Finanzen

Ratingagentur S&P stuft viele deutsche Banken herab

S&P hat die Kreditwürdigkeit vieler deutscher Banken herabgestuft. Die betroffenen Institute demonstrieren Gelassenheit.
25.06.2021 15:47
Lesezeit: 2 min

Die Ratingagentur S&P hat den Daumen gesenkt über eine Reihe deutscher Banken. Betroffen von der Herabstufung der Kreditwürdigkeit sind unter anderem der gesamte Genossenschaftssektor, DekaBank, Helaba und die Deutsche Pfandbriefbank. "Die Corona-Pandemie hat die Herausforderungen für den deutschen Bankensektor verschärft und die Institute im Vergleich zu globalen Wettbewerbern weniger wettbewerbsfähig gemacht", begründete S&P ihren Schritt. Europaweit nahmen die Experten 60 Banken unter die Lupe. Die meisten Herabstufungen gab es in Deutschland. Die Commerzbank und die Deutsche Bank kamen ungeschoren davon. Ein schwächeres Rating bedeutet in der Regel, dass die Kreditaufnahme für das Unternehmen teurer wird.

Die deutsche Bankenbranche leide unter einem anhaltenden Kostendruck, einer schwachen Profitabilität sowie einer hohen Wettbewerbsdichte, hieß es in dem umfangreichen Dokument der Ratingagentur. Hinzu kämen langsame Fortschritte bei der Digitalisierung, die sich unter anderem durch die Pandemie offenbart hätten. Internationale Technologiefirmen könnten diese Schwäche nutzen, in den Markt drängen und den Ertragsdruck noch weiter erhöhen. Positiv hoben die Analysten hervor, dass sich das Risiko von Kreditausfällen im kommenden Jahr angesichts der konjunkturellen Erholung voraussichtlich abschwächen werde.

Die S&P-Experten nahmen das langfristige Rating des Genossenschaftssektors, der DekaBank, der Helaba und ihrer im Verbund angeschlossenen Sparkassen, der Pfandbriefbank sowie der Volkswagen Bank um je eine Note zurück. Gleichzeitig bestätigten sie die Noten von Commerzbank und der UniCredit-Tochter Hypovereinsbank. Die beiden haben jedoch weiter einen negativen Ausblick und es droht eine Herabstufung. Den Ausblick für die Hamburg Commercial Bank und Santander Consumer Bank hob S&P an.

Die Deutsche Bank sei von der Aktion nicht betroffen, erklärte S&P. Die Agentur hatte das Rating der größten deutschen Bank erst vor kurzem angehoben mit der Begründung, sie mache bei ihrem Umbau Fortschritte und sei auf dem Weg der Besserung.

BANKEN DEMONSTRIEREN GELASSENHEIT

Die neue Bonitätsnote von "A-" sei im deutschen Bankenmarkt ein unverändert gutes Rating, erklärte die Helaba. S&P habe seine grundsätzliche Einschätzung für den deutschen Bankenmarkt nach unten korrigiert, was sich automatisch auf die Ratings der Sparkassenfinanzgruppe Hessen-Thüringen auswirke. "Die Helaba sieht sich davon unabhängig mit ihrer strategischen Agenda und dem damit verbundenen laufenden Transformationsprozess zukunftssicher aufgestellt."

Auch die Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka könne sich dieser Gesamt-Herabstufung des Sektors nicht entziehen, erläuterte die Deka. Als positiv wertete sie, dass S&P die Einschätzung der eigenen Finanzkraft des Fondshauses unverändert gelassen habe. "Das tragfähige Geschäftsmodell und die starken Kapitalquoten der DekaBank können strukturelle Schwächen des Bankenmarkts ausgleichen." Beim Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) hieß es, die genossenschaftliche Finanzgruppe sei trotz der Herabstufung unverändert die bestgeratete private Banken-Gruppe in Deutschland.

Ein Sprecher der Pfandbriefbank erklärte, die Herabstufung sei mehr eine technische Veränderung, da S&P das Branchenrisiko höher bewerte. "Die Kritikpunkte von S&P am deutschen Bankensektor treffen auf die pbb mit ihrem Geschäftsmodell nur sehr bedingt zu."

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Finanzen
Finanzen EZB-Räte warnen vor Inflation – steigen die Leitzinsen bald wieder?
22.03.2026

Unsichere Märkte, steigende Inflation und wachsende Risiken: Die EZB-Leitzinsen rücken erneut ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Mehrere...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Goldpreis reagiert kaum auf den Iran-Krieg: Warum der Anstieg ausbleibt
22.03.2026

Der Goldpreis reagiert trotz Iran-Krieg und steigender Spannungen im Nahen Osten bislang überraschend verhalten. Welche Faktoren...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Iran-Krieg verändert Anlagestrategien: Investoren trennen sich von Tech-Aktien
22.03.2026

Der Iran-Krieg und der Ölpreisschock bringen die bisherige Dominanz von KI-Investments ins Wanken und verschieben die Kapitalströme in...

DWN
Finanzen
Finanzen Vermögen aufbauen: Warum Investoren eine Anlagestrategie und Mut brauchen
22.03.2026

Deutschland klammert sich an ein Sicherheitsgefühl, das ökonomisch nicht mehr trägt. Während die nominalen Geldvermögen Rekorde...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Risiko für die Weltwirtschaft: Wie Energie, KI und Schulden zur globalen Bedrohung werden
22.03.2026

Mehrere globale Risiken bauen sich gleichzeitig auf: Geopolitische Krisen verursachen steigende Energiepreise, Finanzmärkte geraten unter...

DWN
Panorama
Panorama Wasserknappheit: Wie ernst ist die Lage in Deutschland?
22.03.2026

Mal fehlt Regen über Monate, dann fällt er in kurzer Zeit im Übermaß: Deutschlands Wasserhaushalt gerät aus dem Gleichgewicht....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Sneaker-Revolution aus dem Drucker: Wie ein Hamburger Start-up die Schuhwelt umkrempelt
22.03.2026

Von der heimischen Werkstatt an die Füße der Weltstars: Cornelius Schmitt hat geschafft, wovon viele Sneaker-Fans nur träumen. Mit...

DWN
Politik
Politik EU-Vermögensregister: Die Infrastruktur für totale Transparenz steht
22.03.2026

Über ein europäisches Vermögensregister wird seit Jahren gestritten. Vertreter der EU-Kommission betonten lange Zeit, ein solches...