Finanzen

Die EZB macht es allen recht

Der Chefvolkswirt der Targobank, Dr. Otmar Lang, kommentiert die Aussagen von EZB-Chefin Christine Lagarde zum zukünftigen geldpolitischen Kurs der Bank.
Autor
22.04.2021 16:13
Aktualisiert: 22.04.2021 16:13
Lesezeit: 1 min

Die Europäische Zentralbank hat es allen recht gemacht: Mit ihrer heutigen Aussage zum zukünftigen geldpolitischen Kurs hat EZB-Chefin Christine Lagarde einerseits Handlungsfähigkeit demonstriert. Andererseits blieben entscheidende Fragen – etwa nach der Höhe und vor allen Dingen der Dauer der Unterstützung – unbeantwortet. So hat sie sämtliche Lager im EZB-Rat auf Kurs gebracht - und doch alle wichtigen Entscheidungen vertagt.

Mit den Aussagen von Christine Lagarde können alle Seiten gut leben. Die Falken, also die geldpolitischen Hardliner, die eine zügige Rücknahme der Anleihekäufe im Rahmen des PEPP-Programms fordern. Aber auch die Tauben, also die Zauderer, die den bisherigen Kurs noch lange beibehalten möchten.

Christine Lagardes eindeutigste Botschaft lautete heute: Eine geldpolitische Unterstützung der Wirtschaft durch die Notenbank ist auch jetzt noch – kurz vor Beginn der Erholungsphase im Herbst – notwendig. Dem wird wohl niemand widersprechen. Den beiden Lagern verschafft diese Aussage außerdem Zeit, ihre Differenzen auszuräumen.

Doch spätestens im Herbst, wenn die Konjunktur wieder angesprungen ist, dürften sich die Fronten wieder verhärten. Denn dann wird die Frage aufkommen, wie stabil der Aufschwung und vor allem wie dauerhaft der Preisauftrieb ist.

Wie aber wird es geldpolitisch weitergehen? Einen Rückgang der Nettoanleihekäufe erwarten wir erst für das vierte Quartal 2021. Und ein Auslaufen des PEPP-Programms nicht vor Jahresmitte 2022. Sollte das zu früh gewesen sein, kann die EZB immer noch andere Programme entsprechend aufstocken. Eine Zinsanhebung dürfte so oder so noch in weiter Ferne liegen. Wir rechnen damit frühestens 2023.

Denn auch das wurde heute wieder sehr deutlich: Die Mehrheit des EZB-Rates und insbesondere auch dessen Präsidentin stehen für einen geldpolitischen Ansatz, bei dem eher zu viel und auch zu lange Stimuli an die Wirtschaft gegeben werden.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

 

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: KI-Aktien steigen kräftig, während die Ölpreise sinken
21.09.2026

Ein ereignisreicher Handelstag bringt überraschende Bewegungen in die globalen Finanzmärkte.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mercedes GLC im Test: Elektrisch ist er endlich so, wie er sein muss
21.09.2026

Der elektrische Mercedes GLC 400 4Matic bringt fast 500 PS, viel Komfort, hohe Ladeleistung und einen überraschend moderaten Verbrauch. Im...

DWN
Politik
Politik Blackrock-Vize: Europa braucht vier Schlüssel gegen die USA-Abhängigkeit
21.09.2026

Philipp Hildebrand, Vizechef von Blackrock und früherer Schweizer Notenbankchef, sieht in der KI-Entwicklung eine historische Chance. Der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Nestlé Russland: Kreml übernimmt Kontrolle über deutsche Beteiligungen
21.09.2026

Putin greift erneut auf das Vermögen eines westlichen Großkonzerns zu. Diesmal trifft es Nestlé und auch Beteiligungen der Nestlé...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ruhestand vorbereiten: Warum Männer nach der Karriere in die Krise geraten
21.09.2026

34 Jahre lang bestimmte der Terminkalender sein Leben. Dann war Anders Kretzschmar plötzlich Rentner und musste erst lernen, selbst über...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Holyvolt: Was das Batterie-Startup von Elon Musk gelernt hat
21.09.2026

Holyvolt will schaffen, woran andere Batterieprojekte gescheitert sind: Produktion skalieren, Kosten beherrschen und zugleich eine neue...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ifo-Umfrage: Bürokratie ist Standortproblem Nummer eins in Deutschland
21.09.2026

Bürokratie gilt für deutsche Unternehmen als größtes Standortproblem und übertrifft Energie- sowie Arbeitskosten deutlich. Eine...

DWN
Politik
Politik AfD vorn, CDU draußen: Wie es jetzt in Mecklenburg-Vorpommern weitergeht
21.09.2026

Ein dramatischer Wahlabend stellt Mecklenburg-Vorpommern politisch neu auf. Während AfD und SPD das Rennen bestimmen, entscheiden...