Politik

China ist der größte Profiteur der Corona-Krise

Vor einem Jahr erlebte die zweitgrößte Volkswirtschaft wegen der Corona-Krise einen schweren Einbruch. Nun legt sie den größten Wachstumssprung seit Beginn der quartalsweisen Auswertung vor gut 30 Jahren hin. Das Land wird seit Jahren vom Weltwirtschaftsforum hofiert.
16.04.2021 11:27
Aktualisiert: 16.04.2021 11:27
Lesezeit: 2 min

Chinas Wirtschaft hat die Corona-Krise weitgehend überwunden und ist mit einem Rekordwachstum ins neue Jahr gestartet. Wie das Pekinger Statistikamt am Freitag mitteilte, legte die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt in den ersten drei Monaten um 18,3 Prozent zu im Vergleich zum ersten Quartal des Vorjahres.

Es handelt sich um den größten Sprung seit Beginn der quartalsweisen Auswertung vor gut 30 Jahren. Der ungewöhnlich starke Zuwachs erklärt sich damit, dass die chinesische Wirtschaft im vergangenen Frühjahr wegen der Corona-Pandemie stark eingebrochen war. Damals kam das bevölkerungsreichste Land der Welt für mehrere Wochen beinahe komplett zum Stillstand.

Chinas Regierung verfolgte eine Null-Covid-Strategie: Ein rigoroser Lockdown und scharfe Einreisekontrollen führten dazu, dass - von kleineren lokalen Ausbrüchen abgesehen - bereits seit gut einem Jahr nur noch sehr wenige Corona-Fälle auftreten. Seitdem befindet sich die Wirtschaft auf Erholungskurs.

Generell habe sich im ersten Quartal eine «stabile Erholung» fortgesetzt, teilte Chinas Nationales Statistikamt am Freitag mit. «Wir müssen uns jedoch bewusst sein, dass sich die Corona-Pandemie immer noch weltweit ausbreitet», so die Behörde weiter, die vor großen Unsicherheiten und möglicher Instabilität warnte.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) schätzt, dass die chinesische Wirtschaft in diesem Jahr um weitere 8,1 Prozent zulegen könnte. Die chinesische Regierung ist vorsichtiger und legte ihr offizielles Wachstumsziel auf dem gerade in Peking zu Ende gegangenen Volkskongress auf einen Wert von «über 6 Prozent» fest.

Besonders ein starker Außenhandel half Chinas Wirtschaft zuletzt auf die Sprünge. Chinas Fabriken liefen auf Hochtouren, um medizinische Güter wie Corona-Tests und Schutzmasken in alle Welt zu exportieren. Auch Laptops und andere Ausstattung für das Home Office kommen oft aus China. Die Industrieproduktion zog im ersten Quartal um 24,5 Prozent an.

Wie schon in der globalen Finanzkrise 2008 hilft China dabei, der Weltwirtschaft neuen Schwung zu verleihen. Deutsche Autobauer und auch viele andere Firmen, die auf dem chinesischen Markt agieren, konnten sich dort zuletzt über üppige Gewinne freuen.

Das Weltwirtschaftsforum pflegt enge Beziehungen zur Kommunistischen Partei Chinas. Während Chinas Wirtschaft mittlerweile als Profiteur aus der Corona-Krise hervorgeht, wird der deutsche Mittelstand auseinandergenommen. Peking könnte in Deutschland und Europa bald auf Einkaufstour gehen (HIER und HIER).

In China hat Corona auch das sogenannte „Sozialkredit-System“ beflügelt. Wer sich konform verhält, erhält Steuervorteile und wird bevorzugt behandelt. Wer sich nicht konform verhält, erhält beispielsweise einen beschränkten Zugang zu Sozialleistungen, wird vom Buchen von Flugzeug- und Flugtickets ausgeschlossen und öffentlich geächtet. Dieses digitale Projekt hat eine „erzieherische Funktion“ und läuft über ein Punktesystem. Dieses System wollen auch die europäischen Regierungen im Verlauf der Digitalisierung übernehmen (HIER).

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Unternehmen
Unternehmen Helsing sammelt 1,8 Milliarden Dollar für KI und Drohnen ein
13.07.2026

Mit frischem Kapital in Milliardenhöhe will Helsing seine Rolle als europäischer Technologieführer im Verteidigungssektor ausbauen. KI,...

DWN
Technologie
Technologie EU prüft Social-Media-Verbot: Expertenbericht sorgt für neue Debatte
13.07.2026

TikTok, Instagram und Snapchat stehen erneut im Fokus der Politik. Ein Bericht für die EU-Kommission soll zeigen, wie Minderjährige...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche Autobauer setzen verstärkt auf Ungarn
13.07.2026

Mercedes investiert mehr als eine Milliarde Euro in Kecskemet – und macht die ungarische Provinz zur Auto-Hochburg. Auch VW und BMW...

DWN
Politik
Politik Angriffe und Gegenschläge: Warum die Lage am Golf immer gefährlicher wird
13.07.2026

Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran verschärfen sich weiter. Neue Angriffe, Gegenschläge und eine blockierte Straße von Hormus...

DWN
Politik
Politik Tabaksteuer soll stärker steigen als geplant: Kosten Zigaretten bald 12 Euro?
13.07.2026

Rauchen könnte in den kommenden Jahren noch teurer werden als bisher angekündigt. Die Koalition will die Tabaksteuer nachschärfen und...

DWN
Politik
Politik EU-Gasspeicher: Europa steuert auf die nächste Gaspreisfalle zu
13.07.2026

Europa verliert wertvolle Zeit bei der Vorbereitung auf den Winter. Die EU-Gasspeicher füllen sich deutlich langsamer als üblich,...

DWN
Politik
Politik Biometrisches Chaos an den Schengen-Grenzen mitten in der Urlaubssaison
13.07.2026

Die Einführung des neuen EES-Systems zur Kontrolle von Drittstaaten-Reisenden bringt statt der versprochenen digitalen Erleichterung...

DWN
Technologie
Technologie Energy Sharing: Solarstrom teilen – lohnt sich das?
13.07.2026

Energy Sharing soll überschüssigen Solarstrom zum Geschäftsmodell machen. Eigentümer können ihren Strom nicht mehr nur billig...