Unternehmen

Online-Modehändler Zalando steigert Gewinn deutlich

Europas größter Online-Modehändler Zalando hat seinen Gewinn dank Corona deutlich gesteigert. Das Nettoergebnis kletterte auf mehr als das Doppelte. Doch nun soll es erst richtig losgehen.
16.03.2021 11:56
Lesezeit: 2 min
Online-Modehändler Zalando steigert Gewinn deutlich
Pakete im Paketzentrum der Deutschen Post durch einen Scanner zum Erkennen der Adresse. (Foto: dpa) Foto: Frank Rumpenhorst

Europas größter Online-Modehändler Zalando will den Schwung aus der Corona-Krise mitnehmen und nun noch stärker wachsen. Das Bruttowarenvolumen (GMV) - der Wert aller verkauften Waren - soll bis 2025 auf mehr als 30 Milliarden Euro steigen, wie das Berliner Unternehmen am Dienstag mitteilte, das längst als Anwärter für den deutschen Leitindex DAX gehandelt wird. Das entspräche einer Verdreifachung zum vergangenen Jahr, als das Bruttowarenvolumen auf 10,7 Milliarden Euro kletterte.

Zalando profitiert davon, dass immer mehr Menschen angesichts vielerorts in der Pandemie geschlossener Läden im Internet ihre Kleidung kaufen und nach Hause liefern lassen. Vorstandschef Robert Gentz rechnet nicht damit, dass die inzwischen 38,7 Millionen Kunden davon wieder ablassen: "Es wird keinen Rückfall auf das Niveau aus der Vor-Corona-Zeit geben."

Am Aktienmarkt kamen die Pläne gut an. Zalando-Papiere legten vier Prozent zu. Händler erklärten, der Ausblick sei über den Erwartungen ausgefallen.

Die europäische Nummer eins wandelt sich gerade von einem reinen Online-Händler zu einem Plattform-Anbieter. Über diese können andere Händler, Modemarken oder stationäre Geschäfte ihre Waren verkaufen und dafür wie auch für Logistik-Dienstleistungen Provisionen an Zalando zahlen. Diesen Bereich will das 2008 gegründete Unternehmen nun kontinuierlich ausbauen, bis er 2025 rund die Hälfte zum GMV beiträgt. Sorgen, dass viele Läden in Folge der Corona-Krise schließen müssen, macht sich Vorstands-Vizechef David Schneider nicht: "Aber sie müssen sich vernetzen."

Das weitere Wachstum soll sich auch aus der Expansion in acht neue Länder speisen. So will Zalando noch in diesem Jahr sein Geschäft auf Estland, Kroatien, Lettland, Litauen, Slowakei und Slowenien ausweiten. 2022 sollen dann Rumänien und Ungarn folgen. Aktuell ist der Modehändler mit rund 14.000 Mitarbeitern in 17 Ländern aktiv.

Weiterlesen: Schwab hatte es „vermutet“: Großunternehmen werden größer, während Kleinunternehmen ganz verschwinden

GEWINN VERDOPPELT SICH - KEINE DIVIDENDE IN SICHT

Nach anfänglichen Problemen in der Corona-Krise, auf die das Unternehmen unter anderem mit einem Sparprogramm reagierte, lief es bei Zalando mehr als rund. Das Nettoergebnis kletterte 2020 um mehr als das Doppelte auf rund 226 Millionen Euro nach knapp 100 Millionen Euro im Vorjahr. Zu dem Plus trug auch eine geringere Retourenquote bei. Die Gewinne will das Unternehmen wie auch in der Vergangenheit in das weitere Wachstum stecken - und nicht in eine Dividende.

Bereits am Montagabend hatte Zalando Umsatz- und Ergebniszahlen veröffentlicht. Die Erlöse stiegen im vergangenen Jahr um 23 Prozent auf acht Milliarden Euro und sollen dieses Jahr um maximal 29 Prozent zulegen. Dazu trägt auch verstärkt der Kosmetiksektor bei. Insidern zufolge soll Zalando ein Auge auf die Online-Kosmetik-Tochter Flaconi von ProSiebenSat.1 geworfen haben. Zu den Gerüchten wollte sich Schneider nicht äußern.

FRAU ZIEHT IN VORSTAND EIN

Mit Astrid Arndt zieht Anfang April erstmals eine Frau in den Vorstand von Zalando ein, der aktuell aus fünf Männern besteht. Damit reagiert das Unternehmen auch auf Kritik an seiner bisher komplett männlichen Führung. Arndt soll sich um Personalfragen kümmern. Der langjährige Co-Chef Rubin Ritter verlässt Zalando wie im Dezember angekündigt nach der Hauptversammlung im Mai. "Es ist der richtige Schritt zur richtigen Zeit", sagte Ritter. Die Zalando-Gründer Gentz und Schneider wollen allein als Co-Chefs weitermachen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

 

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: AMD-Aktien steigen kräftig, während Tech-Sektor Wall Street beflügelt
06.07.2026

Ein spektakulärer Wochenauftakt an den US-Märkten sorgt für Aufsehen – erfahren Sie, welche Entwicklungen die Kurse jetzt antreiben.

DWN
Finanzen
Finanzen Fiskalischer Spitzenreiter: Wie Deutschland seinen Bürgern am meisten abknöpft
06.07.2026

Eine Analyse zur Steuerbelastung in Europa zeigt für das Jahr 2026 eine bittere Wahrheit für deutsche Steuerzahler: Die Bundesrepublik...

DWN
Finanzen
Finanzen Steuererhöhungen 2027: Steuer auf Spirituosen steigt um 20 Prozent - Zuckersteuer kommt auch
06.07.2026

Hochprozentige alkoholische Getränke sollen zum 1. Januar 2027 höher besteuert werden. "Was krank macht, wird teurer" - Finanzminister...

DWN
Politik
Politik Haushalt 2027: Klingbeil plant 200 Milliarden Euro neue Schulden für Deutschland
06.07.2026

Mehr Milliarden vor allem für Verteidigung, höhere Schulden - das prägt den Haushaltsentwurf von Finanzminister Klingbeil für...

DWN
Finanzen
Finanzen KI-Inflation: Warum der KI-Boom Ihr Erspartes entwerten könnte
06.07.2026

Künstliche Intelligenz soll die Wirtschaft produktiver machen, Prozesse beschleunigen und Wohlstand schaffen. Doch bevor dieser Effekt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europäische ChatGPT-Alternative: Warum ein 79-jähriger Unternehmer Big Tech herausfordert
06.07.2026

Ein dänischer Unternehmer und ein selbst ernannter KI-Guru wollen zeigen, dass Europa nicht länger auf amerikanische Tech-Giganten...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Billiganbieter: Temu, Shein und Co. steigern Marktanteil auf Rekordwert
06.07.2026

Die Verbraucher in Deutschland geben online immer mehr Geld bei Shoppingplattformen wie Temu oder Shein aus. Während die asiatischen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Stellenabbau bei Porsche: Konzern streicht weitere 4.000 Jobs
06.07.2026

Wegen der Absatzkrise fallen beim Sportwagenhersteller Porsche bereits mehr als 4.000 Stellen weg. Diese Zahl könnte einem Bericht zufolge...