Finanzen

Der Staat will uns das Bargeld nehmen: Sollen wir das wirklich zulassen?

Das Bargeld gerät zunehmend ins Kreuzfeuer von Lobbyisten. Wollen wir seiner Abschaffung wirklich tatenlos zuschauen?
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05.08.2021 15:54
Aktualisiert: 05.08.2021 15:54
Lesezeit: 2 min
Der Staat will uns das Bargeld nehmen: Sollen wir das wirklich zulassen?
Auf dem Bild ist ein bearbeiteter «Movie Money»-Schein zu sehen. (Foto: dpa)

Es schwärmen so viele Politiker und „angebliche“ Experten, vor allem die der jungen Generation, von der Abschaffung des Bargelds. Kreditkarten hätten wir doch schließlich alle, behaupten sie, und die jungen Leute würden sowieso nur noch mit ihren Handys bezahlen. Überhaupt würden im Zuge der fortschreitenden technologischen Entwicklung fast jeden Tag neue, innovative Zahlungsmöglichkeiten entwickelt. Und dann sei da ja auch noch die Kostenfrage. Vor allem für die Banken, aber auch für viele andere Unternehmen, sei der Umgang mit Bargeld nur eine unnötige finanzielle Belastung. Geldautomaten seien unrentabel, die Aufwendungen für gepanzerte Geldtransporter hoch, und die Lagerung von großen Mengen Münzen und Papiergeld eine aufwendige Sache. Und erst der Mittelstand: Gerade für kleine Unternehmen, die besonders stark auf ihre Kosten achten müssen, wäre es doch viel besser, wenn sie von der finanziellen Last des Umgangs mit Bargeld befreit wären. Kurz gesagt: Elektronisch, digital, virtuell oder Krypto – alle anderen Zahlungsweisen sind ineffizient, kostenintensiv und überhaupt ganz furchtbar altmodisch.

Unterlegt wird diese Denkweise, ganz im Sinne der betriebswirtschaftlichen Logik, mit harten Zahlen. In Norwegen zum Beispiel (dem laut „UN-Index der menschlichen Entwicklung“ höchstentwickelten Land der Welt) werden nur noch sechs Prozent der Einkäufe im Einzelhandel mit Bargeld getätigt. Im vielgepriesenen Musterland Schweden ist die Zahl der Bargeld-Transaktionen in den letzten zehn Jahren um circa 80 Prozent gefallen. Und auch hierzulande nimmt die Bedeutung des alten Wahlspruchs „Nur Bares ist Wahres“ kontinuierlich ab, ist die Zahl der Bargeld-Transaktionen zunehmend im Rückschritt begriffen. Und ja, es stimmt zweifellos, dass Bargeld Betrügereien, Steuerhinterziehung und Geldwäsche um einiges einfacher macht. Da wundert es nicht, dass sich auch die EZB-Chefin Christine Lagarde zu einer schrittweisen Abschaffung des Bargelds bekennt.

Wir, die wir im Herzen konservativ sind und traditionellen Werten anhängen, haben natürlich nichts dagegen, wenn immer mehr Leute mit Kreditkarten und Handys bezahlen. Und selbstverständlich unterstützen wir die technologische Entwicklung - Fortschritt ist schließlich wichtig. Aber: So richtig anfreunden mit dem Gedanken, das Bargeld abzuschaffen, können wir uns nicht. Und darum sind wir der Meinung, dass wir uns die Freiheit, die das Zahlungsmittel Bargeld mit sich bringt, nicht wegnehmen lassen sollten. Hier eine Reihe von Gründen:

  1. Bargeld ist praktisch. Liege ich zum Beispiel am Strand, will ich mein Handy oder meine Kreditkarte nicht dabeihaben, aber einen 20-Euro Schein schon. Geht er verloren oder wird gestohlen, ist das keine Tragödie. Kommen mir dagegen das Handy oder die Kreditkarte abhanden, bedeutet das für mich eine Menge Scherereien. Und auch wenn ich in den Bergen wandere - was ich als passionierter Gebirgsliebhaber häufig tue - möchte ich Bargeld bei mir tragen. Mit einer funktionierenden Internet-Verbindung sind nämlich nur die wenigsten Almhütten ausgestattet.
  2. Bargeld zu besitzen ist unser staatsbürgerliches Recht. Bargeldloses Bezahlen hinterlässt Spuren. Ich will nicht, dass mich meine Bank und der Staat anhand dieser Spuren überwachen können. Ich habe nichts zu verbergen - überwacht werden möchte ich trotzdem nicht. Dass meine Freiheit bis zu einem gewissen Grad eingeschränkt sein muss, zum Beispiel bei Transaktionen mit großen Mengen Bargeld, kann ich problemlos nachvollziehen. Aber meine ganze Freiheit - die will ich mir nicht nehmen lassen.
  3. Nicht nur Unternehmen, auch Kleinsparer bekommen für ihr Erspartes keine Zinsen mehr. Teilweise müssen sie sogar Negativ-Zinsen zahlen. Mit anderen Worten: Banken sind keine Finanzinstitute im klassischen Sinne mehr, sondern „Geld-Verwahrer“, die für ihre Dienstleistungen selbstverständlich von ihrem Kunden eine Gegenleistung erwarten. Ich habe mich allerdings dazu entschlossen, ein solches Geschäftsverhältnis nicht einzugehen, also nichts zu bezahlen. Wenn ich mein Geld unter meinem Kissen verstecken oder in meinem Safe aufbewahren möchte, steht es mir frei, so zu handeln - als Bürger eines demokratischen Rechtsstaats steht mir eine solche Entscheidung uneingeschränkt zu. Aber: In einer bargeldlosen Gesellschaft bin ich dieser Entscheidung beraubt. Ich bin gezwungen, den Anbieter der bargeldlosen Transaktionen zu bezahlen. Und das ist falsch, denn: Weder der Staat, noch die Zentralbank und auch nicht meine Bank oder die Anbieter von monetären Transaktionen sollten in der Lage sein, mich zu einem Geschäft zu zwingen, dass ich nicht eingehen möchte.

In unseren Augen wäre es eine gute Idee, den Besitz von Bargeld als Recht im Grundgesetz zu verankern.

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Peter Frankl

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Peter Frankl ist Geschäftsführer der Deutschen Wirtschaftsnachrichten sowie Herausgeber von „Finance“, des führenden Wirtschaftsportals und Wirtschaftsmedien-Verlags von Slowenien. Aufgewachsen in Slowenien und Österreich, verfügt er über rund 30 Jahre Erfahrung als Journalist und Medienmanager beim schwedischen Verlag „Bonnier“.

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