Wirtschaft

Halbleiter-Krise verschärft sich: Ford fährt Produktion erneut runter, Schlag gegen den Standort Deutschland

Monatelang ruhte die Autoherstellung im Kölner Ford-Werk. Am Montag ging es endlich wieder los – und findet schon bald wieder ein abruptes Ende. Die Tatsache, dass zwischen den USA und China ein harter Wettbewerb um den internationalen Halbleiter-Markt tobt, wird oftmals übersehen.
17.08.2021 12:17
Lesezeit: 2 min

Wegen Halbleiter-Lieferproblemen muss der Autobauer Ford in Köln erneut seine Produktion runterfahren. Es habe coronabedingte Ausfälle bei einem Halbleiter-Hersteller in Malaysia gegeben, wodurch es bei einem Türmodul-Zulieferer zu Lieferproblemen gekommen sei, sagte ein Ford-Sprecher am Dienstag in Köln. Zuvor hatte die „Bild“ darüber berichtet. Schon von Anfang Mai bis Mitte Juli hatte die Fiesta-Produktion in Köln wegen Halbleiterproblemen geruht - hierbei ging es um Technik für andere Bauteile.

Erst am Montag war die Belegschaft nach ihrem einmonatigen Werksurlaub in die Produktionshallen zurückgekehrt, um die Montage von Fiesta-Kleinwagen wieder aufzunehmen. Doch die Produktion wird ein kurzes Intermezzo, denn zur Begrüßung fanden sie ein Schreiben zu den Lieferengpässen vor. Darin kündigte die Chefetage an, dass man mangels Türmodulen für die kommenden zwei Wochen (ab 17. August) Kurzarbeit beantragen werde. Möglicherweise wird es noch länger dauern, wie aus dem Schreiben hervorgeht. Denn auch die Versorgung mit Material in der Woche ab dem 6. September sei „noch ungewiss“, wie aus dem Schreiben hervorgeht.

Halbleiter-Lieferprobleme machen der ganzen Autobranche zu schaffen, auch andere Hersteller mussten ihre Produktion mangels Bauteilen zwischenzeitlich einstellen. Ford hat in Köln rund 15.000 Beschäftigte, davon 5.000 in der Fiesta-Produktion. Der Rest ist in der Entwicklung, in der Verwaltung und in anderen Bereichen tätig - Köln dient dem US-Autokonzern als Deutschland- und Europazentrale.

Zweiter Ford-Standort in Deutschland ist Saarlouis im Saarland. Dort endet der Werksurlaub Anfang kommender Woche. Die dortige Herstellung des Focus-Modells sei von den aktuellen Lieferengpässen nicht betroffen, sagte der Firmensprecher. Die Produktion werde dort planmäßig wieder aufgenommen.

Die internationale Halbleiter-Krise hat eine geopolitische Dimension. Zwischen den USA und China tobt ein erbitterter Kampf um den internationalen Halbleiter-Markt.

„Voice of America“ (VoA) berichtete am 28. März 2021: „Die USA betrachten Taiwan zunehmend als einen wichtigen Teil ihres Plans, Lieferungen und Produkte von anderen Orten als dem chinesischen Festland zu beziehen. Dies gilt insbesondere für Computertechnologie und Chips. Computerchips sind kleine Stücke aus hartem Material, die viele elektronische Schaltkreise enthalten. Diese Geräte werden in Computern und anderer Elektronik verwendet. Christensen sprach bei einer Zeremonie für eine neue Chipfabrik der ,Powerchip Semiconductor Manufacturing Corporation‘ in Zentraltaiwan. Christensen sagte, er sei dort gewesen, um den ,Fokus der US - Regierung auf die Sicherheit der Lieferkette neu zu formulieren‘ (…) Christensen sagte, dass ,sowohl Präsident Biden als auch Präsidentin Tsai die Halbleiterindustrie zu Recht als sehr wichtig identifiziert haben. Christensen fügte hinzu, dass Halbleiter nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen, sondern auch aus Gründen der nationalen Sicherheit wichtig seien.“

Die größten Halbleiter-Hersteller, die auch Chips genannt werde, sind „Intel“, „TSMC“, „Qualcomm“, „Broadcom“, „Micron Technology“, „Texas Instruments“, „ASE Technology“, „NVIDIA“, „STMicroelectronics“, „NXP“, berichtet „Investopedia“.

Wer den Weltmarkt für Halbleiter kontrolliert, kontrolliert folglich die Volkswirtschaften und die weltweite Produktion von technologischen Waren und Gütern. Sollte es den USA gelingen, ihren politischen und wirtschaftlichen Einfluss auf Taiwan, wo ein Großteil der Halbleiter der Welt produziert wird, auszuweiten, könnten die Amerikaner ganz ohne kriegerische Auseinandersetzungen China einen schweren Schlag zusetzen. Allerdings müssten die USA auch garantieren, dass Halbleiter-Hersteller aus anderen Ländern gegen China positioniert werden.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Wall Street schließt im Plus – Fed lässt Leitzinsen unverändert
28.10.2026

Bewegte Märkte an der Wall Street: Welche Faktoren die aktuellen Börsenkurse steuern und was Anleger jetzt wissen müssen.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Das ist Russlands neuer Albtraum
28.10.2026

Das deutsche Verteidigungsunternehmen Helsing bringt zwei neue Luftabwehrraketen und ein KI-gestütztes Abwehrsystem auf den Markt. Ziel...

DWN
Politik
Politik Wahl von AfD-Politikern: Streit um eidesstattliche Erklärung – Rücktrittsforderungen für Schulze
28.10.2026

Die Debatte über den Umgang mit der AfD wird zur Zerreißprobe für die CDU-Landtagsfraktion in Sachsen-Anhalt: Aktueller Tiefpunkt ist...

DWN
Finanzen
Finanzen Europäische Banken: Höhere Zinsen dämpfen bereits die Kreditnachfrage
28.10.2026

Vor ihrer Zinssitzung veröffentlichte die EZB einen Bericht über den Stand der Kreditvergabe der Banken. Daraus geht hervor, dass ihre...

DWN
Finanzen
Finanzen Silber stürzt ab: Schmerzhafte Lektion oder erwartete Chance an einer runden Marke?
28.10.2026

Der Silberpreis ist auf den niedrigsten Stand seit elf Monaten gefallen und liegt inzwischen mehr als 50 Prozent unter seinem Rekordhoch...

DWN
Politik
Politik Analyse: Trump kann nur neidisch sein – Präsident Xi ist bereit für eine vierte Amtszeit
28.10.2026

Im kommenden Jahr soll Xi Jinping eine weitere fünfjährige Amtszeit als mächtiger Präsident Chinas erhalten. In dieser Woche treffen...

DWN
Finanzen
Finanzen Einkommensausfall: Viele Deutsche haben kaum finanzielle Reserven
28.10.2026

Eine kaputte Waschmaschine, eine Autoreparatur: Für 37 Prozent wären unerwartete 3.000 Euro ein echtes Problem. Besonders junge...

DWN
Finanzen
Finanzen Drei Dinge, die mir bei Teslas aktuellem Quartalsbericht aufgefallen sind
28.10.2026

Beim Lesen von Teslas aktuellem Quartalsbericht entstand bei mir der Eindruck, es mit zwei getrennten Unternehmen zu tun zu haben. Das eine...