Finanzen

Klima-Hype? Staatsfonds und Zentralbanken werden grüner

Zentralbanken, Staatsfonds und staatliche Pensionsfonds sind einer Umfrage zufolge im Zuge der Corona-Krise bei ihren Anlagestrategien grüner und aktivistischer geworden.
23.07.2021 17:00
Lesezeit: 1 min
Klima-Hype? Staatsfonds und Zentralbanken werden grüner
Nur noch einige Bäume stehen auf den bereits mit neuen Sämlingen wieder aufgeforsteten, geschädigten Waldgebieten (Luftaufnahme mit Drohne). (Foto: dpa) Foto: Jan Woitas

Zentralbanken, Staatsfonds und staatliche Pensionsfonds sind einer Umfrage zufolge im Zuge der Corona-Krise bei ihren Anlagestrategien grüner und aktivistischer geworden. Bei allen drei Typen öffentlicher Investoren spielten Kriterien wie Umweltschutz, Sozialstandards und gute Unternehmensführung (ESG) bei den Anlageentscheidungen eine zunehmend wichtige Rolle. Zu diesem Ergebnis kommt eine jährliche Erhebung der Denkschmiede Official Monetary and Financial Institutions Forum (OMFIF), die die Nachrichtenagentur Reuters vor ihrer Veröffentlichung am Mittwoch einsehen konnte. „Durch Covid hat es definitiv eine Beschleunigung gegeben“, erklärte OMFIF-Chefvolkswirtin Danae Kyriakopoulou. Die Umfrage betrachtete weltweit 102 Institutionen und prüfte unter anderem, wie die Pandemie und andere langfristige Trends sie beeinflussten.

Laut der Denkschiede erklärte zum ersten Mal bei allen drei Investorentypen die Mehrheit der Institutionen, dass sie ESG-Kriterien umsetzen würden. Alle Pensionsfonds in der Umfrage orientierten sich daran. Unter den befragten Staatsfonds waren es immerhin zwei Drittel. Bei den Zentralbanken, die rund 60 Prozent der OMFIF-Stichprobe ausmachten, waren es dagegen nur etwas mehr als die Hälfe der Institutionen.

Viele Notenbanken investieren nicht in Aktien oder in Infrastrukturprojekte. Was nachhaltiges Investieren betrifft, stehen der Untersuchung zufolge grüne Anleihen bei ihnen an erster Stelle. Mehr als ein Drittel der befragten Zentralbanken hat inzwischen grüne Bonds in ihrem Portfolio. Einige von ihnen klagten allerdings laut OMFIF über eine geringe Liquidität und über ein mangelndes Angebot von grünen Dollar-Anleihen.

Die Umfrage zeigte außerdem einen Trend auf zu mehr aktivistischem Investorenverhalten - vor allem bei Staatsfonds und Pensionsfonds in öffentlicher Hand. Viele Fonds würden inzwischen nicht nur klimaschädliche Anlageoptionen ausschließen, sondern sie investierten gezielt in klimafreundliche Firmentitel oder nachhaltige Projekte. Allerdings nutzten 60 Prozent bei ihren konkreten Anlageentscheidungen keine ESG-Maßstäbe. Nur acht Prozent der Befragten besaßen laut OMFIF eigene Nachhaltigkeitsmaßstäbe.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

 

DWN
Finanzen
Finanzen Wölfe der Wall Street: Zeit für vernachlässigte Aktien und den Energiesektor
25.10.2026

Die kommende Woche wird eine der wichtigsten dieser Berichtssaison.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Audi baut US-Werk für SUVs: Jobverluste in Deutschland drohen  
25.10.2026

US-Präsident Donald Trump verkündet den Bau eines neuen Autowerks von Audi in den USA. Daraufhin entzündet sich am Auftritt des...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kapitalismus lebt: Warum Yanis Varoufakis mit seiner Theorie vom Technofeudalismus zugleich falsch und richtig liegt
25.10.2026

Der Kapitalismus ist tot. An seine Stelle ist ein neofeudales System getreten, in dem sich die Macht in den Händen der Eigentümer...

DWN
Finanzen
Finanzen OpenAI-IPO: Die wahre Sorge der Finanzchefin vor dem Börsengang
25.10.2026

Während die Finanzwelt auf den milliardenschweren OpenAI-Börsengang wartet, treibt Finanzchefin Sarah Friar eine ganz andere Sorge um:...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche Arbeitnehmer in der Dauerkrise: Immer mehr psychische Erkrankungen
25.10.2026

Die Krisen der vergangenen Jahre hinterlassen Spuren in der Psyche vieler Menschen und am Arbeitsmarkt: Immer mehr Arbeitnehmer fallen...

DWN
Technologie
Technologie Adobe-Alternative kostenlos: Ein verärgerter Kunde fordert den Milliardenkonzern heraus
25.10.2026

Ein Kunde will sein Adobe-Abo kündigen und soll dafür auch noch bezahlen. Seine Rache könnte den Software-Riesen teuer zu stehen kommen....

DWN
Unternehmen
Unternehmen KI im Unternehmen: Warum ChatGPT allein noch keine Prozesse automatisiert
25.10.2026

ChatGPT schreibt Texte, fasst Informationen zusammen und spart Mitarbeitern Zeit. Doch wer KI wirklich zur Prozessautomatisierung nutzen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Robin Zeng: Der Chinese, von dem Deutschlands Autobauer abhängen
25.10.2026

Er baut keine Autos, doch ohne ihn hätten BMW, Volkswagen und Mercedes-Benz ein gewaltiges Problem. Der chinesische Milliardär Robin Zeng...