Deutschland

Folgen der Lockdowns: Lebenszufriedenheit von Abiturienten gesunken wie im Krieg

Eine Analyse wirft ein Schlaglicht auf die Verwerfungen, welche die Staaten mit den verfügten Schließungen unter jungen Menschen angerichtet haben.
23.09.2021 11:13
Aktualisiert: 23.09.2021 11:13
Lesezeit: 1 min
Folgen der Lockdowns: Lebenszufriedenheit von Abiturienten gesunken wie im Krieg
April 2021: Rund siebzig Medizinstudenten der Friedrich-Schiller-Universität Jena sitzen in der Weimarhalle an ihren Plätzen und warten auf den Beginn der Staatsprüfung. Unter Corona-Bedingungen führt das Thüringer Landesverwaltungsamt hier an drei Tagen Prüfungen für das Zweite Staatsexamen durch. (Foto: dpa) Foto: Martin Schutt

Die Lebenszufriedenheit des Abitur-Jahrgangs 2020 ist einer Studie zufolge wegen der Corona-Pandemie massiv gesunken. Dies geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten Analyse des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor. "Dieser Einbruch ist untypisch für junge Menschen in diesem Lebensabschnitt. Er entspricht zum Beispiel dem drastischen Rückgang der Lebenszufriedenheit in Kriegsgebieten", erläuterte IAB-Forscher Malte Sandner. Gemessen an einer Skala von 0 für sehr unzufrieden bis 10 für sehr zufrieden sei die allgemeine Lebenszufriedenheit des ersten Corona-Abiturjahrgangs Ende 2020 zum Vorjahr von 7,3 auf 6,8 gesunken. Dagegen sei die durchschnittliche Lebenszufriedenheit der Gesamtbevölkerung wesentlich weniger stark zurückgegangen.

Am wenigsten zufrieden mit ihrer allgemeinen Situation seien Abiturientinnen und Abiturienten, die Ende 2020 noch keinen Bildungsweg eingeschlagen haben und sich in einem Überbrückungsjahr befinden. Für die Zufriedenheit von denen, die bereits einen Weg gewählt haben, spielt der eingeschränkte Präsenzunterricht eine große Rolle: Unzufrieden sind vor allem die, für die Lehrveranstaltungen oder Berufsschulunterricht ganz entfallen sind. Abiturientinnen und Abiturienten mit Digitalunterricht hingegen sind etwas zufriedener. "Bei künftigen Abwägungen zu Infektionsschutzmaßnahmen müssen die starken negativen Auswirkungen der Schul- und Hochschulschließungen Berücksichtigung finden", forderte IAB-Forscherin Sarah Bernhard.

Fast jeder oder jede Sechste gibt an, dass die Corona-Pandemie die Entscheidung des ersten Bildungswegs nach dem Abitur stark beeinflusst hat. So haben sich rund 47 Prozent der befragten jungen Erwachsenen für ein Studium unmittelbar nach dem Abitur entschieden. "Von ihnen studieren mit 95 Prozent fast alle zu Hause und kennen ihre Hochschule hauptsächlich über digitale Audio- oder Video-Veranstaltungen." Für ein duales Studium haben sich sechs Prozent und für eine Lehre neun Prozent entschieden. Auszubildende sind von den Corona-Einschränkungen nicht so stark betroffen wie Studierende. 38 Prozent befinden sich in einem Überbrückungsjahr.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Rauchmelder oder Hitzewarnmelder? Welche Lösung eignet sich für die Küche?

Die Küche gehört zu den Bereichen eines Hauses, in denen im Alltag besonders viele Wärmequellen zusammenkommen. Herd, Backofen, Toaster,...

DWN
Panorama
Panorama Dürre in Europa: Bauern fürchten um ihre Ernten – drohen höhere Lebensmittelpreise?
08.08.2026

Hitze, Trockenheit und ausbleibender Regen setzen Europas Landwirtschaft zunehmend unter Druck. Während Bauern mit schwächeren Ernten und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Energieriese warnt vor Wasserstoff-Kollaps
08.08.2026

Milliardenhilfen aus der EU und Deutschland sollen Dänemarks Wasserstoffindustrie anschieben. Doch fehlende Klarheit über Stromnetz und...

DWN
Politik
Politik Mobilisierung in Russland könnte Putins größtes innenpolitisches Risiko werden
08.08.2026

Russland gehen die Freiwilligen für den Ukrainekrieg aus, doch eine neue Mobilisierung könnte für den Kreml selbst zur Gefahr werden....

DWN
Immobilien
Immobilien Wohnungsmarkt: Immer mehr Vermieter geben Geschäft auf – Investitionen unter Druck
08.08.2026

Wohnungsmangel, steigende Kosten und wachsende Unsicherheit setzen den Wohnungsmarkt unter Druck. Immer mehr Privatvermieter und...

DWN
Finanzen
Finanzen Der Tod, das Erbe und das Geld: Fragen, die Sie sich bisher nicht zu stellen getraut haben
08.08.2026

Wie sollte man eigentlich über Erbschaft und Testament nachdenken? Und warum fällt es so schwer, über Geld und den Tod zu sprechen,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Volvo ES90 im Test: Ein guter Grund, den Deutschen Lebewohl zu sagen?
08.08.2026

Der Volvo ES90 ist kein Elektroauto für Käufer, die möglichst günstig in die Premiumklasse einsteigen wollen. Doch wer Komfort,...

DWN
Politik
Politik 65 Jahre Mauerbau: Warum die deutsche Teilung bis heute nachwirkt
08.08.2026

Die Berliner Mauer ist Geschichte, ihre Spuren sind es nicht. Jahrzehnte nach ihrem Fall zeigen sich zwischen Ost und West weiterhin...

DWN
Politik
Politik Europa ist führend bei kommerziellen Klimakonzepten: Warum gelingt es nicht, diese umzusetzen?
08.08.2026

Europa hat Spitzenforscher, starke Unternehmen und viele der Technologien, die die Industrie klimafreundlicher machen könnten. Doch...