Dollar das Pfund als Leitwährung ersetzte.

Zwar wurde der Dollar mit Bretton Woods im Verhältnis 35 Dollar pro Unze an Gold gekoppelt, doch anders als einst beim klassischen Goldstandard konnten die US-Bürger ihre Dollar nicht für Gold einlösen. Die USA führten das System der 30er Jahre fort, als die Einlösung in Gold nur für ausländische Regierungen und Zentralbanken möglich war.

Das Ausland nutzte den Dollar nun im großen Stil als Reservewährung. Dies schien sinnvoll. Denn immerhin hielten die USA nach dem Krieg einen Goldvorrat im Umfang von mehr als 20.000 Tonnen. Es gab also viel Raum für Währungsinflation, bevor das Ausland unruhig werden und seine Ansprüche auf Gold für Dollar geltend machen würde.

Anfang der 50er Jahre setzten große europäische Regierungen auf eine relativ harte Geldpolitik – darunter Westdeutschland, die Schweiz und Frankreich. Im Zusammenspiel mit der steigenden Produktivität in Europa und später auch Japan führte dies zu anhaltenden Handelsüberschüssen mit den USA.

Zudem machten die USA im Laufe der 50er und 60er Jahre immer stärkere Defizite und erhöhten entsprechend die Dollarmenge, ohne dass auch die Goldmenge zur Deckung wuchs. Denn die Notwendigkeit zum Maßhalten, die einst durch den klassischen Goldstandard gegeben war, fehlte nun.

Unter dem klassischen Goldstandard hätten die ausländischen Regierungen ihre überschüssigen Dollar bei den USA in Gold eingelöst. Doch die Regeln von Bretton Woods sahen vor, dass die Staaten Westeuropas ihre Dollarreserven immer weiter erhöhen und diese zudem als Basis für die Aufblähung ihrer eigenen Währung verwenden.

Erst als die Kaufkraft des Dollars zu sinken begann, wurde man im Ausland zunehmend unruhig im Hinblick auf die Inflation in den USA. Entsprechende Beschwerden der Europäer, angeführt von Frankreich und Charles de Gaulles Berater Jacques Rueff, einem Befürworter des klassischen Goldstandards, führten in den USA nicht zum Umlenken.

Daher hatten die Staaten Europas nur eine Möglichkeit, sich gegen die Erodierung des Dollars zu wehren. Sie begannen, diese zum Kurs von 35 Dollar pro Unze in Gold einzulösen, so wie es ihnen in Bretton Woods garantiert worden war. So verloren die USA von Mitte der 50er bis Ende der 60er Jahre mehr als die Hälfte ihrer Goldreserven.

Das Ende von Bretton Woods

Den USA gelang es zunächst, den Goldabfluss nach Europa aufzuhalten, indem sie politischen Druck ausübten. Doch es fiel ihnen immer schwerer, den Goldpreis auf den Handelsmärkten in London und Zürich bei 35 Dollar pro Unze zu halten. Denn während US-Bürger schon seit 1934 keine Goldbarren und Münzen mehr besitzen durften, so hatten die Bürger anderer Staaten dieses Recht sehr wohl.

Privatanleger in Europa und anderswo bemerkten, dass die Garantie von Bretton Woods, 35 Dollar in eine Unze Gold einzulösen, infolge der jahrzehntelangen Inflation in den USA nicht aufrechtzuerhalten war. Sie lösten daher ihre Dollar verstärkt in Gold ein, solange dies noch möglich war.

Um den Dollar bei 35 Dollar pro Unze zu halten, musste die US-Regierung nun immer mehr Gold aus ihren schwindenden Vorräten entnehmen. Diese Entwicklung war nicht haltbar. Daher sahen sich die USA im März 1968 zu einer grundlegenden Änderung des Weltwährungssystems gezwungen.

Um Bretton Woods zu retten, schuf man einen zweistufigen Goldmarkt. Von nun an versuchten die USA nicht mehr, den Marktpreis bei 35 Dollar pro Unze Gold zu halten. In der Folge lag der Goldpreis auf dem freien Markt nun dauerhaft höher und kletterte Anfang 1973 sogar auf rund 125 Dollar pro Unze.

Mit den anderen Regierungen hingegen vereinbarten die USA, den Wert des Dollars weiterhin bei 35 Dollar pro Unze zu halten. Auch sollten die Regierungen und Zentralbanken der Welt künftig kein Gold mehr am Markt kaufen oder verkaufen, sondern nur noch untereinander transferieren.

Doch dieser Versuch, das System von Bretton Woods zu retten, schlug innerhalb weniger Jahre fehl. Inflation und Defizite in den USA hielten an, in Europa sammelten sich die Dollar an und Gold floss weiter aus den USA ab. Zudem zeigte der steigende Goldpreis auf dem freien Markt, dass die Welt das Vertrauen zum Dollar verloren hatte.

Als die Europäer schließlich damit drohten, einen Großteil ihrer angehäuften Dollarmenge in Gold umzuwandeln, zog US-Präsident Richard Nixon am 15. August 1971 die Notbremse. Er setzte das Abkommen Bretton Woods außer Kraft und stoppte die Auszahlung von Gold ins Ausland.

Die anderen Staaten der Welt nahmen diesen klaren Vertragsbruch hin. Sie akzeptierten, dass sie für ihre Dollar von den USA kein Gold mehr erhalten würden, wie es ihnen in Bretton Woods garantiert worden war. Zum ersten Mal in der Geschichte war der Dollar nun gänzlich vom Gold abgekoppelt - und damit auch alle anderen Währungen der Welt.

Ein Währungssystem ohne Gold

Ein letzter Versuch von US-Präsident Nixon, die Währungen der Welt weiterhin zu einem festen Kurs an den Dollar zu knüpfen, war zum Scheitern verurteilt. Denn die US-Währung war nun nicht mehr in Gold konvertierbar, sodass ihr Wert ganz von der US-Politik abhing. Darauf wollten sich die europäischen Regierungen vor dem Hintergrund von Inflation und Wertverfall des Dollars nicht einlassen. Denn um die Kopplung an den Dollar zu halten, hätten sie auch die eigenen Währungen stark inflationieren müssen.

Seit März 1973 hat die Welt nun ein Währungssystem mit schwankenden Wechselkursen und ohne jedwede Kopplung an Gold. Seitdem wurde die stärkste Inflation der Geschichte – abgesehen von Kriegszeiten – vorangetrieben. Denn Haushaltsdisziplin war nun weniger dringend und Währungskriege zur Ankurbelung der eigenen Exportwirtschaft schienen verlockend.

Ökonomen der Schulen von John Maynard Keynes und Milton Friedman hatten vorausgesagt, dass der Goldpreis einbrechen würde, wenn Gold nicht mehr zur Deckung des Geldes gebraucht wird. Doch das Gegenteil geschah. Der Goldpreis ist seit dem Ende von Bretton Woods massiv angestiegen und liegt derzeit in zahlreichen Währungen wie dem japanischen Yen, dem australischen Dollar und dem Euro auf einem Allzeithoch.

Zuletzt hat es wieder Spekulationen über eine mögliche Wiederkehr des Goldstandards gegeben, da die Zentralbanken der Welt zuletzt so viel Gold gekauft haben wie nie zuvor. Doch große Hoffnungen sollte man damit nicht verbinden. Denn auch wenn der klassische Goldstandard im Westen eine Phase extremen wirtschaftlichen Fortschritts ermöglicht hat, so ist doch seine größte Schwäche offenbar geworden: Staaten sind niemals wirklich an ihn gebunden und können ihn bei Bedarf jederzeit außer Kraft setzen.

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