Politik

Strenge der Corona-Maßnahmen korreliert nicht mit den Todeszahlen

Wenn man die Corona-Daten der 50 US-Bundesstaaten vergleicht, so steht man vor einem Rätsel. Denn zwischen Maskenpflicht und Lockdowns auf der einen und den Todeszahlen auf der anderen Seite findet sich kaum eine Korrelation.
09.05.2021 11:43
Lesezeit: 3 min

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie setzen Deutschland und viele andere Staaten der Welt unter anderem auf Maskenpflicht und Lockdowns. Sicherlich gehen einige Staaten der Welt einen weniger restriktiven Weg. Doch wegen der unterschiedlichen Ausgangssituationen in den verschiedenen Staaten sind die Daten oft nicht gut vergleichbar.

Eine etwas bessere Möglichkeiten zu untersuchen, welche Auswirkungen strengere oder weniger strenge Corona-Maßnahmen möglicherweise haben, bietet der Vergleich der 50 Bundesstaaten der USA. Hier liegen umfangreiche Daten vor, sowohl zu den Maßnahmen, welche die jeweiligen Gouverneure verhängt haben, als auch zu den Infektionszahlen, zur Belegung von Intensivbetten oder zu den Todeszahlen.

Beim Vergleich der Daten aus den Bundesstaaten sind unerwartete Dinge zutage getreten. So wies zum Beispiel im Februar der geöffnete US-Bundesstaat Florida keine schlechteren Zahlen auf als Kalifornien, das einen strengen Lockdown verhängt hatte. Der Covid-Berater des Weißen Hauses, Andy Slavitt, konnte dies schon damals einfach nicht erklären, und eine überzeugende Erklärung fehlt bis heute.

Auch der oberste Epidemiologe der USA, Anthony Fauci, war sich in einem Interview mit dem US-Sender MSNBC im letzten Monat "nicht ganz sicher", warum Texas einen ganzen Monat nach Aufhebung der Maskenpflicht und anderer Corona-Maßnahmen nicht steigende, sondern sinkende (!) Fallzahlen und Todesfälle verzeichnete. Stattdessen forderte Fauci erneut dringend dazu auf, endlich auch die Kinder zu impfen.

Die Frage bleibt weiter unbeantwortet, warum seit 13 Monaten keine Korrelation zwischen Stärke und Dauer von vermeintlichen Schutzmaßnahmen und dem Auftreten von Covid gefunden werden kann. Vor allem das Fehlen von messbaren positiven Auswirkungen von Lockdowns und Maskenpflicht bedarf dringend einer Erklärung, da diese einen starken Eingriff in die Grundrechte darstellen.

Keine Korrelation zwischen Maßnahmen und Todeszahlen

In den USA kann man nun leicht die 50 Staaten miteinander vergleichen und überprüfen, ob härtere Lockdowns tatsächlich weniger Covid-19-Todesfälle zur Folge gehabt haben als weniger harte oder keine Lockdowns. Dazu betrachtet man für jeden Staat einerseits den Umfang der dortigen Lockdowns während der letzten dreizehn Monate und andererseits die Gesamtzahl der Covid-19-Todesfälle.

Sowohl Forscher der Blavatnik School of Government der Universität Oxford als auch von WalletHub haben jeweils ein Ranking für die Härte der Restriktionen in den verschiedenen US-Bundesstaaten erstellt, mit dem ein Vergleich möglich wird. Der Ökonom Anthony Rozmajzl hat diese beiden Rankings gemittelt und den Mittelwert der Gesamtzahl der Covid-19-Todesfälle gegenübergestellt.

Die Zahlen der Covid-Todesfälle in den 50 Bundesstaaten sind den entsprechenden täglich von der New York Times veröffentlichten Daten entnommen (Stand 28. April). In der Grafik sieht man, dass höhere Restriktionen eben nicht mit weniger Todesfällen korrelieren, sondern im Gegenteil sogar ganz leicht mit mehr Todesfällen.

Die Grafik zeigt deutlich, dass jene Bundesstaaten, die von einem Gouverneur der Demokratischen Partei regiert werden, deutlich strengere Corona-Restriktionen verhängt haben als jene Bundesstaaten, die von Republikanern regiert werden. Doch welche Strategie die bessere im Kampf gegen Corona ist, geht aus den Daten eben nicht hervor. Die Datenpunkte zeigen einfach keinen Trend in irgendeine Richtung.

Es ist sogar so, dass New York und New Jersey, welche extrem strenge Lockdowns verhängt haben, zu den Staaten mit den meisten Covid-Toten pro einer Million Einwohner gehören. Staaten ohne Einschränkungen wie Texas und Florida weisen weit weniger Todesfälle auf. Auf der Grundlage dieser Daten ist es schwer, Texas und Florida davon zu überzeugen, dass Maskenpflicht und Lockdown notwendig sind.

Was ist mit den Covid-Patientenzahlen?

Neben der Zahl der Covid-Todesfälle wird im Kampf gegen die Pandemie oftmals auch die Zahl der Patienten angeführt, die wegen Covid-19 ins Krankenhaus eingeliefert wurden. Tatsächlich wurden die Lockdowns auch in Deutschland immer wieder damit gerechtfertigt, dass eine Überlastung des Gesundheitssystems durch Covid-Patienten drohe.

Für die folgende Grafik hat der Ökonom Anthony Rozmajzl für die verschiedenen US-Bundesstaaten die Anzahl der täglich hospitalisierten Patienten summiert (Stand 24. April). Auf diese Weise erhält er recht genaue Abschätzungen der hospitalisierten Covid-19-Patienten in den Bundesstaaten und kann diese wieder der Härte der Restriktionen in den verschiedenen US-Bundesstaaten gegenüberstellen.

Wenn man den Nutzen von Maskenpflicht und Lockdowns diskutiert, sind die Daten offenbar keine Hilfe. Denn es gibt hier keine Korrelation. Im Hinblick auf Totenzahlen und Krankenzahlen scheint es egal zu sein, wie streng die Maßnahmen sind. Ganz offensichtlich sind jedoch die durch die Lockdowns hervorgerufene wirtschaftliche Krise und der Entzug der Grundrechte für Millionen Menschen überall auf der Welt.

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