Politik

Aerosol-Forscher schreiben Brandbrief an Merkel: Ausgangssperren sind absurd und gefährlich

Die von der Bundesregierung per Sondergesetz geplanten Ausgangsbeschränkungen sind kontraproduktiv, sagen Aerosol-Forscher.
14.04.2021 09:51
Aktualisiert: 14.04.2021 09:51
Lesezeit: 1 min
Aerosol-Forscher schreiben Brandbrief an Merkel: Ausgangssperren sind absurd und gefährlich
Eine Musikerin spielt Querflöte in einem Labor, in dem mittels Rauch die Verteilung von Aerosolen sichtbar gemacht wird. (Foto: dpa) Foto: -

Der Aerosol-Forscher Gerhard Scheuch hat davor gewarnt, Menschen mit Ausgangsbeschränkungen in die aus infektiologischer Sicht viel gefährlicheren Innenräume zu treiben. Die mit der geplanten Bundes-Notbremse verbundenen Ausgehverbote zwischen 21 und 5.00 Uhr seien aus fachlicher Sicht kontraproduktiv, sagte der Ex-Präsident der internationalen Gesellschaft für Aerosolforschung am Mittwoch im «Morgenecho» von WDR 5. «Wenn wir Ausgangssperren verhängen, dann suggerieren wir der Bevölkerung: Achtung! Draußen ist es gefährlich. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Wenn die Leute in Innenräumen bleiben, dann ist es gefährlich.»

Führende Aerolsol-Forscher aus Deutschland hatten deswegen bereits in einem Offenen Brief an die Bundesregierung und die Landesregierungen einen Kurswechsel gefordert. Die Wissenschaftler wehrten sich dagegen, «dass man "draußen" jetzt plötzlich katastrophisiert», erklärte Scheuch.

Joggen mit Maske, gesperrte Parks oder ein Verbot, abends noch auf einen Spaziergang oder eine Zigarette aus einer möglicherweise beengten Wohnung heraus an die frische Luft zu gehen, seien «absurde Maßnahmen». Stattdessen sollte es den Bürgern ermöglicht werden, raus zu gehen. Corona-Infektionen seien «ein Innenraum-Problem», unterstrich der Aerolsol-Forscher.

Wer unbedingt andere Leute treffen müsse, solle die Zahl stark begrenzen und die Zusammenkünfte kurz halten, empfahl Scheuch. «Jede Stunde länger treffen zusammen in Innenräumen ist ganz, ganz gefährlich.» Das sei den meisten immer noch nicht klar. Unterricht in Schulen sei nur mit einer Kombination aus Schutzmaßnahmen möglich: Lüften, Raumfilter, Masken aufsetzen, kurze Unterrichtszeit und große Räume.

Dass Ausgangssperren bundesweit kommen ist klar. Denn die neuen Sondervollmachten der Bundesregierung gelten ab einer Inzidenz von 100. Die Inzidenzzahl steigt jedoch zwangsläufig, wenn mehr getestet wird. Da eine Testpflicht für Unternehmen angeordnet wurde, dürfte die Zahl der Tests in Deutschland stark steigen. Warum die Bundesregierung nicht auf aussagekräftigere Zahlen zur Einschätzung der Pandemielage wie die Positivrate der Tests oder die Anzahl der landesweit belegten Intensivbetten setzt, ist unklar.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: 440 Wahlscheine doppelt versendet
26.08.2026

Das Wahlamt hat in Magdeburg 440 Wahlscheine für die Briefwahl doppelt gedruckt und versendet. Doch die Stadt versichert: Eine...

DWN
Panorama
Panorama Zehn Gramm zu wenig kosten Bäcker 15.000 Euro
26.08.2026

Zehn Gramm zu wenig können teuer werden: Ein Kunde beschwert sich über ein halbes Brot und setzt eine kostspielige Kette in Gang. Nun...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Während Nike in China schwächelt, wächst die freche Kopie
26.08.2026

Die chinesische Kopie von Nike Jordan ist im Heimatmarkt riesig geworden, während Nike an Boden verloren hat. Das passt zu einem Trend,...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Nvidia beendet vor Zahlenvorlage siebentägige Verlustserie
25.08.2026

Spannung an den US-Börsen: Wie Tech-Riesen und Konjunkturdaten die Wall Street bewegen.

DWN
Politik
Politik Was soll künstliche Intelligenz, wenn sich die EU nicht einmal auf den Saftkarton einigen kann?
25.08.2026

Europa will bei künstlicher Intelligenz mit den USA und China konkurrieren. Doch im eigenen Binnenmarkt scheitern Unternehmen noch immer...

DWN
Politik
Politik Milliardenloch bei der Arbeitslosenversicherung: Kommen höhere Beiträge?
25.08.2026

Im Juli gab es über drei Millionen Menschen, die arbeitslos gemeldet sind. Damit liegt die Arbeitslosenquote bei 6,4 Prozent. Tendenz...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bei VW wächst der Druck auf Blume
25.08.2026

Bei Volkswagen wächst die Unruhe: Tausende Jobs und vier Werke stehen auf dem Spiel, doch die Belegschaft fühlt sich vom Vorstand im...

DWN
Finanzen
Finanzen KI-Aktien: Investoren suchen jetzt Gewinner in China und kaufen diese Werte
25.08.2026

Mit dem chinesischen Aktienmarkt sind mehrere Risiken verbunden. Doch zwei Schwergewichte unter den Investoren sehen in Chinas...