Technologie

Deutsche Experten: So wird Grüner Wasserstoff bis 2030 wettbewerbsfähig

Die Herstellungkosten für Grünen Wasserstoff sind immer noch vergleichsweise hoch. Jetzt haben die Fachleute des Beratungs-Unternehmens PWC neue Erkenntnisse, unter welchen Bedingungen diese Form von Wasserstoff gegenüber den anderen Energiearten konkurrenzfähig werden kann.
26.04.2021 15:34
Aktualisiert: 26.04.2021 15:34
Lesezeit: 2 min

Die Herstellung von Grünem Wasserstoff wird bis zum Jahr 2030 in großen Teilen wettbewerbsfähig, wenn die Kosten, welche für die Energieumwandlung von einer anderen Energieform in elektrischen Strom notwendig sind (Stromgestehungskosten), weniger als 20 Dollar je Megatonne (MT) betragen.

Zusätzlich müssten die Abgaben für den Ausstoß von Kohlendioxid ansteigen. Aktuell macht Elektrizität, die für die Herstellung des Grünen Wasserstoffs aufgewendet wird, 60 bis 70 Prozent der variablen Kosten des Energieträgers aus.

Das sind sehr wichtige Aussagen der aktuellen Studie „Laying the foundations of a low carbon hydrogen market in Europe", die von Strategy& veröffentlicht worden ist - der Strategieberatung der internationalen Consulting PWC. Die Fachleute gehen davon aus, dass die Nachfrage nach Wasserstoff in Deutschland bis 2030 auf 2,7 bis 3,3 Megatonnen oder 90 bis 110 Terrawattstunden wächst.

Davon sollen 0,4 Megatonnen (14 Terrawattstunden) lokal hergestellt werden. Da es sich nicht rechnet, zuhause eine Produktion aufzubauen, muss Deutschland den Energieträger importieren. Saudi-Arabien, Marokko, aber auch die Ukraine sind Länder, die sich derzeit in Stellung bringen, um Partner für Deutschland zu werden.

„Für den Durchbruch von grünem Wasserstoff müssen Angebots- und Nachfrageseite über smarte Transportwege und Lagermöglichkeiten zusammengebracht werden. Zum Teil können bestehende Gasleitungen genutzt werden, doch der Bedarf an zusätzlichen Pipelines wächst. 2030 werden in Europa 6.800 Kilometer Leitungen erforderlich sein, und schon 2040 braucht es 23.000 Kilometer. Der Wasserstoffmarkt der Zukunft muss zudem global gedacht werden, um vom günstigen grünen Strom von Exportnationen profitieren zu können“, erklärt Dirk Niemeier, Director bei Strategy& Deutschland.

„Die erste Herausforderung besteht darin, die Nachfrage nach kohlenstoffarmem Wasserstoff in Europa über Subventionen gezielt anzukurbeln. Bei der Planung entsprechender Förderprogramme sollten sich Staaten zunächst auf industrielle Cluster konzentrieren, die mit der eigenen Dekarbonisierung kämpfen, aber gewisse Skaleneffekte und im Idealfall eine wasserstoffkompatible Infrastruktur wie Pipelines mitbringen. Wichtig ist neben finanziellen Anreizen auch die Schaffung wegbereitender Plattformen, damit interessierte Unternehmen Investmentrisiken über strategische Kooperationen senken können", sagt Matthias Witzemann, Co-Autor der Studie.

Hintergrund: Wasserstoff ist ein wichtiger Energieträger für die Zukunft, damit Deutschland und andere Länder ihre Klimaziele erreichen. Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 den Ausstoß von Kohlendioxid im Vergleich zu 1990 um 55 Prozent zu verringern. Bis 2050 soll dann weitgehende Klimaneutralität erreicht werden.

Bedarf wächst bis 2040 auf 137 Megatonnen

Die Autoren der PWC-Studie gehen nun davon aus, dass sich bis 2040 der Bedarf nach Wasserstoff weltweit auf 137 Millionen Mega-Tonnen vergrößert. 2019 hatten die Volumina noch bei 71 Millionen Megatonnen gelegen. 2070 werde die Nachfrage schließlich bei 519 Millionen Megatonnen betragen. Diese Mengen werden 50 Jahren vor allem im Transportwesen (zu 30 Prozent), im Flugverkehr (zu 20 Prozent), in der Industrie (zu 15 Prozent) und für die Energieerzeugung (zu 15 Prozent) genutzt werden.„Darüber hinaus besitzt grüner Wasserstoff beispielsweise in der Stahlproduktion oder auch in der Herstellung synthetischen Kerosins das Potenzial, Emissionen in Bereichen zu reduzieren, in denen dies aus Energieeffizienzgründen bisher kaum möglich war“, geht aus der Studie hervor.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Infrastruktur-Finanzierung: Bauindustrie fordert neue Debatte über Pkw-Maut
22.06.2026

Die deutsche Bauindustrie schlägt zur dauerhaften Sanierung des Verkehrsnetzes die Einführung einer Pkw-Maut vor. Durch den Wechsel von...

DWN
Politik
Politik Iran-Krieg wird für Netanyahu zur politischen Falle
22.06.2026

Benjamin Netanyahu drängte Donald Trump zum Krieg gegen Iran. Doch nun droht ausgerechnet dieser Iran-Krieg den israelischen Premier...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Fast 400 Jahre Biergeschichte – Brauerei Wolters beantragt Insolvenz
22.06.2026

Die Insolvenz reiht sich in einen bundesweiten Markttrend ein: Anhaltende Absatzschwäche und gestiegene Rohstoff- und Energiekosten machen...

DWN
Politik
Politik Schläge, Mobbing, Übergriffe: Zunehmende Gewalt an deutschen Schulen
22.06.2026

Gewalt an staatlichen Schulen ist in Deutschland trauriger Alltag für viele Schüler und Lehrer. Wie verbreitet Übergriffe, Mobbing und...

DWN
Politik
Politik AfD: Parteigründer Lucke fordert AfD-Grundsatzbeschluss
22.06.2026

Der frühere Vorsitzende Bernd Lucke kritisiert den Umgang mit seiner ehemaligen Partei - fordert aber auch einen großen Schritt der AfD....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Betriebsbedingte Kündigung wegen Stellenabbau: Die wichtigsten Fakten
22.06.2026

Aufgrund der angespannten wirtschaftlichen Lage erleben viele deutsche Arbeitnehmer derzeit eine Kündigungswelle. Häufig begründen...

DWN
Politik
Politik Kliniksterben: Marienhospital insolvent - Jede zweite Klinik vorm Aus
22.06.2026

Marienhospital in Stuttgart vorm Aus: So könnte es jeder zweiten Klinik im Land ergehen. Was der Chef des Krankenhausverbands zur...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis-Entwicklung: Warum die Euphorie am Goldmarkt kippte
22.06.2026

Was ist das: Es steigt mit dem Dröhnen eines Düsenflugzeugs in die Höhe, fällt aber lautlos wie ein Segelflugzeug? Es war in aller...