Finanzen

Yellen warnt erneut vor Zahlungsausfall der USA - „katastrophale Folgen“

US-Finanzministerin Janet Yellen hat erneut eine rasche Anhebung der Schuldenobergrenze gefordert. Diese wird auch kommen - das grundsätzliche Problem wird dadurch nicht gelöst.
05.10.2021 16:00
Lesezeit: 2 min

Ein Zahlungsausfall der US-Regierung würde nach Ansicht von Finanzministerin Janet Yellen zu einer „Rezession“ führen. Falls der Kongress die Schuldenobergrenze nicht rechtzeitig anheben oder aussetzen sollte, drohten „katastrophale“ Folgen, warnte Yellen am Dienstag im TV-Sender CNBC. „Ich erwarte absolut, dass dies auch eine Rezession verursachen würde“, sagte die Ministerin. Das Verhalten im Kongress gefährde die Erholung der US-Wirtschaft von der Corona-Krise und sei „unverantwortlich“, sagte Yellen.

Das Finanzministerium hat gewarnt, den USA könnte ab dem 18. Oktober das Geld ausgehen. Ein Zahlungsausfall würde das Vertrauen in die Kreditwürdigkeit der weltgrößten Volkswirtschaft beschädigen, was eine Finanzkrise und wirtschaftliche Verwerfungen auslösen könnte.

Die beiden Parteien im Kongress weisen sich im Streit um die Anhebung der Obergrenze gegenseitig die Schuld zu. Präsident Joe Biden, ein Demokrat, warf den Republikanern erst am Montag vor, die Erhöhung aus politischen Gründen zu blockieren und damit „russisches Roulette“ mit der US-Wirtschaft zu spielen. Ein Zahlungsausfall würde den Status des US-Dollars als Reservewährung gefährden und zu höheren Zinsen für Verbraucher in den USA führen, warnte er.

Die zuletzt gültige Schuldengrenze war im Juli ausgelaufen. Seither greift das Finanzministerium zu „außerordentlichen Maßnahmen“, um einen Zahlungsausfall zu verhindern. Bislang haben sich Republikaner und Demokraten noch immer auf eine Erhöhung der Grenze verständigt - wenn auch oft nach viel Zittern und mehreren Verhandlungsrunden.

Corona als Brandbeschleuniger: Schuldenstände steigen weltweit an

Das grundsätzliche Problem des rapiden Schuldenanstiegs wird durch eine Anhebung der Schuldenobergrenze jedoch nicht gelöst - im Gegenteil: die Verbindlichkeiten von Staaten, Unternehmen und Bürgern sind zuletzt weltweit aus dem Ruder gelaufen.

Die explizite Staatsverschuldung der Vereinigten Staaten ist in den vergangenen Jahren extrem schnell gestiegen und hatte infolge der Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie noch einmal kräftigen Rückenwind erhalten. Wie aus Daten des Portals US Debt Clock hervorgeht, belaufen sich die Verbindlichkeiten derzeit auf rund 28,84 Billionen US-Dollar. Das sind rund 87.000 Dollar Schulden je US-Bürger und 229.000 Dollar je Steuerzahler.

Die gesamten impliziten Staatsschulden der USA (hierzu werden auch finanzielle Verpflichtungen in der Zukunft wie etwa Rentenansprüche gezählt) belaufen sich dem Portal zufolge auf etwa 85 Billionen Dollar.

Besonders zwei Merkmale prägen die Entwicklung der Verschuldung in den USA: die zunehmende Beschleunigung sowie das zunehmende Gewicht der Schulden verglichen mit der Wirtschaftsleistung.

Der langfristige Blick offenbart den immer steileren Anstieg der Verbindlichkeiten:

Die Schuldenlast übertrumpft inzwischen die jährliche Wirtschaftsleistung:

Die Verschuldungslage der USA stellt mit Blick auf die ganze Welt jedoch keine Ausnahme, sondern die Regel dar. Egal ob es sich um China, die europäischen Industriestaaten oder Entwicklungsländer in Asien, Afrika oder Amerika handelt - praktisch überall steigen die Verbindlichkeiten.

Auch in Deutschland waren die Verbindlichkeiten des Staates nicht zuletzt aufgrund der Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung stark angestiegen. Die jahrelang verfolgte Politik eines Verbots der Netto-Neuverschuldung („Schuldenbremse“ bzw. „Schwarze Null“) wurde über Bord geworfen, die Staatsverschuldung stieg nach mehreren Jahren mit Netto-Rückgängen wieder kräftig an.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: AfD klar vor CDU – AfD strebt nach Wahl-Triumph an die Macht
06.09.2026

Ein Rekordergebnis, eine historische Niederlage und kaum realistische Koalitionsoptionen: Die Landtagswahl stellt Sachsen-Anhalt vor...

DWN
Politik
Politik Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Ob AfD-Beben oder Zerreißprobe – Bundeskanzler Merz steckt in der Bredouille
06.09.2026

Die Wahl in Sachsen-Anhalt könnte zum Wendepunkt für die CDU und ihren Vorsitzenden werden. Zwischen einem historischen AfD-Erfolg und...

DWN
Finanzen
Finanzen Kurzlaufende Staatsanleihen sind nach dem Zinsanstieg für Sparer attraktiver
06.09.2026

Kurzlaufende Staatsanleihen mit einer Rendite von nahe drei Prozent sind ein Grund, das Wissen aufzufrischen: Wie können Anleger...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Von Titan bis Neodym: So abhängig ist Europas Rüstungsindustrie von Russland und China
06.09.2026

Flugzeugstrukturen, Triebwerke und Raketenkörper brauchen hochreinen Titanschwamm, und die Hälfte davon stammt aus China und Russland....

DWN
Finanzen
Finanzen Die serbische Börse ist die rentabelste der Welt? Das muss ein Fehler sein
06.09.2026

Der serbische Aktienindex Belex15 soll laut Bloomberg seit Jahresbeginn mehr als 515.000 Prozent Gesamtrendite erzielt haben. Doch ein...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Warum Projekte scheitern – und wie Sie den Kollaps verhindern
06.09.2026

Stuttgart 21 als Warnung für den Mittelstand: Atreus-Experte Thomas Gläßer erklärt, warum Projekte scheitern, welche Ursachen...

DWN
Politik
Politik Dexit: Was von Europa ohne Deutschland bliebe
06.09.2026

Ein Dexit galt lange als politisches Randthema. Doch wenn die AfD weiter zulegt, wird der Austritt Deutschlands aus EU, Euro und Schengen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Ratan Tata im Porträt: Das Auto war zu billig, um ein Erfolg zu werden
06.09.2026

Ratan Tata wollte indischen Familien ein sicheres und bezahlbares Auto geben. Der Tata Nano wurde als billigstes Auto der Welt gefeiert,...