Politik

In Kolumbien droht ein Umsturz, doch das wäre gut für Europa

Die Massenproteste in Kolumbien könnten früher oder später zum Umsturz der aktuellen Regierung führen. Aus europäischer und deutscher Sicht wäre das eine positive Entwicklung.
07.05.2021 09:00
Lesezeit: 2 min
In Kolumbien droht ein Umsturz, doch das wäre gut für Europa
Kolumbien nimmt in Lateinamerika eine Schlüsselstellung ein. (Grafik: Stratfor)

In Kolumbien droht ein gewaltsamer Umsturz der Regierung, die unter der Präsidentschaft von Donald Trump als einer der wichtigsten Verbündeten der USA galt. Unter Joe Biden hat die kolumbianische Regierung einen schweren Stand.

Bei den Protesten in Kolumbien ist es vor allem in der Hauptstadt Bogotá wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Im Sender „Citytv“ und in einem Video der Zeitung „El Espectador“ war am Mittwoch zu sehen, wie eine Gruppe von Demonstranten die Gitter vor dem Nationalkapitol umstieß und Steine auf die Sicherheitskräfte warf, die den Sitz des Kongresses an der zentralen Plaza de Bolívar beschützen. Daraufhin setzte die Sondereinheit der Polizei Gummigeschosse und Tränengas ein. Es war nicht klar, ob die Demonstranten in das Kapitol eindringen oder dieses beschädigen wollten.

Bis zu den Auseinandersetzungen mit der Polizei waren die Demonstrationen an verschiedenen Orten der Stadt weitgehend friedlich gewesen. Unter anderem gab das Symphonieorchester von Bogotá ein Konzert zum Gedenken an die Toten bei den Protesten. Die Zeitung „El Tiempo“ berichtete unter Berufung auf die nationale Ombudsstelle von nun 24 Todesfällen während der Protesttage. Die kolumbianische Menschenrechtsorganisation „Indepaz“ zählte bis Dienstag 31 Todesfälle, 1220 Verletzte und 87 Verschwundene. Tausende Kolumbianer hatten am Mittwoch vergangener Woche ihren Protest gegen eine umstrittene, inzwischen zurückgenommene Steuerreform begonnen.

Die Demonstrationen halten auch trotz des Rücktritts von Wirtschaftsminister Alberto Carrasquilla an. Sie beinhalten nun weitergehende politische und soziale Ziele wie den Widerstand gegen eine ebenfalls geplante Gesundheitsreform und den Einsatz für den brüchig gewordenen Friedensprozess. Aber die Proteste werden auch immer wieder von Gewalt überschattet, wobei besonders Cali am Montag stark betroffen war. Die Interamerikanische Menschenrechtsorganisation verurteilte den exzessiven Gewalteinsatz der Sicherheitskräfte dort am Mittwoch.

In Bogotá waren in der Nacht auf Mittwoch mindestens 46 Menschen, 30 Zivilisten und 16 Polizisten, verletzt worden. Es kam zu Zusammenstößen zwischen einer Sondereinheit der Polizei und Demonstranten. Zudem wurden auch 25 Polizeistationen angegriffen und teilweise angezündet. Auch aus anderen wichtigen Städten Kolumbiens wie Medellín und Cali wurden Gewalt, Zerstörung und Chaos in der Nacht des siebten Protesttages gemeldet.

Die US-Regierung würde einen Umsturz in Kolumbien billigen, weil die aktuelle kolumbianische Regierung nicht in das neue außenpolitische Konzept von Joe Biden passt. Entscheidend ist, dass die aktuelle US-Regierung von der Monroe-Doktrin, die zuvor von Trump propagiert wurde, abrückt (Mehr dazu HIER).

Wenn der aktuelle kolumbianische Präsident Iván Duque abtreten sollte, wäre das aus europäischer und deutscher Sicht als ein positives Ereignis zu bewerten. Schließlich richtet sich die Monroe-Doktrin, die insbesondere von Staatsmännern wir Duque unterstütz wird, gegen Europas wirtschaftliche und politische Interessen in Lateinamerika.

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