Wirtschaft

Schlag gegen Deutschlands Autoindustrie: Weltgrößte Chip-Hersteller heben die Preise an

Während die gesamte Welt damit beschäftigt ist, Theorien zur Afghanistan-Krise aufzustellen, spielt sich auf dem Markt für Halbleiter bzw. Chips etwas Dramatisches ab. Mehrere Hersteller sind dabei, die Preise drastisch anzuheben.
31.08.2021 14:00
Lesezeit: 2 min

Der weltweitgrößte Chip-Hersteller TSMC plant nach einem Bericht des „Wall Street Journal“, die Chip-Preise um bis zu 20 Prozent zu erhöhen. Die Preiserhöhung soll zum Ende des aktuellen Jahres oder zu Beginn des kommenden Jahres erfolgen. Aufgrund der Lieferengpässe bei Chips, die auch Halbleiter genannt werden, mussten zahlreiche deutsche Autobauer ihre Produktionen drosseln. Dazu zählen vor allem die deutschen Autobauer.

Zu Beginn des Jahres kündigte der Autobauer Ford an, dass er 50 Prozent seiner Kapazität verlieren könnte, während Nissan, Honda und Jaguar Land Rover ebenfalls angekündigt hatten, die Werksproduktion zu reduzieren. Beispielsweise ist auch der Tech-Konzern Apple einer der größten Kunden von TSMC und seine iPhones verwenden fortschrittliche Mikroprozessoren, die in TSMC-Gießereien hergestellt werden.

Infineon stimmt seine Kunden auf höhere Preise für Halbleiter ein. „Wir werden die Preise erhöhen oder haben sie schon erhöht“, sagte Infineon-Chef Reinhard Ploss der „Wirtschaftswoche“. Er begründete das mit gestiegenen Fertigungskosten. Der Halbleiterhersteller habe selbst mit höheren Kosten zu tun, weil er nicht alle Chips selbst fertige. „Diese Kosten müssen wir natürlich weitergeben“, sagte Ploss. Wie stark der Preisaufschlag ausfalle, ließ er offen.

Der Infineon-Chef sieht in den niedrigen Preisen für Chips einen der Gründe für die Knappheit bei den wichtigen Bauteilen, die insbesondere der Autobranche derzeit schwer zu schaffen macht. Bei manchen Bauelementen habe sich die Industrie daran gewöhnt, dass sie sie sehr billig kriegen, sagte er. „Wenn die Chips zu sehr niedrigen Preisen gehandelt werden, dann ist der Anreiz, mehr Kapazitäten zu schaffen, sehr gering.“

Die Autobranche kann wegen des Engpasses bei den Halbleitern vielerorts nach der Sommerpause die Produktion nicht so hochfahren wie geplant. Audi etwa meldete für Tausende Mitarbeiter Kurzarbeit an, auch beim Branchenprimus Toyota bleibt die Fertigung im September um 40 Prozent hinter dem Soll zurück. Eine schnelle Lösung ist nicht in Sicht: Der Infineon-Chef geht davon aus, dass die Chipkrise bis ins Jahr 2022 andauern wird. Doch die Krise dürfte sich bis ins Jahr 2023 erstrecken.

Währenddessen hat sich in diesem Zusammenhang etwas anderes ereignet. US-Firmen dürfen mittlerweile den chinesischen Technologiekonzern Huawei mit Autochips beliefern. Entsprechende Lizenzanträge im Wert von mehreren Hundert Millionen Dollar seien genehmigt worden. So können Huawei beispielsweise mit Halbleitern für in Fahrzeugen genutzte Bildschirme und Sensoren versorgt werden. Der weltgrößte Netzwerkausrüster aus China wird seit Jahren sanktioniert und befindet sich auf einer sogenannten schwarzen Liste, was Handelsbeschränkungen zur Folge hat. Ohne entsprechende Sondererlaubnis ist es US-Unternehmen wegen Sicherheitsbedenken untersagt, beispielsweise Halbleiter für 5G-Komponenten an den chinesischen Konzern zu verkaufen.

Angesichts der Sanktionen ändert Huawei gerade sein Geschäftsmodell, konzentriert sich stärker auf die Netzwerksparte und Autokomponenten für vernetzte Fahrzeuge und weniger auf die Smartphone-Branche. Autochips gelten als wenig ausgeklügelt, was Auslieferungsgenehmigungen wahrscheinlicher macht.

Ein Sprecher des US-Handelsministeriums sagte, die Regierung verhindere weiterhin, dass Huawei Zugang zu Rohstoffen, Software oder Technologie habe, mit denen das Unternehmen die US-Sicherheit oder -Außenpolitik gefährden könne. Es sei nicht erlaubt, die in der Regel mehrjährigen Lizenzvereinbarungen öffentlich zu machen. Eine Huawei-Sprecherin wollte sich nicht äußern. Die umfangreichen Sanktionen belasten inzwischen das Geschäft von Huawei. In der ersten Jahreshälfte brach der Umsatz des Unternehmens so stark ein wie nie zuvor.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Königsmacher BSW: Wie weit reicht die Nähe zur AfD?
07.09.2026

Das BSW galt nach monatelangen Konflikten bereits als politisch angeschlagen. Nun verschafft ihm der Einzug in den Landtag von...

DWN
Politik
Politik Wahlergebnis Landtagswahl Sachsen-Anhalt: AfD-Rekordsieg und viele offene Fragen – wie es weitergeht
07.09.2026

Die AfD triumphiert in Sachsen-Anhalt, verfehlt jedoch die absolute Mehrheit. Während mögliche Partner abwinken, beginnt das Ringen um...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft AfD-Wahlsieg alarmiert die deutsche Wirtschaft: Verbände fürchten Folgen für den Standort
07.09.2026

Der Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt alarmiert die deutsche Wirtschaft. Arbeitgeber und Industrie warnen vor Abschottung, ausbleibenden...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Zu schwer und schwer zu löschen: Carrefour sperrt E-Autos aus
07.09.2026

Fahrer von Elektroautos dürfen ihre Fahrzeuge in Belgien nicht mehr auf einem der 18 Parkplätze abstellen, die auf den Dächern von...

DWN
Politik
Politik Teilzeit boomt, Vollzeit schrumpft: Arbeiten die Deutschen zu wenig?
07.09.2026

Der Staat klagt über Personalmangel – hat aber selbst die höchste Teilzeitquote unter den Beschäftigten. Eine Studie schlägt nun die...

DWN
Politik
Politik Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: AfD klar vor CDU – AfD strebt nach Wahl-Triumph an die Macht
06.09.2026

Ein Rekordergebnis, eine historische Niederlage und kaum realistische Koalitionsoptionen: Die Landtagswahl stellt Sachsen-Anhalt vor...

DWN
Politik
Politik Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Ob AfD-Beben oder Zerreißprobe – Bundeskanzler Merz steckt in der Bredouille
06.09.2026

Die Wahl in Sachsen-Anhalt könnte zum Wendepunkt für die CDU und ihren Vorsitzenden werden. Zwischen einem historischen AfD-Erfolg und...

DWN
Finanzen
Finanzen Kurzlaufende Staatsanleihen sind nach dem Zinsanstieg für Sparer attraktiver
06.09.2026

Kurzlaufende Staatsanleihen mit einer Rendite von nahe drei Prozent sind ein Grund, das Wissen aufzufrischen: Wie können Anleger...