Politik

„London Bridge is down“: Großbritannien plant für den Tod der Queen

Lesezeit: 3 min
04.09.2021 18:07
Queen Elizabeth II. lebt - und aktuell deutet nichts auf ihren baldigen Tod hin. Diese Nachricht vorweg muss sein - denn einmal mehr gibt es einen Bericht darüber, was im Falle des Todes der 95 Jahre alten Monarchin geschehen wird. Die Vorbereitung hat gute Gründe.
„London Bridge is down“: Großbritannien plant für den Tod der Queen
Königin Elizabeth II. besucht die Kathedrale. Es sind vier Worte, die ein ganzes Land zum Stillstand bringen werden: «London Bridge is down.» Mit diesem Satz - auf Deutsch etwa «Die London Bridge ist eingestürzt» - wird eines Tages ein ranghoher Beamter den britischen Premierminister informieren, dass Königin Elizabeth II. tot ist. (Foto: dpa)
Foto: Christopher Furlong

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Es sind vier Worte, die ein ganzes Land zum Stillstand bringen werden: „London Bridge is down.“ Mit diesem Satz - auf Deutsch etwa „Die London Bridge ist eingestürzt“ - wird eines Tages ein ranghoher Beamter den britischen Premierminister informieren, dass Königin Elizabeth II. tot ist. In kurzer Zeit wird die Trauer das gesamte öffentliche Leben überschatten. Doch vor allem ist der Code der Auslöser für die „Operation London Bridge“ - denn der Ablauf der Tage nach dem Tod der Queen ist seit Jahren minutiös vorgegeben.

Wer wird wann benachrichtigt, wie wird die Bevölkerung informiert, was geschieht mit Thronfolger Prinz Charles? Verantwortlich sind der Palast sowie die zentrale Regierungsbehörde Cabinet Office, in der es sogar ein eigenes „Bridges“-Referat gibt. Wie einstudiert das Protokoll ist, ließ sich erst vor fünf Monaten beim Tod von Queen-Gatte Prinz Philip erleben - die „Operation Forth Bridge“ lief wie am Schnürchen.

Grundzüge von „London Bridge“ sind spätestens bekannt, seitdem die Zeitung „Guardian“ 2017 umfassend über die Pläne berichtete - die nie vom Palast dementiert wurden. Nun berichtet das Online-Magazin „Politico“, ihm liege der komplette Ablauf inklusive einiger neuer Details vor. So seien etwa mögliche Corona-Bedingungen eingearbeitet, zudem gebe es genaue Vorschriften für das Verhalten des Regierungsapparats in sozialen Medien.

Dass die Pläne seit Jahren vorliegen und die Queen davon Kenntnis haben dürfte, mag befremdlich anmuten. Zumal klar ist, dass sich die 95 Jahre alte Monarchin offensichtlich bester Gesundheit erfreut. Doch bei einem Ereignis dieser Dimension, das Auswirkungen auf die ganze Welt haben wird - zumal die Königin Staatsoberhaupt von gut einem Dutzend Staaten, ehemaligen britischen Kolonien, ist - müssen alle Beteiligten genau Bescheid wissen. Ansonsten würde das emotionale Durcheinander für Chaos sorgen. Ähnliches gilt etwa für Medien: Weltweit sind seit Jahren Nachrufe vorbereitet, wie bei anderen Prominenten.

Doch zurück zum Ablauf der „Operation London Bridge“, wie „Politico“ ihn beschreibt. Der Todestag („Death Day“) selbst wird demnach intern „D-Day“ genannt - das britische Äquivalent zum deutschen „Tag X“. Sobald die Regierung informiert ist, meldet die britische Nachrichtenagentur PA den Tod der Queen in einer Blitzmeldung, und der Palast veröffentlicht eine offizielle Benachrichtigung. Sodann sollen an allen öffentlichen Gebäuden in Windeseile die Fahnen auf halbmast gesenkt werden, Ziel sind maximal zehn Minuten.

Als erster wird der Premierminister Stellung nehmen, und die Royal Family gibt die Pläne für die Beisetzung bekannt, die vermutlich nach zehn Tagen stattfinden wird. Salutschüsse und eine nationale Schweigeminute werden angeordnet, bevor der Premier sich zur Audienz mit dem neuen König trifft - Charles, der älteste Sohn der Queen. Das neue Staatsoberhaupt wird dann, geplant ist 18.00 Uhr Ortszeit, eine Ansprache an sein Volk halten. In der Londoner Kathedrale St. Paul's findet ein Gedenkgottesdienst statt.

Doch nicht nur das traditionelle Zeremoniell ist vorbereitet. Die Pläne sind auch an die Moderne angepasst. So ist laut „Politico“ vorgeschrieben, dass die Banner der staatlichen Social-Media-Accounts in schwarz erscheinen und als Profilbild das Behördenwappen verwendet wird. Ministerien dürfen nur noch die wichtigsten Mitteilungen veröffentlichen. Bei Twitter sind ihnen Retweets verboten, bis der Kommunikationschef der Regierung diese freigibt.

Auch die Tage bis zum Staatsbegräbnis sind vorbereitet. Zwar ist Charles von der Sekunde an, in der seine Mutter stirbt, bereits König. Offiziell proklamiert wird er aber erst am nächsten Vormittag – „D-Day+1“. Am „D-Day+2“ wird der Sarg der Königin, die zuletzt vor allem auf Schloss Windsor bei London residierte, in den Buckingham Palast im Herzen der Hauptstadt überführt. „D-Day+3“ sieht Charles zu einer Reise durch alle Landesteile aufbrechen. Erster Halt: die schottische Hauptstadt Edinburgh.

Auch verschiedene Aspekte von „London Bridge“ haben eigene Codenamen. So heißt die Inthronisierung von Prinz Charles „Spring Tide“ (Springflut) und die dreitägige Aufbahrung der Queen „Feather“ (Feder). Währenddessen laufen die Vorbereitungen für die Trauerzeremonie in der Londoner Kathedrale Westminster Abbey auf Hochtouren. Beigesetzt wird die Queen schließlich auf Schloss Windsor in der kleinen König-Georg-VI.-Gedenkkapelle, neben ihrem Mann.

„Die Dokumente zeigen das außergewöhnliche Maß an Maßnahmen, das von allen Teilen des britischen Staates erforderlich ist“, schreibt „Politico“. So ist eine gewaltige Sicherheitsoperation geplant, um „beispiellose Menschenmengen und Reisechaos“ zu bewältigen. Hunderttausende werden in die Stadt strömen. Das Online-Portal zitiert aus einem Memo: Der Tod der Queen könne dazu führen, dass London erstmals „voll“ wird.


Mehr zum Thema:  

Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Halbzeit Urlaub bei ROBINSON

Wie wäre es mit einem grandiosen Urlaub im Juni? Zur Halbzeit des Jahres einfach mal durchatmen und an einem Ort sein, wo dich ein...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Die versteckten Kosten der Globalisierungsverlangsamung
14.04.2024

Die Entstehung eines offenen multilateralen Handelssystems, das den Handel von der Geopolitik trennte, spielte eine entscheidende Rolle als...

DWN
Politik
Politik Dänemark verlängert Grenzkontrollen zu Deutschland
14.04.2024

Aus Sicherheitsgründen verlängert Dänemark die Grenzkontrollen zu Deutschland um sechs Monate. Neue Technologien wie Drohneneinsatz...

DWN
Finanzen
Finanzen Berufsunfähigkeitsversicherung – ebenso wichtig wie komplex
14.04.2024

Berufsunfähigkeit - das kann sowohl für Arbeitnehmer als auch für Selbstständige auf eine finanzielle Katastrophe hinauslaufen. Wie...

DWN
Finanzen
Finanzen Aktien vs. ETFs - welche Anlageprodukte eignen sich für welchen Anlegertyp?
13.04.2024

Die Auswahl des richtigen Anlageprodukts ist entscheidend für den Aufbau eines erfolgreichen Portfolios. Während Aktien direkten Zugang...

DWN
Politik
Politik Steinmeier fordert besseren Schutz von Kommunalpolitikern
13.04.2024

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat einen besseren Schutz von Amts- und Mandatsträgern in den Kommunen gegen Anfeindungen und...

DWN
Finanzen
Finanzen Riskant: Wirtschaftsexperten fordern eine Lockerung der Schuldenbremse
13.04.2024

In ihrer Gemeinschaftsdiagnose sehen Top-Ökonomen die deutsche Wirtschaft an einem Tiefpunkt. Sie plädieren für einen radikalen Schritt:...

DWN
Finanzen
Finanzen Die Inflation weicht zurück, Kreditnehmer hoffen auf Zinssenkung - bislang vergebens
13.04.2024

Die Inflation im Euroraum ist nach dem Preisschock infolge des Ukraine-Krieges wieder auf dem Rückzug. Das eröffnet der EZB Spielräume -...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Markus Merk im Interview: Eine Entscheidung ist nur so gut, wie das Umfeld sie wahrnimmt
13.04.2024

Jede Entscheidung hat einen Ort, eine Zeit und eine Bestimmung, sagt Markus Merk. Nicht nur auf dem Fußballfeld. Ein Gespräch über...