Deutschland

Zahl der Baugenehmigungen auf höchstem Stand seit 2016

Die Corona-Krise hat in Deutschland nicht zu einem Rückgang der Baugenehmigungen für Wohnungen geführt. Mehr genehmigte Wohnungen als 2020 gab es seit der Jahrtausendwende nur in einem einzigen Jahr.
17.03.2021 08:56
Aktualisiert: 17.03.2021 08:56
Lesezeit: 2 min

Trotz der Corona-Pandemie haben die deutschen Bauämter im vergangenen Jahr deutlich mehr Wohnungen genehmigt. Die Zahl stieg im Vergleich zu 2019 um 2,2 Prozent auf 368 400, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Darin sind sowohl Bewilligungen für den Bau neuer Gebäude als auch Baumaßnahmen an bestehenden enthalten.

Mehr genehmigte Wohnungen als 2020 habe es seit der Jahrtausendwende nur 2016 gegeben (375 400), erklärten die Wiesbaden Statistiker. Auch ein kräftiger Dämpfer im vergangenen Dezember (minus 11 Prozent) konnte den Aufwärtstrend im Gesamtjahr nicht stoppen.

Im vergangenen Jahr wurden demnach in neu zu errichtenden Wohngebäuden rund 320 200 Wohnungen genehmigt - 2,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Besonders gefragt waren Zweifamilienhäuser, wo es sprunghafte Zuwächse bei den Bewilligungen gab (plus 20,5 Prozent). Die Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser wuchsen um 2,4 Prozent, die für Mehrfamilienhäuser nur leicht um 0,4 Prozent.

"Der Trend stimmt, aber die Dynamik flacht zu sehr ab", kommentierte Axel Gedaschko, Präsident des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen. So habe der Anstieg der Baugenehmigungen 2019 noch bei 4 Prozent gelegen. "Um das bezahlbare Wohnen in Deutschland wirklich voranzubringen, ist ein stärkerer und dauerhafter Schub bei den Baugenehmigungen notwendig."

Baugenehmigungen sind ein wichtiger Indikator für den Neubau im Kampf gegen die Wohnungsnot in vielen Städten. Viele Wohnungen werden genehmigt, aber noch nicht gebaut, etwa weil Handwerker und Baufirmen im Immobilienboom überlastet sind. Daher übersteigt die Zahl der Baugenehmigungen bei weitem die der fertiggestellten Gebäude.

Die Corona-Pandemie habe die Nachfrage nach Wohnraum nicht gebremst, sagte Tim Lorenz, Vizepräsident Wirtschaft des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie. "Sie hat uns gezeigt, wie wichtig die eigenen vier Wände sind - schließlich spielt sich fast alles zu Hause ab." Bei den für die breite Bevölkerung wichtigen Genehmigungen von Mehrfamilienhäusern habe es aber kaum Zuwächse gegeben.

Der Anstieg der Baugenehmigunen nicht darüber hinwegtäuschen, dass man gerade in Ballungsgebieten weit entfernt sei vom Neubaubedarf, sagte Andreas Ibel, Präsident des Bundesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen. "Baugenehmigungen müssen vor allem dort schnell erteilt werden, wo bezahlbarer Wohnraum dringend gebraucht wird, und das sind die Metropolen".

Ibel fordert zudem, dass die Politik in der Corona-Krise einen stärkeren Fokus auf die Innenstädte legen solle. "Wenn wir auch in Zukunft attraktive und lebendige Innenstädte wollen, müssen wir das Wohnen dort leichter ermöglichen."

Die von der Bundesregierung versprochene Wohnraumoffensive hat nach Einschätzung des Mieterbundes und Verbänden der Immobilienwirtschaft dennoch zentrale Ziele verfehlt.

"Von den eigentlich geplanten 1,5 Millionen neuen Wohnungen werden bis zum Ende der Legislaturperiode nur 1,2 Millionen Wohnungen gebaut sein und damit 300.000 zu wenig", sagte kürzlich der Präsident des Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, Axel Gedaschko. "Der nötige 'Wumms' fehlt beim Bauen und Wohnen in Deutschland." Der Mieterbund kritisierte den Verlust von immer mehr Sozialwohnungen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Wie Verbraucher mit Risiko umgehen – zwischen Finanzentscheidungen und digitaler Unterhaltung

Risiko ist ein Begleiter fast jeder wirtschaftlichen Entscheidung. Mal ist es größer, mal kleiner. Mal offensichtlich, mal schwer...

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Panorama
Panorama 40 Jahre nach Tschernobyl: Die langfristigen Folgen für Deutschland
25.04.2026

Die Nuklearkatastrophe von 1986 wirkt bis heute nach – auch in Deutschland. Doch wie stark ist die Strahlenbelastung 40 Jahre nach...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Open-XDR gegen Cyberangriffe: Wie Unternehmen den Überblick behalten
25.04.2026

Unternehmen stehen angesichts wachsender Cyberangriffe und komplexer IT-Strukturen vor der Herausforderung, Sicherheitsrisiken schneller...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europas Wettbewerbsfähigkeit: Draghi-Bericht setzt neue Maßstäbe in der EU-Politik
25.04.2026

Draghis Bericht zu Europas Wettbewerbsfähigkeit gewinnt in Brüssel spürbar an Einfluss und prägt zentrale wirtschaftspolitische...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: S&P 500 steigt dank Tech-Gewinnen, obwohl die meisten Aktien an der Wall Street fallen
24.04.2026

Entdecken Sie, welche überraschenden Dynamiken die Märkte in dieser volatilen Phase antreiben und warum nicht alles so ist, wie es auf...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Viega: Wie ein Sauerländer Mittelständler den Weltmarkt für Pressverbindungstechnik dominiert
24.04.2026

Was niemand sieht, hält alles am Laufen. Ein Porträt über den Sauerländer Mittelständler Viega, der mit Pressverbindungstechnik...

DWN
Politik
Politik Bundestag beschließt Tankrabatt: Wie stark sinkt die Steuer?
24.04.2026

Ab 1. Mai sollen Benzin und Diesel günstiger werden - befristet für zwei Monate. Worum es geht und was es mit einer Prämie auf sich hat.

DWN
Panorama
Panorama Berliner Kultur-Beben: Senatorin Wedl-Wilson tritt nach Förder-Affäre zurück
24.04.2026

Nur fünf Monate vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus verliert Berlin seine Kultursenatorin. Sarah Wedl-Wilson zieht damit die Konsequenz aus...

DWN
Panorama
Panorama DWN-Wochenrückblick KW 17: Die wichtigsten Analysen der Woche
24.04.2026

Im DWN Wochenrückblick KW 17 aus dem Jahr 2026 fassen wir die zentralen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen der vergangenen...