Deutschland

Corona-Krise treibt deutsche Staatsschulden auf Rekordhöhe

Der teure Kampf gegen die Corona-Krise und deren wirtschaftliche Folgen treibt die Verschuldung des deutschen Staates auf einen Rekordwert.
28.07.2021 10:54
Lesezeit: 1 min
Corona-Krise treibt deutsche Staatsschulden auf Rekordhöhe
Olaf Scholz, SPD-Kanzlerkandidat, besucht während seiner Wahlkampftour das Biathlon-Trainingszentrum und schießt mit einer Biathlonwaffe am Schießstand. (Foto: dpa) Foto: Martin Schutt

Der teure Kampf gegen die Corona-Krise und deren wirtschaftliche Folgen treibt die Verschuldung des deutschen Staates auf einen Rekordwert. Ende 2020 standen Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherung einschließlich aller Extrahaushalte mit 2172,9 Milliarden Euro in der Kreide, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Das sind 14,4 Prozent oder 273,8 Milliarden Euro mehr als ein Jahr zuvor und der „höchste jemals in der Schuldenstatistik am Ende eines Jahres gemessenen Schuldenstand“. „Der Anstieg ist insbesondere bei Bund und Ländern auf die Maßnahmen zur Bewältigung der Corona-Pandemie zurückzuführen und setzte sich nach vorläufigen Ergebnissen im 1. Quartal 2021 fort“, so die Statistiker. Die Summe entspricht einer Pro-Kopf-Verschuldung von 26.141 Euro. Das sind 3281 Euro mehr als noch Ende 2019.

„Der Anstieg der öffentlichen Schulden in der Corona-Krise 2020 war zwar massiv, ist aber ökonomisch kein Grund zur Sorge“, sagte der Wissenschaftliche Direktor des gewerkschaftsnahen IMK-Instituts, Sebastian Dullien. Die Schuldenquote, also das Verhältnis von Verbindlichkeiten zur jährlichen Wirtschaftsleistung, liege deutlich niedriger als nach der Finanzkrise 2012 und dürfte ab 2022 zügig abnehmen. Auch im internationalen Vergleich liege die Quote Deutschlands eher im unteren Drittel. „Wie man in der Euro-Krise in anderen Ländern gesehen hat, sind hektische Kürzungen bei den Staatsausgaben oder rabiate Steuererhöhungen zur Rückführung der Schuldenquote kontraproduktiv“, sagte Dullien. Sie bremsen das Wirtschaftswachstum.

Besonders stark erhöhte sich der Schuldenstand beim Bund. Dieser wuchs um 18,1 Prozent auf 1403,5 Milliarden Euro. Bei den Ländern gab es eine Zunahme von 9,8 Prozent auf 636,0 Milliarden Euro. Am höchsten war die Pro-Kopf-Verschuldung in den Stadtstaaten, wobei sie in Bremen bei 57.823 Euro, in Hamburg bei 19.181 Euro und in Berlin bei 16.307 Euro lag. Die Stadtstaaten nehmen - anders als die Flächenstaaten - auch kommunale Aufgaben wahr. Die niedrigste Pro-Kopf-Verschuldung wiesen Sachsen mit 1244 Euro und Bayern mit 1359 Euro auf.

Die Verschuldung der Gemeinden wuchs um 1,5 Prozent auf 133,3 Milliarden Euro. Die Verbindlichkeiten der Sozialversicherungen wurden dagegen erneut abgebaut und summieren sich auf 44 Millionen Euro. In der Statistik werden nur Schulden gegenüber dem nicht-öffentlichen Bereich gezählt, etwa Kreditinstitute und private Unternehmen im In- und Ausland.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Während der Markt panikartig verkauft, setzt das "kluge Geld" fieberhaft Bitcoin-Druckmaschinen ein?

Der Markt hat kürzlich eine scharfe Korrektur durchlaufen, wobei sich Panik wie eine Seuche ausbreitete, als Verkäufer ihre...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: US-Börsenindizes treten auf der Stelle: Starke Beschäftigungsdaten dämpfen Zinssenkungserwartungen
11.02.2026

Die US-Börsenindizes beendeten den Handelstag am Mittwoch mit minimalen Veränderungen, da ein stärker als erwartet ausgefallener...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Stromausfall oder Blackout: Deutsche Firmen sind schlecht auf einen Ernstfall vorbereitet
11.02.2026

Trotz einer verschärften Sicherheitslage ist die deutsche Wirtschaft nur unzureichend gegen hybride Bedrohungen wie Cyberangriffe oder...

DWN
Politik
Politik Europas Verhandlungskurs auf dem Prüfstand: Russlands Finanzlage im Ukrainekrieg unter Druck
11.02.2026

Russlands wirtschaftliche Grenzen im Ukrainekrieg treten immer deutlicher hervor, während Europa über Gespräche mit dem Kreml nachdenkt....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Energiepreise unter Druck: KI-Rechenzentren treiben US-Strompreise in die Höhe
11.02.2026

Der Ausbau von KI-Rechenzentren treibt den Stromverbrauch in den USA nach oben und erhöht regional die Strompreise. Wie stark verändert...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche Wirtschaft: Krisen kosten Deutschland fast 1.000 Milliarden Euro
11.02.2026

Corona-Pandemie, Ukraine-Krieg, Zoll-Streit: Seit 2020 reiht sich eine Krise an die andere. Das kommt die deutsche Wirtschaft teuer zu...

DWN
Panorama
Panorama Allensbach-Studie: Weniger Rückhalt der Deutschen für Energiewende
11.02.2026

Fossile Energieträger wie Kohle und Gas sollen in Deutschland schrittweise durch erneuerbare Energien ersetzt werden - für mehr...

DWN
Politik
Politik Neuwahlen Ukraine: Selenskyj könnte Präsidentenwahl für 15. Mai ansetzen
11.02.2026

Die USA wollen ein schnelles Ende des Ukraine-Kriegs: Einem Bericht der Financial Times zufolge könnte Präsident Selenskyj die Flucht...

DWN
Politik
Politik Epstein Files: Von Adel bis Politik - das „Wer ist wer“ der Epstein-Akten
11.02.2026

Royals, Regierungsmitglieder und Diplomaten: Das Netzwerk des US-Multimillionärs und Sexualstraftäters Jeffrey Epstein umspannte die Welt...