Wirtschaft

Schwab hatte es „vermutet“: Großunternehmen werden größer, während Kleinunternehmen ganz verschwinden

Der Gründer des Weltwirtschaftsforums Klaus Schwab schreibt in seinem Buch „Covid-19: Der Grosse Umbruch“, das im Juli 2020 erschienen ist, dass die Kleinen im Gastgewerbe die Lockdowns weitgehend nicht überleben werden. „Überleben werden hingegen die großen Ketten und Fast-Food-Giganten. Das legt die Vermutung nahe, dass große Unternehmen größer werden, während die kleinsten schrumpfen oder ganz verschwinden“.
24.02.2021 19:38
Aktualisiert: 24.02.2021 19:38
Lesezeit: 4 min
Schwab hatte es „vermutet“: Großunternehmen werden größer, während Kleinunternehmen ganz verschwinden
23.01.2019, Schweiz, Davos: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schüttelt während einer Plenarsitzung im Rahmen des Weltwirtschaftsforums die Hand von Klaus Schwab (l), Gründer und Vorstandsvorsitzender des Weltwirtschaftsforums (WEF). (Foto: dpa)

Der Gründer des Weltwirtschaftsforums (WEF), Klaus Schwab, und Thierry Malleret, der als Senior Director des Global Risk Network des WEF aktiv ist, haben etwa ein halbes Jahr nach Beginn der Corona-Pandemie im Jahr 2020 ein Buch unter dem Titel „Covid-19: The Great Reset“ („Covid-19: Der Grosse Umbruch“) veröffentlicht. Die Erscheinung des Buchs ist datiert auf den 9. Juli 2020.

In ihrem Buch schreiben sie unter anderem:

„Aufgrund der hohen gegenseitigen Abhängigkeit und Verflechtung der heutigen Wirtschaft, Industriezweige und Unternehmen, vergleichbar mit der Dynamik, mit der Makrokategorien miteinander verbunden sind, kann jedes Glied der Kette auf die unterschiedlichste Art und Weise schnell einen Dominoeffekt bei den anderen auslösen. Schauen wir uns als Beispiel einmal die Restaurants. Dieser Wirtschaftszweig wurde von der Pandemie in einem so dramatischen Ausmaß getroffen, dass nicht einmal sicher ist, wie das Gaststättengewerbe sich je wieder vollständig erholen soll. Ein Restaurantbetreiber drückte es so aus: ,Wie hunderte andere Köche in der Stadt und Tausende im ganzen Land stehe ich jetzt vor der großen Frage, wie unsere Restaurants, unsere Berufswege, unser Leben aussehen könnten, wenn wir sie überhaupt je zurückbekommen‘. In Frankreich und im Vereinigten Königreich schätzen mehrere Branchenkenner, dass bis zu 75 Prozent der unabhängigen Restaurants die Lockdowns und die nachfolgenden Social-Distancing-Maßnahmen nicht überleben könnten. Überleben werden hingegen die großen Ketten und Fast-Food-Giganten. Das legt die Vermutung nahe, dass große Unternehmen größer werden, während die kleinsten schrumpfen oder ganz verschwinden.“

„Der Mikro-Umbruch wird jedes Unternehmen in jeder Branche zwingen, neue Geschäft- Arbeits- und Betriebsweisen auszuprobieren. Wer sich der Versuchung hingibt, zur alten Arbeitsweise zurückzukehren, wird scheitern. Alle, die sich hingegen mit Flexibilität und Phantasie anpassen, werden die Covid-19-Krise schließlich zu ihrem Vorteil nutzen.“

„Die Reduzierung der soz. Kontakte als Reaktion auf Corona und die während der Ausgangsbeschränkung verhängten Maßnahmen des körperlichen Abstandhaltens werden ebenfalls dazu beitragen, dass sich der elektronische Handel (E-Commerce) zu einem immer stärkeren Branchentrend herauskristallisiert. Die Verbraucher brauchen Produkte, und wenn sie nicht einkaufen können, werden sie unweigerlich dazu übergehen, sie online zu kaufen. Und dann wird es zur Gewohnheit. Menschen, die zuvor noch nie online eingekauft haben, freunden sich damit an, während die Gelegenheits-Online-Käufer jetzt mehr und mehr dazu übergehen werden. Das wurde während des Lockdowns deutlich.“

„Wie Henry Kissinger bemerkte: ,Der Zusammenhalt und wirtschaftliche Erfolg von Ländern basiert auf dem Glauben, dass ihre Institutionen Katastrophen vorhersehen, ihre Auswirkungen stoppen und die Stabilität wiederherstellen können. Wenn die Covid-19-Pandemie vorbei ist, werden die Institutionen vieler Länder als gescheitert gebrandmarkt sein‘. Dies gilt insbesondere für einige reiche Länder mit modernsten Gesundheitssystemen und hochentwickelter Forschung, Wissenschaft und Innovation, deren Bürger sich fragen werden, warum die öffentliche Hand in ihrem Land im Vergleich zu anderen so schlecht abgeschnitten hat. In diesen Ländern kommt unter Umständen das Grundgerüst ihres sozialen Gefüges und ihres sozioökonomischen Systems zum Vorschein und wird als der ,wahre‘ Schuldige angeprangert, der es versäumt hat, das wirtschaftliche und soziale Wohlergehen für die Mehrheit der Bürger zu gewährleisten.“

Unter Berücksichtigung der aktuellen Abschnitte müssen folgende rhetorische Fragen aufgestellt werden:

Wieso waren sich Schwab und Malleret bereits in den ersten beiden Quartalen 2020 so sicher, dass „große Unternehmen größer werden, während die kleinsten schrumpfen oder ganz verschwinden“ werden? Schließlich wurden damals in Deutschland und anderen Ländern Versprechungen gemacht, wonach die kleinen und mittelständischen Unternehmen finanziell unterstützt werden sollen, was zwar nicht eingetreten ist, aber versprochen wurde es. Wieso waren sich die Masterminds des WEF so sicher, dass die kleinen und mittelständischen Unternehmen „sterben“ werden?

Wenn Schwab und Malleret in ihrem Buch behaupten, dass die Menschen sich im Verlauf der Kontaktbeschränkungen und den Lockdown an den Kauf von Produkten im Online-Bereich gewöhnen werden, stellt sich die Frage, wieso sie sich bereits zu Beginn der Pandemie so sicher waren, dass die Maßnahmen lange andauern werden? Weder Schwab noch Malleret sind bekannte Top-Virologen, Epidemiologen oder Mediziner. Eine Eingewöhnungszeit muss schließlich wirklich lange andauern, damit sich die Gewohnheiten nachhaltig ändern.

Interessant ist auch die Prognose, dass die Institutionen vieler Länder als gescheitert gebrandmarkt sein werden. Wieso waren sich die beiden WEF-Funktionäre auch bei dieser Prognose bereits zu Beginn der Pandemie so sicher? Die Vertreter des WEF lehnen in großen Teilen die Nationalstaaten ab. Stattdessen plädieren sie dafür, dass Städte die Nationen ablösen. „Laut dem neuen Global Risks Report des Weltwirtschaftsforums ermutigen strukturelle Veränderungen die Nationalstaaten, mehr transaktionale und einseitige Positionen einzunehmen. Einige Nationen geben alte Allianzen auf, stellen den Wert des Multilateralismus in Frage und ziehen sich zu eng definierten nationalen Interessen zurück. Unter dem anhaltenden Abwärtsdruck auf die Weltwirtschaft werden die Bürger unruhig und sind frustriert über ihre nationalen Politiker (…) Vielleicht sind Nationalstaaten Teil des Problems (…) Ob es den Nationalstaaten gefällt oder nicht, Städte werden im kommenden Jahrzehnt eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung der internationalen Politik spielen“, so der Politikwissenschaftler Robert Muggah in einem Beitrag des WEF. Auf der Webseite des WEF lassen sich zahlreiche Artikel und Beiträge finden, die sich gegen die Nationalstaaten richten.

Wem dienen jene Kreise, die von sich behaupten, sie seien Patrioten, aber nach jedem Satz erwähnen, dass „das System am Ende“ sei? Im Wort „System“ steckt der eigentliche Code. Wenn die aktuellen Systeme, die nationalstaatliche Attribute aufweisen, zerstört werden, entsteht ein Vakuum, das anschließend gefüllt werden muss.

Diese Ausführungen sollen keine Rechtfertigung für die Politik darstellen. Schließlich besteht die Tragödie darin, dass sich die Aussagen von Schwab und Malleret mit den Auswirkungen des Corona-Managements durch die Politik decken.

Übrigens wäre es nicht schlecht, wenn sich Medien und Wissenschaftler mehr um die Nöte der Menschen in Deutschland kümmern würden, anstatt durchgehend steinreiche Politiker und Wirtschafts-Eliten in Schutz zu nehmen, die in Deutschland und in der Schweiz in Prunkvillen am See leben, steuerliche Vorteile genießen und sich die Posten in Politik und Wirtschaft gegenseitig zuschieben.

Diese Leute haben genug Geld, um sich selbst zu wehren. Da werden nicht noch zusätzliche Unterstützer und Claqueure benötigt. Es sei denn, jene Claqueure erhoffen sich durch ihre mediale Unterstützung den einen oder anderen Lobby-Job in der freien Wirtschaft.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Die Firmen hinter den Casino-Webseiten: Wie groß ist das Netzwerk wirklich?

Wer ein Online Casino besucht, sieht zunächst eine eigenständige Marke. Eigener Name, eigene Webseite, andere Bonusangebote und teilweise...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: SPD kämpft ums Überleben – und rüttelt an der Wahlhürde
22.08.2026

Drei Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt dümpelt die SPD bei mageren 5 bis 7 Prozent und kämpft um ihr politisches Überleben....

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Indizes legen bei geringem Handelsvolumen leicht zu und Krypto feiert Comeback
21.08.2026

Ein scheinbar ruhiger Handelstag bringt überraschende Dynamik an die Finanzmärkte.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Preiskrieg bei chinesischen Autos wird zur Milliardenfalle
21.08.2026

China verkauft immer bessere Elektroautos zu immer niedrigeren Preisen. Was Käufer freut, frisst die Margen der Hersteller, drückt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU-Gasspeicher unter Druck: Wann steuert Deutschland gegen?
21.08.2026

Europas Gasspeicher sind deutlich leerer als in den vergangenen Jahren. Dahinter steckt kein bloßes Versäumnis, sondern ein Gasmarkt, der...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Velico Medical: Trockenplasma für die NATO – was hinter dem Erfolg steckt
21.08.2026

Velico Medical stellt Trockenplasma in mobilen Containern her, die weltweit eingesetzt werden können. Nach einem Millionenvertrag mit dem...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Toyota RAV4 im Test: Weniger PS, mehr Argumente
21.08.2026

Der Toyota RAV4 bleibt ein äußerst vernünftiger Familien-SUV mit sparsamem Hybridantrieb, viel Platz und guter Alltagstauglichkeit. Die...

DWN
Technologie
Technologie Fußball mit KI: Roboter erzielt Tore gegen Menschen
21.08.2026

Ein humanoider Roboter aus China lernt Fußball nicht auf dem Rasen, sondern zunächst in einer Simulation. Anschließend tritt er gegen...

DWN
Politik
Politik Analyse: Das ist Russlands Raketenbedrohung für die Ukraine
21.08.2026

Russland produziert inzwischen so viel mehr ballistische Raketen, dass im Winter mehrere Großangriffe mit bis zu 200 Raketen auf einmal...