Finanzen

Ökonomen rechnen erst Anfang 2022 mit strafferem Fed-Kurs

Trotz des starken Inflationsanstieg im April erwarten Ökonomen einer neuen Umfrage zufolge, dass die US-Notenbank erst Anfang 2022 wieder eine straffere Geldpolitik einleiten wird - es sei denn ein von der Fed genutztes Barometer schlägt Alarm.
14.05.2021 10:51
Aktualisiert: 14.05.2021 10:51
Lesezeit: 1 min
Ökonomen rechnen erst Anfang 2022 mit strafferem Fed-Kurs
Jerome Powell, Vorsitzender der US-Notenbank Federal Reserve. (Foto: dpa) Foto: Manuel Balce Ceneta

Trotz kräftig anziehender Inflation wird die US-Notenbank Fed laut Ökonomen wohl erst Anfang 2022 ihre Geldspritzen im Kampf gegen die Folgen der Corona-Krise verringern. In der jüngsten Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters unter 51 Experten veranschlagten 31 Ökonomen dafür das erste Quartal nächsten Jahres. 13 rechnen in der am Freitag veröffentlichten Studie bereits Ende des Jahres damit.

Die Verbraucherpreise in den USA waren im April zum Vorjahr um 4,2 Prozent in die Höhe geschossen - auch wegen statistischer Effekte, da die Wirtschaft im Frühjahr 2020 nach Einsetzen der Pandemiekrise in die Knie gegangen war.

Mehr zum Thema: Inflationsschock in den USA: Verbraucherpreise steigen um 4,2 Prozent

"Die Fed wird sich nicht von einem erschreckenden Verbraucherpreis-Bericht in Panik versetzen lassen", so die Einschätzung von Chefökonom Ian Shepherdson von Pantheon Macroeconomics. Doch werde es nicht bei einem Preisschub bleiben.

Die US-Notenbank unterstützt die von der Corona-Krise getroffene Wirtschaft mit monatlichen Geldspritzen von 120 Milliarden Dollar. Sie will daran so lange festhalten, bis substanzielle Fortschritte bei der Preisstabilität und der Arbeitslosigkeit erreicht sind. Die anziehende Inflation sieht sie als vorübergehendes Phänomen, das derzeit keinen Kurswechsel in der Geldpolitik nötig mache, die wohl noch auf Jahre hinaus auf Niedrigzins ausgerichtet bleibe.

ANDERES BAROMETER IM FOKUS

Bei der Inflationsentwicklung hat die Fed zwar die Verbraucherpreise (CPI) genau im Blick: Doch sie achtet primär auf Preisveränderungen bei privaten Verbraucherausgaben, wobei Energie- und Nahrungsmittelkosten ausgeklammert werden. Diese im Fachjargon unter dem Kürzel 'PCE-Core' bekannte Jahresrate lag im März bei 1,8 Prozent und damit unter dem Ziel der Währungshüter von 2,0 Prozent.

Im Mittel gehen die dazu von Reuters befragten Ökonomen davon aus, dass erst ein Anstieg auf 2,8 Prozent die Notenbank aus der Reserve locken und bei anhaltend hoher Inflation binnen weniger Monate zu einem strafferen Kurs bewegen würde. ING-Ökonom James Knightley geht davon aus, dass es vor Ende 2022 zu einer Zinserhöhung kommen dürfte, sollte der PCE-Core Anfang kommenden Jahres noch einen Wert von 2,5 Prozent übersteigen sollte. Die Fed trifft sich Mitte Juni zu ihrer nächsten Zinssitzung, wobei auch neue Konjunkturprognosen und ein Zinsausblick anstehen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Finanzen
Finanzen Stagflationsschock: EU warnt vor Finanzkrise durch milliardenschwere Energiepreisbremsen
03.05.2026

Die EU-Kommission warnt vor einer Finanzkrise infolge des Irankriegs. Grund sind die um 60 Prozent gestiegenen Energiepreise und drohende...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU-Haushalt vor Neuordnung: Europäischer Rechnungshof zweifelt an Reform
02.05.2026

Der geplante EU-Haushalt stellt die Finanzordnung der Europäischen Union vor einen tiefen Umbau und ruft den Europäischen Rechnungshof...

DWN
Politik
Politik Island wägt EU-Beitritt neu ab: Fischerei wird zum Schlüsselthema
02.05.2026

Die EU verstärkt ihre Annäherung an Island und bringt dabei insbesondere die Fischereiregeln erneut in die politische Debatte ein....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Phänomen Zeitarmut: Wenn Arbeit die Lebenszeit auffrisst - 5 hilfreiche Strategien
02.05.2026

Mehr Arbeiten? Der Tag hat nur 24 Stunden - warum immer mehr Menschen an ihre Grenzen stoßen und Berufstätigen bis zum Feierabend oft...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Ford Tourneo Custom PHEV im Test: Großraum-Van fährt auch elektrisch
02.05.2026

Ein großer Van, der auch elektrisch fährt. Kann der Ford Tourneo Custom PHEV den Diesel ersetzen?

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Militärlogistik im Wandel: Lkw-Hersteller drängen in die Rüstungsindustrie
02.05.2026

Die Militärindustrie eröffnet europäischen Lkw-Herstellern neue Geschäftsfelder, in denen Nutzfahrzeuge zu vernetzten Einsatzsystemen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Studie der Allbright Stiftung: Frauenquote in Familienunternehmen bleibt niedrig
02.05.2026

Der Frauenanteil in den Führungsetagen deutscher Familienunternehmen stagniert seit Jahren auf niedrigem Niveau. Trotz wachsender Debatten...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kapitalmärkte im Umbruch: Anleger prüfen den Dollar als Leitwährung
02.05.2026

Die globale Finanzordnung gerät unter Druck, während die Rolle des Dollars als Leitwährung zunehmend hinterfragt wird. Welche Folgen hat...