Wirtschaft

China kauft das deutsche Holz auf: Der Bau-Mittelstand steht vor dem Kollaps

China kauft die deutschen Holzvorräte auf, was den deutschen Bau-Mittelstand in die Bredouille bringt. Nur deutsche Großkonzerne können sich das Holz mit Aufpreisen von 200 Prozent leisten. Gleichzeitig sind Plastik-Baumaterialien aus China nicht mehr verfügbar. „Seltsam ist, dass alles auf einmal passiert“, so ein Insider.
30.05.2021 21:45
Lesezeit: 2 min
China kauft das deutsche Holz auf: Der Bau-Mittelstand steht vor dem Kollaps
Der Mitarbeiter Robert Wilhelm vom Schwachholzsägewerk der Klenk Holz AG im brandenburgischen Baruth südlich von Berlin geht am 09.04.2004 zwischen entrindeten Kiefernholzstämmen entlang. (Foto: dpa) Foto: Patrick_Pleul

Ein Insider aus der mittelständischen Baubranche teilte den Deutschen Wirtschaftsnachrichten mit, dass China die Holzvorräte in Deutschland aufkauft. „Deutsche Bauunternehmen, die einen Aufpreis von etwa 200 Prozent zahlen, erhalten Holz von den deutschen Herstellern. Die Nachfrage ist enorm. China kauft alles auf. Nicht nur Baumstämme, sondern auch Konstruktionsholz (KVH-Holz, Anm.d.Red.) wird an die Chinesen verkauft“, so der Insider. Es gebe zudem Aufpreise von 20 Prozent auf Stahl und Dämmplatten (Fassadendämmung).

Auf der anderen Seite würden sich mittelständische Unternehmen darüber beschweren, dass Kanalgrundrohr-Lieferungen aus China nicht mehr verfügbar seien. Dabei sei der Seeweg über den Indischen Ozean und den Suez-Kanal nach Europa problemlos nutzbar. „Wenn das Problem wirklich am Seeweg liegen würde, wäre eine alternative Verschiffung über den ,Kap der guten Hoffnung‘ möglich, was eine Verzögerung von einigen Tagen nach sich ziehen würde. Doch auch das ist nicht der Fall. Somit können wir es uns nicht erklären, warum China die Plastikbaumaterialien nicht liefert. Seltsam ist, dass alles auf einmal passiert. Wir haben eine toxische Gemengelage“, meint der Insider.

Diese Entwicklung treffe vor allem die kleinen und mittelständischen Bauunternehmen. Große Baukonzerne hätten dieses Problem nicht, weil sie die Aufpreise problemlos bezahlen könnten, um die Kosten auf die Auftraggeber umzulegen. Die Großkonzerne hätten den Vorteil, dass ihr Auftraggeber sehr oft der Staat sei. Sie würden vorzüglich die öffentlichen Bauaufträge erhalten. Insolvenzen beim deutschen Bau-Mittelstand sind somit nicht ausgeschlossen.

Über die finanziellen Folgen berichtet der Insider: „Wenn von den kleinen- und mittelständischen Bauunternehmen die Aufträge nicht rechtzeitig fertiggestellt werden können, kommt es zu Bauverzögerungen, die Konventionalstrafen nach sich ziehen. Das bedeutet, dass der Auftragnehmer dem Auftraggeber für jeden verzögerten Werktag 0,3 Prozent an den Gesamtkosten des Bauauftrags zahlen muss.“

In ganz Europa werde gebaut und alle würden China brauchen. Wenn China die Baubranche eines europäischen Landes treffen würde, wäre das problemlos möglich. „Aufträge gibt es genug. Aber wir haben kein Material mehr“, sagt der Insider.

Es bleibt völlig unklar, ob hinter dem Lieferstopp von Baumaterialien aus China ein Vorsatz steckt. Denkbar ist auch, dass China sein Wirtschaftswachstum am möglichen Ende der aktuellen Pandemie ankurbeln will, indem es vor allem auf den Bausektor setzt, wodurch auch die im Inland produzierten Baumaterialien benötigt werden würden.

Zumindest berichtet das „Statistische Bundesamt“ im Zusammenhang mit den deutschen Rohholzexporten für das Jahr 2020: „Wichtigster Absatzmarkt war im Jahr 2020 die Volksrepublik China: Die Hälfte des Exportes (50,6 Prozent, 6,4 Millionen Kubikmeter) ging nach Fernost. Der Anteil nahm seit 2015 deutlich zu – damals lag er noch bei 10,1 Prozent. Auf den Plätzen zwei und drei folgten im Jahr 2020 Österreich (19,2 Prozent / 2,4 Millionen Kubikmeter) und Belgien (9,2 Prozent / 1,2 Millionen Kubikmeter).“

All diese Erklärungsversuche ändern jedoch nichts an der Tatsache, dass das kleine und mittelständische Bauunternehmertum in Deutschland in einer Jahrhundertkrise steckt.

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Cüneyt Yilmaz

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Cüneyt Yilmaz ist Absolvent der oberfränkischen Universität Bayreuth. Er lebt und arbeitet in Berlin.

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