Politik

„Die Frage ist jetzt nicht, ob eine Welle an Unternehmensinsolvenzen kommen wird, sondern wann“

Eine Insolvenzwelle ist angesichts der betriebswirtschaftlichen Situation vieler Unternehmen unaufhaltbar. Die Frage ist nur, wann die große Welle einsetzt.
19.05.2021 10:40
Aktualisiert: 19.05.2021 10:40
Lesezeit: 1 min

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) berichtet: „Trotz der Hilfen dürften die Eigenkapitalpuffer in vielen Unternehmen aufgebraucht sein. So berichtet beispielsweise der Handelsverband (HDE), dass 60 Prozent der Geschäfte vor der Aufgabe stehen. Andere Schätzungen gehen von einer insgesamt mittleren vierstelligen Zahl zusätzlicher Unternehmensinsolvenzen im laufenden Jahr aus. Die Sorge ist groß, dass Deutschland eine Welle an Insolvenzen droht, die die wirtschaftliche Erholung ausbremsen und deutliche Spuren auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen könnte.“

DIW-Präsident Marcel Fratzscher hatte „Reuters“ zufolge Ende April 2021 dem „Handelsblatt“ gesagt, dass Deutschland „unweigerlich eine Welle von Unternehmensinsolvenzen bevorsteht“. Es sei besser, diese frühzeitig zu erkennen, um sie abzumildern.

Fratzscher hatte im Januar 2021 der „Augsburger Allgemeinen Zeitung“ gesagt: „Je länger es dauert, desto mehr Unternehmen kommen an die Grenzen ihrer Möglichkeiten, desto mehr werden pleitegehen.“

Die zweite Welle werde härter als erwartet. „Die Frage ist jetzt nicht, ob eine Welle an Unternehmensinsolvenzen kommen wird, sondern wann“, sagte der Wirtschaftsforscher. Es drohe auch ein Anstieg der Arbeitslosigkeit. Fratzscher sagte der Zeitung, der Arbeitsmarkt sei weniger gut durch die Krise gekommen, als das die Statistiken zeigten. Fast 600.000 regulär sozialversicherungspflichtig Beschäftigte hätten 2020 ihre Arbeit verloren. „Dazu kommen rund 850.000 Minijobber, die allerdings in keiner Arbeitslosenstatistik auftauchen, die kein Anrecht auf Arbeitslosen- oder Kurzarbeitergeld haben.“ Hinzu kämen unzählige von den rund zweieinhalb Millionen Solo-Selbstständigen mit massiven Einbußen.

Im Juni 2020 hatte er gesagt: „Es gibt ja diese Verzögerung der Insolvenzanträge. Aber das zeigt auch, auf was wir uns gefasst machen müssen. (...) Dass wir das noch nicht gesehen haben, heißt: Wir müssen uns im zweiten Halbjahr, nach dem 30.September, auf eine massive Insolvenzwelle einstellen, einfach weil viele sagen 'Ich kriege doch nicht die Kurve' (...) und dann wird es richtig hart (…) Und ein Unternehmen kann vielleicht drei Monate überleben, kann vielleicht auch fünf Monate überleben, aber wenn ihnen 30 bis 40 Prozent der Umsätze fehlen, und zwar über ein oder zwei Jahre, dann ist es für viele fast unmöglich zu überleben.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

DWN
Finanzen
Finanzen Europäische Banken: Höhere Zinsen dämpfen bereits die Kreditnachfrage
29.10.2026

Vor ihrer Zinssitzung veröffentlichte die EZB einen Bericht über den Stand der Kreditvergabe der Banken. Daraus geht hervor, dass ihre...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bestattungshandwerk: Warum das Geschäft mit dem Tod wächst
29.10.2026

Rund eine Million Menschen starben 2024 in Deutschland – neun Prozent mehr als zehn Jahre zuvor. Davon profitiert das Bestattungshandwerk...

DWN
Panorama
Panorama Paul Klassen im Porträt: Vom Schweinestall zu Millionen auf dem Konto
29.10.2026

Paul Klassen baut Luxusautos für Kunden, denen selbst Rolls-Royce nicht exklusiv genug ist. Seine Fahrzeuge werden verlängert, gepanzert...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Wall Street schließt im Plus – Fed lässt Leitzinsen unverändert
28.10.2026

Bewegte Märkte an der Wall Street: Welche Faktoren die aktuellen Börsenkurse steuern und was Anleger jetzt wissen müssen.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Das ist Russlands neuer Albtraum
28.10.2026

Das deutsche Verteidigungsunternehmen Helsing bringt zwei neue Luftabwehrraketen und ein KI-gestütztes Abwehrsystem auf den Markt. Ziel...

DWN
Politik
Politik Wahl von AfD-Politikern: Streit um eidesstattliche Erklärung – Rücktrittsforderungen für Schulze
28.10.2026

Die Debatte über den Umgang mit der AfD wird zur Zerreißprobe für die CDU-Landtagsfraktion in Sachsen-Anhalt: Aktueller Tiefpunkt ist...

DWN
Finanzen
Finanzen Silber stürzt ab: Schmerzhafte Lektion oder erwartete Chance an einer runden Marke?
28.10.2026

Der Silberpreis ist auf den niedrigsten Stand seit elf Monaten gefallen und liegt inzwischen mehr als 50 Prozent unter seinem Rekordhoch...

DWN
Politik
Politik Analyse: Trump kann nur neidisch sein – Präsident Xi ist bereit für eine vierte Amtszeit
28.10.2026

Im kommenden Jahr soll Xi Jinping eine weitere fünfjährige Amtszeit als mächtiger Präsident Chinas erhalten. In dieser Woche treffen...