Weltwirtschaft

Containerschiff im Suezkanal wieder frei, Verkehr soll weitergehen

Lesezeit: 2 min
29.03.2021 16:17
Das im Suezkanal auf Grund gelaufene Riesen-Containerschiff "Ever Given" ist nach offiziellen Angaben wieder frei. Doch Reeder und Rückversicherer erwarten noch lange und massive Folgen.
Containerschiff im Suezkanal wieder frei, Verkehr soll weitergehen
Schlepper arbeiteten am Montag an der Freisetzung des auf Grund gelaufenen Containerschiffs «Ever Given» im Suezkanal. (Foto: dpa)
Foto: -

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Das im Suezkanal auf Grund gelaufene Riesen-Containerschiff "Ever Given" ist nach offiziellen Angaben wieder frei. Der Kanalbetreiber SCA teilte am Montag mit, dass der Verkehr in der für die globale Schifffahrt so wichtigen Wasserstraße wieder aufgenommen werde. Ein Reuters-Reporter sah, wie sich das Schiff bewegte. Ein sogenannter Schiffstracker und das ägyptische Fernsehen zeigten den Frachter in der Mitte des Kanals. Die 400 Meter lange "Ever Given" hat rund eine Woche lang den Weg für mindestens 369 wartende Schiffe versperrt und damit für Verzögerungen im Welthandel und bei Lieferketten gesorgt.

Die ohnehin durch die Corona-Pandemie gebeutelte Schifffahrt könnte die Folgen der Blockade laut dem weltgrößten Reeder Maersk noch Monate lang spüren. Die "Ever Given" gehört zu den größten Containerschiffen der Welt. Sie hatte sich am Dienstag vergangener Woche bei starkem Wind in dem Kanal zwischen dem Mittelmeer und dem Roten Meer verkeilt. Um das mit 13.800 Containern beladene Schiff wieder flott zu bekommen, hatte die Suez Canal Authority (SCA) zuletzt schon eine Entladung vorbereitet. Letztlich kam das Schiff aber mit Hilfe von Schleppern frei, nachdem in den vergangenen Tagen Zehntausende Kubikmeter Sand ausgebaggert worden waren.

VOLLSTÄNDIGES FREISCHLEPPEN "KEINE LEICHTE ÜBUNG"

Als der Frachter am frühen Montagmorgen ägyptischer Zeit in Gang kam, gab es Applaus und ein Hupkonzert der Schlepper-Crews, wie in Social-Media-Videos zu sehen und zu hören war. An der Bergung der "Ever Given" ist auch die niederländische Bergungsfirma Smit Salvage beteiligt. Der Chef des Mutterkonzerns Boskalis, Peter Berdowski, zeigte sich erfreut über den Fortschritt. Das vollständige Freischleppen sei aber "keine leichte Übung", warnte Berdowski im niederländischen Rundfunk. Der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi hatte sich bisher noch nicht öffentlich zur Lage im Suezkanal geäußert. Am Montag erklärte er, Ägypten habe die Krise beendet und die Wiederaufnahme des Handels durch den Kanal gesichert.

Das Unglück hat weltweit Lieferketten durcheinandergebracht. Die deutsche Industrie fürchtet Versorgungsengpässe. Der vor gut 150 Jahren eröffnete und vor einigen Jahren erweiterte Kanal ist Kernstück der kürzesten Seeverbindung zwischen Europa und Asien. Über die Wasserstraße werden unter anderem Möbel, Elektrogeräte und Kleidung nach Europa geliefert. Umgekehrt sind durch den Stau jetzt auch leere Container auf dem Rückweg nach Asien auf der Strecke geblieben.

Die dänische Reederei Maersk erklärte, selbst wenn der Kanal nun wieder eröffnet werde, gebe es noch Wochen, wenn nicht Monate deutliche Auswirkungen auf die internationale Schifffahrt. Die Corona-Pandemie hatte bereits zu Engpässen bei der Einfahrt und Abfertigung in Häfen weltweit geführt. Bei Maersk und auch beim Hamburger Rivalen Hapag-Lloyd sind mehrere Schiffe direkt von der jüngsten Blockade betroffen, indem sie entweder im Kanal feststeckten, davor warten mussten oder umgeleitet wurden.

FOLGEN FÜR WELTHANDEL - RÜCKENWIND FÜR BAHN

Laut Maersk könnte es mindestens sechs Tage dauern, bis der Stau ganz aufgelöst werden kann. Der Kanalbetreiber SCA geht dagegen von maximal drei Tagen aus und sicherte zu, die Beförderung der wartenden Schiffe durch den Kanal nach Bergung der "Ever Given" zu beschleunigen. "Wir werden nicht eine Sekunde vergeuden", versprach der SCA-Vorsitzende Osama Rabie.

Das Kieler Institut für Weltwirtschaft rechnet noch nach einer Bergung der "Ever Given" mit Nachwirkungen für den Welthandel. Die Ratingagentur Fitch geht davon aus, dass auf Rückversicherer wegen der Blockade Verluste von Hunderten Millionen Euro zukommen. Das werde auf die Bilanzen durchschlagen und auch die Preise für Rückversicherungen der Schifffahrt in die Höhe treiben.

Positive Effekte meldet dagegen die Bahn: Die Blockade im Suez-Kanal hat nach Worten einen Konzernsprechers die Nachfrage nach Schienen-Transporten von und nach Asien spürbar erhöht. Die Züge benötigten nach China ohnehin mit zehn Tagen nur etwa halb so lang wie das Schiff. Die Nachfrage habe schon mit Beginn der Pandemie zugenommen.


Mehr zum Thema:  

DWN
Unternehmen
Unternehmen Weniger Administration, mehr Innovation: Digitale bAV-Verwaltung schafft Raum für Neues

Was macht einen Arbeitsplatz attraktiver als andere. Sicherlich mehr als nur das monatliche Gehalt. Langfristiges Denken kann sich für...

DWN
Finanzen
Finanzen „Größter Crash der Geschichte“: Experten empfehlen Anlegern schnell zu handeln, um Vermögenswerte zu schützen

Finanzexperten empfehlen Klein- und Großanlegern, dass sie ihre Anlagestrategien überdenken, bevor es zu spät ist. Denn auf die Welt...

DWN
Technologie
Technologie Ab dem 1. November funktioniert WhatsApp nicht mehr auf insgesamt 45 Smartphones

Ab dem 1. November 2021 wird WhatsApp auf 45 Smartphones und iPhones nicht mehr funktionieren. Hier können Sie die vollständige Liste der...

DWN
Politik
Politik Gas-Streit zwischen Russland und Moldawien eskaliert

Der russische Energiekonzern Gazprom droht der Ex-Sowjetrepublik Moldau wegen nicht bezahlter Rechnungen mit einem Zudrehen des Gashahns.

DWN
Finanzen
Finanzen Wie globale Finanzkrisen entstehen – und wie man den drohenden Crash erkennt

Finanzkrisen treten immer wieder auf. Die Börsenkurse stürzen dann innerhalb kürzester Zeit ins Bodenlose. Doch was sind die Auslöser...

DWN
Panorama
Panorama Neue Studie: Wikinger ließen sich im Jahr 1021 in Nordamerika nieder

Einer neuen Studie zufolge ließen sich die Wikinger 1021 n. Chr. in Nordamerika nieder. Es ist seit langem bekannt, dass die Europäer vor...

DWN
Technologie
Technologie E-Auto-Brandgefahr: Was ist ein Thermal Runaway?

Die Brandgefahr bei E-Autos beschäftigt Fachleute und Automobil-Clubs. Was in diesem Zusammenhang ein „Thermal Runaway“ ist und wie...

DWN
Politik
Politik Corona-Knaller in Österreich: Lockdown nur für Ungeimpfte beschlossen – wenn Intensivbetten ausgelastet sind

Die österreichische Regierung hat beschlossen, dass nur Ungeimpfte in den Lockdown müssen, wenn die Intensivbetten in den Krankenhäusern...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Rente mit 70 - sonst kollabiert unser System!

DWN-Kolumnist Ronald Barazon liefert eine umfassende Analyse unseres Wirtschafts- und Sozialsystems nach Corona.