Politik

Gewalt bei Demonstrationen im Iran – US-Präsident warnt Führung

Im Iran dauern die Proteste seit Sonntag an, mehrere Demonstrierende wurden bereits getötet. US-Präsident Donald Trump hat sich in die Unruhen eingeschaltet und der iranischen Führung mit einem Eingreifen gedroht. Auf seiner Plattform Truth Social schrieb er: Sollte der Iran friedliche Demonstranten töten, „werden die Vereinigten Staaten von Amerika ihnen zu Hilfe kommen“. Welche Maßnahmen er konkret plant, ließ Trump offen.
02.01.2026 13:55
Lesezeit: 3 min
Gewalt bei Demonstrationen im Iran – US-Präsident warnt Führung
Demonstranten marschieren in der Innenstadt von Teheran bei einem Protest gegen die schlechten wirtschaftlichen Bedingungen (Foto: dpa). Foto: -

Eine harsche Reaktion aus dem Iran folgte prompt. „Trump sollte wissen, dass eine Einmischung der USA in diese innere Angelegenheit die gesamte Region destabilisieren würde“, schrieb Ali Laridschani, Generalsekretär des iranischen Sicherheitsrats, auf der Plattform X. Ali Schamchani, ein ranghoher Berater der Staatsführung, warnte ebenfalls auf X mit drastischen Worten: Jede eingreifende Hand, die sich unter dem Vorwand der Sicherheit nähere, werde abgeschnitten.

Den sechsten Tag in Folge gehen im Iran wieder Menschen auf die Straße. Es ist die größte Protestwelle seit den landesweiten Aufständen unter dem Motto „Frau, Leben, Freiheit“ vor rund drei Jahren. Noch ist offen, wie sich die Proteste weiter entwickeln und wie viele Menschen sich den Demonstrationen in dem Land mit knapp 90 Millionen Einwohnern anschließen.

Mehrere Tote bei Ausschreitungen in den Provinzen

Ausgelöst wurden die aktuellen Proteste durch einen plötzlichen Einbruch der Devisenkurse am vergangenen Sonntag. Spontan zogen vor allem Händler in der Hauptstadt Teheran auf die Straße. Inzwischen erfassen die Demonstrationen auch andere Landesteile und Bevölkerungsschichten. Die Unzufriedenheit im Land wächst seit Jahren, befeuert durch fehlende Perspektiven, wirtschaftliche Not, Klimakrise und politische Repression.

Augenzeugen berichteten über ein massives Aufgebot von Sicherheitskräften, die in den Metropolen einrückten und an wichtigen Verkehrsknoten Stellung bezogen. Währenddessen ging der Staat vor allem in den Provinzen mit absoluter Härte gegen die Proteste vor. Vor allem in den ländlichen Regionen kam es seit Mittwochabend zu dramatischen Szenen und Straßenschlachten zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Mindestens sieben Menschen kamen bei den Konfrontationen ums Leben.

Aktuelle Proteste wie „Feuer unter der Asche“

Wie sich die Proteste weiterentwickeln, ist Beobachtern zufolge weitgehend unklar. „Unabhängig von ihrer politischen Ausrichtung ist es keiner der Oppositionsfraktionen bislang gelungen, schlagkräftige Organisationen oder dauerhafte Netzwerke aufzubauen, die die Proteste lenken könnten“, schreibt der Historiker Arash Azizi in einem Gastbeitrag für das US-Magazin „The Atlantic“. „Ohne eine solche Ausrichtung dürften die aktuellen Proteste an Schwung verlieren und im Sande verlaufen“.

Sollten sie jedoch anhalten, sei es deutlich wahrscheinlicher, „dass Akteure aus den Reihen des Regimes selbst die Initiative ergreifen“ und dem obersten Führer Ajatollah Ali Chamenei die Macht entreißen, schreibt Azizi.

Die aktuellen Unruhen seien „wie Feuer unter der Asche“, sagt ein iranischer Professor, der anonym bleiben möchte. „Es war nur eine Frage der Zeit, bis sie ausbrechen.“ Seiner Ansicht nach handelt es sich längst nicht mehr um reine Wirtschaftsproteste. Es gehe um eine grundlegende Kritik an der Politik der Staatsführung und deren außenpolitischen Entscheidungen. „Daher ist es nur natürlich, dass die Proteste schnell politisch werden.“

Zukunftssorgen und Hoffnungslosigkeit in der Hauptstadt

In der wuseligen Hauptstadt Teheran, dem politischen und wirtschaftlichen Zentrum des Landes, sorgen sich viele Bewohner seit Jahren um ihre Zukunft. „Ich selbst habe die Proteste aus nächster Nähe gesehen. Viele waren Menschen aus der Generation Z – junge Leute, die weder Hoffnung noch Motivation haben“, sagt Mortesa (37), ein Fitnesstrainer. „Das Land hat eigentlich genügend Einnahmen, aber sie kommen nicht bei den Menschen an.“

Auch Mila (36), Lehrerin, spürt die Hoffnungslosigkeit. „Wie bei meinen Freunden und Kollegen ist meine Lage schlecht. Der Alltag ist schwer zu ertragen, Freizeit und Reisen sind kaum möglich“, sagt sie. „Das Recht auf Protest muss den Menschen bleiben“, fordert sie.

Selbst eigentlich wohlhabende Händler klagen inzwischen. Mohammad-Dschawad (43), der im großen Basar von Teheran einen Schmuckladen betreibt, hat sein Geschäft am vergangenen Sonntag geschlossen. „Wir wissen einfach nicht mehr, welche Preise wir festlegen sollen.“ Bei den Schwankungen am Devisenmarkt müsse er stündlich Korrekturen vornehmen. „Wie sollen wir das den Kunden erklären? So kann es nicht weitergehen. So einfach ist das.“

Auch Kriegssorgen beeinflussen Währungskurs

Auch die Sorgen vor einem neuen Krieg haben Unruhen am Devisenmarkt ausgelöst. Anfang der Woche sagte Trump, er unterstütze israelische Angriffe auf den Iran, sollte das Land sein Atomprogramm wieder instand setzen und weiter ballistische Raketen bauen. Irans Präsident Massud Peseschkian entgegnete auf X, jede Antwort der Islamischen Republik auf einen ungerechten Angriff werde hart sein und Reue erzeugen.

Israel hatte im Juni zwölf Tage lang Krieg gegen den Iran geführt und gemeinsam mit den USA zentrale Atomanlagen bombardiert. Der Grundkonflikt der Erzfeinde besteht trotz einer Waffenruhe fort – eine diplomatische Lösung ist nicht in Sicht. Die USA und auch Israel gelten seit der Islamischen Revolution von 1979 als Erzfeinde der iranischen Staatsführung. Diplomatische Beziehungen unterhalten die Länder nicht.

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