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Polnischer LKW-Chef: "Wir Polen werden einen Polexit nie erlauben"

Die Auseinandersetzungen um den Polexit haben sich wieder verschärft. Der Chef der polnischen LKW-Vereinigung ZMPD, Jan Buczek, erläutert im Interview mit den DWN, welche Folgen der Austritt Polens aus der EU hätte. Die polnischen Trucker stellen mit 140.000 Unternehmen eine der größten Flotten des Kontinents, die ganz Europa versorgt.
09.10.2021 13:32
Aktualisiert: 09.10.2021 13:32
Lesezeit: 3 min
Polnischer LKW-Chef: "Wir Polen werden einen Polexit nie erlauben"
Der Chef der polnischen LKW-Vereinigung ZMPD, Jan Buczek. (Foto: Organisation)

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Wie groß ist das Geschäft der polnischen Firmen mit der EU und besonders mit Deutschland? Könnten Sie einen kurzen Überblick geben?

Jan Buczek: Unsere Transportunternehmen fahren ihre Ladungen in viele Staaten der Europäischen Union - unter anderem auch nach Deutschland. Dies ist für uns tatsächlich ein sehr wichtiger Partner. Polen liegt in den Statistiken auf dem vierten Rang, wenn es darum geht, unterschiedliche Arten von Industriegütern zu unserem westlichen Nachbarn zu liefern. Und zwar besonders bei den Industriekomponenten. Unsere Branche garantiert dafür die Lieferung. Es ist für uns schwer zu schätzen, wie viele Fahrzeuge alleine nach Deutschland fahren, weil wir keine genauen Statistiken haben. Doch wird mit Sicherheit eine riesige Zahl an Ladungen, die für deutsche Abnehmer bestimmt ist, von LKW mit polnischem Kennzeichen gefahren.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Polen ist eine der größten Produzenten von Lebensmitteln in der EU. Liefern die polnischen Transportunternehmen auch wichtige Waren in unsere Supermärkte?

Jan Buczek: Wir fahren täglich Lieferungen in viele Länder der Europäischen Union. Wie wichtig unsere Dienstleistungen sind, wird gerade am Beispiel von Großbritannien ersichtlich, das nach dem Brexit ein riesiges Problem hat. Die Briten haben nach dem Referendum nicht beachtetet, wie sehr sie vom Transport abhängig sind, der ihnen Waren des täglichen Gebrauchs liefert. Jetzt hat sich gezeigt, dass es niemanden mehr gibt, der die LKW fährt, weil die ausländischen Fahrer nicht mehr da sind. Im Endergebnis hat alles gefehlt: von den Lebensmitteln bis zum Benzin. Die britische Wirtschaft bricht zusammen, weil der Transport fehlt.

Deutsche Wirtschaftnachrichten: Das bedeutet, dass der Polexit für die EU sehr negative Wirkungen haben würde. Wie bewerten Sie dies?

Jan Buczek: Wir Polen haben nie gesagt, dass wir die Europäische Union verlassen wollen. Wir wissen, dass wir in der EU gebraucht werden - und zwar genauso, wie die Union unseren Staat braucht. Dazu gehört auch der Bereich der Sicherheit - unter anderem, um Belarus die Stirn zu bieten. Das ist natürlich Politik, in die ich mich nicht einmischen will. Ich sage nur, dass die Stärke im gemeinsamen Handeln liegt. Ich bin überzeugt, dass die Polen es nicht erlauben werden, dass unser Land aus der EU austritt, durch die wir auf einem völlig anderen Niveau funktionieren können, als wenn wir nicht in diesen Strukturen wären.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Großbritannien, das die EU verlassen hat, kann man nur schwer mit Polen vergleichen. Beide Länder haben eine völlig andere Geschichte. Für die Briten war die EU von Anfang an nur ein unpopuläres Konstrukt, das sie sehr skeptisch beäugt haben. Wie bewerten die Polen historisch gesehen die EU?

Jan Buczek: Während des Kommunismus haben die Polen gegen die Ordnung, die man ihnen auferlegt hat, Widerstand geleistet. Die Freiheit ist das höchste Gut, das wir uns nicht nehmen lassen. Wir wollen Weltbürger sein, und wir wollen an allen wichtigen Veränderungen teilhaben, die es in der zivilisierten Welt gibt.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Das heißt, die ganze Diskussion um den Polexit wird nur von einigen Politiker geführt, richtig?

Jan Buczek: Natürlich. Übrigens nehmen die Politiker ihre früheren Aussagen oft wieder zurück. Sie sehen, dass die Art der Diskussion uns und unserem Land mehr Schaden als Nutzen bringt.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Die Diskussion um den Polexit führt dazu, dass die Informationen und die Nachrichten über Polen in unserer Presse immer sehr negativ sind. Wir sollten wir darauf reagieren?

Jan Buczek: Bundeskanzlerin Angela Merkel war in den Fragen, die die Länder in Osteuropa betroffen haben, immer sehr verständnisvoll. Das schlechteste Szenario für Polen wäre, wenn der Nachfolger von Angela Merkel den Dialog mit unserem Land beenden würde. Das würde für uns katastrophale Folgen haben. Unabhängig davon, wer in Deutschland regiert, wollen wir ein geschätzter Partner in der Europäischen Union sein.

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Herr Buczek, herzlichen Dank für das Gespräch.

Zur Person:

Jan Buczek agiert als Präsident der polnischen LKW-Vereinigung ZMPD, die seit 1958 ein anerkanntes Mitglied der internationalen Branchenvertretung IRU ist. Seit 2014 sitzt er als Vertreter Polens im Präsidium der IRU.

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