Unternehmen

Mittelstand: Am besten funktioniert die freiwillige Abgabe des Impfstatus an Arbeitgeber

Der Mittelstand hält es grundsätzlich für richtig und wichtig, dass die Arbeitgeber über den Impfstatus ihrer Arbeitnehmer informiert werden. Doch dieser gesamte Prozess müsse auf einer freiwilligen Mitteilung des Impfstatus beruhen. Zwangsmaßnahmen seien falsch.
02.09.2021 11:16
Aktualisiert: 02.09.2021 11:16
Lesezeit: 2 min
Mittelstand: Am besten funktioniert die freiwillige Abgabe des Impfstatus an Arbeitgeber
Ein Impfpass und ein Smartphone, auf dem die App CovPass läuft, liegen auf einem Impfzertifikat, das von einer Apotheke ausgestellt wurde. (Foto: dpa) Foto: Stefan Puchner

Arbeitgeber in Deutschland müssen ihre Beschäftigten künftig für eine Corona-Impfung frei geben - aber den Impfstatus sollen sie nicht abfragen dürfen. Allerdings prüft die Bundesregierung die Einführung eines Rechtsanspruchs für Arbeitgeber auf Auskunft über den Impfstatus von Beschäftigten, wie Regierungssprecher Steffen Seibert mitteilte. Eine geänderte Corona-Arbeitsschutzverordnung von Arbeitsminister Hubertus Heil sieht zunächst vor, dass Auskünfte der Beschäftigten zu ihrem Impf- oder Genesenenstatus freiwillig bleiben.

Der Bundesgeschäftsführer des Bundesverbands Mittelständische Wirtschaft (BVMW), Markus Jerger, sagte in diesem Zusammenhang gegenüber den Deutschen Wirtschaftsnachrichten: „Eine Offenlegung ist rechtlich gesehen durchaus jetzt schon möglich. Viele Unternehmen praktizieren dies bereits, etwa wenn Betriebsärzte Corona-Schutzimpfungen durchführen. Es gibt allerdings auch Unternehmen, die aus Furcht, gegen den Datenschutz zu verstoßen, auf die Abfrage des Impfstatus verzichten. Ich betrachte die freiwillige Information des Arbeitgebers als besten Weg, Solidarität gegenüber den übrigen Beschäftigten und den in wirtschaftlich schwierigen Zeiten unternehmerische Verantwortung Tragenden zu üben.

Unseres Erachtens nach ist es wichtig, dem Arbeitgeber den Impfstatus beziehungsweise den Status als Genesener oder Getesteter mitzuteilen. Nur so können betriebliche Einschränkungen vermieden und den Beschäftigten ein sicherer Weg zurück an ihren Arbeitsplatz ermöglicht werden. Insbesondere zum Schutz der Ungeimpften und für die Arbeitsfähigkeit des Unternehmens sind diese Information elementar. Schlecht ist es, wenn Unternehmen, die vor einer Abfrage des Impfstatus zurückschrecken, verwaiste Büros haben und dann vielleicht insolvent werden.

Unkenntnis über den Impfstatus der Beschäftigten schafft Unsicherheit und nährt damit gegenseitiges Misstrauen. Dieses gilt es unbedingt im Sinne der Erhaltung des Betriebsfriedens zu vermeiden. Am besten funktioniert die freiwillige Abgabe der Information. Im Hinblick auf Homeoffice plädiere ich für die beiderseitige Freiwilligkeit von Arbeitgeber und Arbeitnehmer und den Verzicht auf staatliche Vorgaben.“

Mit der Verordnung gilt neu ab 10. September eine Verpflichtung der Arbeitgeber, Beschäftigte über die Risiken einer Covid-19 Erkrankung und Impfmöglichkeiten zu informieren. Beschäftigte sind zur Wahrnehmung von Impfangeboten freizustellen. Firmen müssen zudem ihre Betriebsärzte beim Impfen unterstützen. Wo es keine impfenden Betriebsärzte gibt, soll den Beschäftigten etwa durch mobile Impfteams oder Arztpraxen ein Impfangebot gemacht werden. Umfragen hätten gezeigt, dass über 30 Prozent der Ungeimpften impfbereit seien, so die Verordnungsbegründung. Ungeimpfte sähen aber teils kein Risiko einer schweren Erkrankung oder hätten Angst vor Nebenwirkungen. Für diese Personen könne „eine persönliche Ansprache durch eine Vertrauensperson im Betrieb“ eine

Heil sagte in der ARD: „Es werden Tests angeboten, es gibt aber kein Recht der Beschäftigten, eine Bescheinigung zu bekommen, um dann abends in die Kneipe zu gehen.“ Arbeitgeber sollen weiter wenigstens partiell Homeoffice anbieten. Wo andere Maßnahmen nicht reichen, müssen Arbeitgeber mindestens eine medizinische Schutzmaske zur Verfügung stellen. Die Corona-Arbeitsschutzverordnung ist an die Dauer der epidemischen Lage gekoppelt und wurde somit bis einschließlich 24. November 2021 verlängert.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Die Refurbed-Checkliste: 5 Qualitätsstandards, die herkömmliche gebrauchte iPhones nicht erfüllen

Preisbewusstsein, Nachhaltigkeit und Qualität sind die Dinge, die für die meisten heutzutage beim Kauf von Smartphones im Mittelpunkt...

 

DWN
Politik
Politik Reform Heizungsgesetz: Schutz vor steigenden Mietnebenkosten unklar
25.02.2026

Die Reform des Heizungsgesetzes sorgt für Unsicherheit: Welche Kosten kommen auf Mieter und Eigentümer zu? Details zum Schutz vor...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Stromausfälle in der Ukraine: Industrie und Wirtschaft geraten ins Stocken
25.02.2026

Die anhaltenden Stromausfälle verschärfen die wirtschaftliche Krise in der Ukraine und setzen Industrie, Staatsfinanzen und Wachstum...

DWN
Politik
Politik Neuwahl in Brandenburg: Stopp von Bürgermeisterwahl - Post weist Vorwürfe zurück
25.02.2026

Der erste Durchgang einer Bürgermeisterwahl in Brandenburg wird annulliert. Im Raum steht der Vorwurf der Wahlfälschung im Zusammenhang...

DWN
Technologie
Technologie Studie: KI-generierte Gesichter tricksen Experten und Super Recognizer aus
25.02.2026

Selbst Experten für Gesichtserkennung können KI-generierte Gesichter kaum von echten unterscheiden. Wie schnitten sie im Vergleich zu...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Stellenabbau: Autoindustrie und Maschinenbau drücken Arbeitsmarkt
25.02.2026

15.000 Jobs gehen jeden Monat in der Industrie verloren. Besonders betroffen sind Sparten, in denen Deutschland traditionell stark war. Der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Expansion in den militärischen Schiffbau: Neue Impulse für die Rheinmetall-Aktie
25.02.2026

Rheinmetall treibt seine Expansion im europäischen Verteidigungsmarkt voran und erweitert sein industrielles Profil deutlich. Wird die...

DWN
Politik
Politik Antrittsbesuch: Merz wirbt in China für Regierungskonsultationen
25.02.2026

Der Bundeskanzler macht sich bei seiner ersten China-Reise für Kooperation mit China stark. Ein seit einigen Jahren eingeschlafenes...

DWN
Technologie
Technologie Anthropic baut KI-Strategie aus: Chatbot Claude nun auch im Finanz- und HR-Sektor
25.02.2026

Anthropic treibt die Kommerzialisierung seiner KI-Modelle voran und rückt mit neuen Anwendungen für Finanzdienstleister und...