Weltwirtschaft

Wer treibt die Rohstoffpreise nach oben: Chinas boomende Wirtschaft oder Spekulanten?

Lesezeit: 4 min
10.07.2021 09:25
Nach den massiven Preisanstiegen in der Folge von Corona scheint vorerst Ruhe bei den Rohstoffen eingekehrt zu sein. Doch der Schein trügt gewaltig.
Wer treibt die Rohstoffpreise nach oben: Chinas boomende Wirtschaft oder Spekulanten?
Kupfer ist einer der wichtigsten Konjunktur-Indikatoren. (Foto: dpa)
Foto: Bodo Marks

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Allein innerhalb der letzten zwölf Monat hat sich der Kupferpreis fast verdoppelt. Er erreichte an der Londoner Metallbörse im Mai ein neues Rekordhoch von 10.460 Dollar pro Tonne. Seitdem hat er die Marke von 10.000 Dollar gehalten, die zuvor seit einem Jahrzehnt nicht mehr erreicht worden war.

Doch nicht nur Kupfer, sondern der gesamte globale Rohstoffmarkt ist in Aufruhr. Die Auswirkungen der Corona-Lockdowns haben die Nachfrage kaum gedämpft, was vor allem auf die rasche wirtschaftliche Erholung in China zurückzuführen ist. Das Land ist unersättlich nach Rohstoffen und verbraucht rund die Hälfte der gesamten globalen Kupferproduktion.

Nicht nur dem größten Verbraucher China wäre daran gelegen, dass die Rohstoffpreise wieder fallen. Vor allem der Ölpreis, der sich auf dem höchsten Stand seit 2018 befindet, belastet. Doch die enormen Lagerbestände, die 2020 aufgebaut wurden, sind laut OPEC+ deutlich zurückgegangen und werden in der zweiten Jahreshälfte weiter schwinden.

Die Preisanstiege bei vielen Rohstoffen sind maßgeblich auf den anhaltenden Aufschwung der chinesischen Wirtschaft zurückzuführen. Innerhalb nur eines Jahres sprangen die Eisenerzpreise um 78 Prozent in die Höhe und der Holzpreis verdreifachte sich. Auch die Preise für Metalle wie Nickel und Aluminium sind deutlich gestiegen.

Kupfer hat sich auch deshalb zu einem attraktiven Rohstoff für Investoren entwickelt, weil sowohl der Westen als auch China die Dekarbonisierung der Wirtschaft vorantreiben. Dies wird die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen sowie Wind- und Solarkraftwerken ankurbeln. Denn Kupferkabel sind dafür unverzichtbar.

Goldman Sachs prognostiziert, dass die Kupfernachfrage bis 2030 aufgrund der „grünen Transformation“ um fast 600 Prozent auf 5,4 Millionen Tonnen steigen wird. Allerdings droht eine Versorgungslücke. Denn in den letzten zehn Jahren wurden nur in begrenztem Umfang neue Minen erschlossen, wie die Financial Times berichtet.

Vielversprechende Minen befinden sich an Orten, an denen es schwierig ist, große Anlagen zu liefern. Das gestiegene Umweltbewusstsein führt auch zu einem Anstieg der Kosten für die Umweltentlastung. Selbst wenn Unternehmen jetzt mit der Erkundung von Minen beginnen, würde es mindestens fünf Jahre dauern, bis eine Mine einen Ertrag erbringt.

Die Aktien von Bergbau- und Handelsunternehmen sind aufgrund der steigenden Nachfrage nach Kupfer in die Höhe geschossen. Zudem wurden börsengehandelte Kupfer-Rohstofffonds im vergangenen Jahr mit Anlegergeldern überschwemmt und verzeichneten kräftige Renditen.

Der WisdomTree Copper ETC etwa verzeichnete 2020 eine Rendite von etwa 80 Prozent. Sein verwaltetes Vermögen stieg vorübergehend auf einen neuen Rekord von mehr als 900 Millionen Dollar. Der Indexfonds United States Copper mit einem verwalteten Vermögen von mehr als 300 Millionen Dollar stieg sogar um mehr als 80 Prozent.

Doch zuletzt gab es auch Anzeichen dafür, dass die Rohstoffpreise ihren Höhepunkt schon wieder überschritten haben könnten. Denn Ende Mai reduzierten Hedgefonds drei Wochen in Folge ihre bullischen Wetten auf Rohstoffe, betroffen war alles von Getreide über Kupfer bis hin zu Erdgas.

Zudem sind die Bestände der Hedgefonds bei 20 der 23 Rohstoffe, die im Bloomberg Commodity Spot Index erfasst sind, in der letzten Maiwoche so stark gesunken wie seit November letzten Jahres nicht mehr, wie aus den Daten der US-Finanzmarktaufsicht CFTC und des Börsenbetreibers ICE hervorgeht.

Die Preisrallye bei den Rohstoffen, die von einigen schon als ein neuer Superzyklus bezeichnet wurde, könnte also bereits wieder enden. Oder das Umdenken der Hedgefonds ist nur auf die milderen Wetteraussichten für die USA zurückzuführen, die größere Ernten versprechen und zugleich die Nachfrage nach Erdgas reduzieren.

An den Energiemärkten haben Hedgefonds ihre Netto-Long-Positionen bei Erdgas auf den niedrigsten Stand seit sechs Wochen reduziert. Bullische Ölpositionen sind auf dem niedrigsten Stand seit etwa fünf Monaten, auch weil sich der Markt auf ein potenziell größeres Angebot aus wichtigen Förderländern vorbereitet, darunter der Iran.

Die Netto-Long-Positionen bei Kupfer an der Rohstoffbörse Comex in New York sind auf dem niedrigsten Stand seit mehr als zehn Monaten. Ökonomen bezeichnen Kupfer wegen seiner Eignung für Konjunkturprognosen auch als „Doktor Kupfer“. Fallende Preise sind typischerweise ein Zeichen dafür, dass die Wirtschaft sich abkühlt.


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