Unternehmen

Wohnungsriese Vonovia nimmt nächsten Konkurrenten ins Visier

Einer der größten Wohnungskonzerne Deutschlands, die Vonovia AG, macht weiter von sich reden. Jetzt will das Unternehmen wieder einen Mitbewerber schlucken.
08.10.2021 16:00
Aktualisiert: 08.10.2021 16:25
Lesezeit: 2 min
Wohnungsriese Vonovia nimmt nächsten Konkurrenten ins Visier
Am deutschen Wohnungsmarkt ist wieder extrem viel Bewegung. (Foto: dpa) Foto: Julian Stratenschulte

Im Ringen um die Zukunft des Immobilieninvestors Adler bringt sich Deutschlands größter Wohnungsvermieter Vonovia ins Spiel. Vonovia hat sich eine Kaufoption für 13,3 Prozent der Anteile an der Adler Group gesichert, der rund 70.000 Wohnungen in Berlin und Norddeutschland gehören. "Wir können nun in den nächsten eineinhalb Jahren das Immobilien-Portfolio sorgfältig prüfen und ohne Zeitdruck entscheiden, ob sich ein Engagement lohnt", sagte eine Vonovia-Sprecherin am Freitag in Bochum. Adler-Group-Großaktionär Aggregate Holdings bestätigte, dass Vonovia das Recht habe, ihm in den nächsten 18 Monaten die Hälfte seiner Beteiligung abzukaufen. Im Gegenzug bekommt der Investor von Vonovia einen dreistelligen Millionenkredit "zu üblichen Konditionen".

Das elektrisierte die Börse: Die zuletzt gebeutelten Adler-Aktien schossen im Kleinwerteindex SDax um bis zu 12,6 Prozent auf 13 Euro nach oben. Vonovia könnte seine Option zu einem Preis von 14 Euro ausüben - insgesamt 220 Millionen Euro. Adler-Co-Chef Maximilian Rienecker hatte am Montag erklärt, man könne sich vorstellen, einen Großteil der Wohnungen zu verkaufen, um den milliardenschweren Schuldenberg zu senken. Investoren hätten bereits Interesse angemeldet. Ob Vonovia darunter war oder erst jetzt die Gelegenheit genutzt hat, einen Fuß in die Tür zu bekommen, blieb zunächst unklar.

"KEIN INTERESSE AN UNSTABILER ADLER"

Vonovia macht sich den Druck zunutze, unter dem Adler und deren Großaktionär stehen. Man habe "ein Angebot im Markt genutzt", erklärte die Sprecherin. Dem Dax-Konzern, der sich gerade erst den größten Rivalen Deutsche Wohnen einverleibt hat, gehe es auch darum, den Immobilienmarkt zu stützen: "Niemand hat ein Interesse an einer unstabilen Adler."

Die Adler-Group-Aktie war am Mittwoch auf Talfahrt gegangen, nachdem sich der britische Investor Fraser Perring mit einer kritischen Studie auf das Unternehmen eingeschossen hatte. Er wirft Adler unter anderem vor, die Bilanz künstlich aufzublähen. Fraser Perring wettet als Leerverkäufer auf fallende Kurse. Seit dem Jahresbeginn hat das Papier bis zu zwei Drittel seines Wertes verloren. An der Börse ist die Adler Group noch knapp 1,4 Milliarden Euro wert, bei einem Immobilienbestand von 12,6 Milliarden.

Das Immobilienunternehmen wies Perrings Vorwürfe am Freitag erneut als "irreführend und nicht korrekt" zurück. Das gesamte Portfolio sei von unabhängigen Immobilienexperten wie CBRE und NAI Apollo bewertet worden, ebenso wie Übernahmen und Verkäufe. "Dessen ungeachtet haben das Senior Management und der Verwaltungsrat von Adler beschlossen, externe unabhängige Berater und Wirtschaftsprüfer zu beauftragen, um eine umfassende Überprüfung der Vorwürfe, insbesondere der Dritttransaktionen, durchzuführen", kündigte das Unternehmen an.

Aggregate erklärte, man habe dank des Kredits von Vonovia ein Bankdarlehen (Margin Loan) abgelöst, das mit den Adler-Aktien besichert war. "Mit dieser Vereinbarung hat Aggregate den Rückhalt der größten Wohnungsgesellschaft in Europa, um die Entwicklung von Adler fortzusetzen", sagte Aggregate-Finanzchef Benjamin Lee. Sie sei ein Zeichen für die Stärke von Adler. Hinter Aggregate steht der österreichische Investor Günther Walcher.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

 

DWN
Finanzen
Finanzen Marktbericht: Anthropic-Börsenantrag beflügelt KI-Werte vor anstehenden Tech-Zahlen
26.10.2026

Erfahren Sie, wie eine überraschende Ankündigung die Märkte wieder belebt und welche wegweisenden Ereignisse Anlegern jetzt bevorstehen.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Start-ups sammeln 4,5 Milliarden Euro ein – doch das Geld konzentriert sich auf wenige
26.10.2026

Deutsche Start-ups haben im dritten Quartal 2026 so viel Wagniskapital erhalten wie seit Ende 2021 nicht mehr. Doch sechs...

DWN
Politik
Politik Russland soll US-Gasprojekt heimlich geführt und finanziert haben
26.10.2026

Der ehemalige Geschäftsführer eines riesigen amerikanischen Gasexportprojekts im Wert von 25 Milliarden Dollar hat dem russischen...

DWN
Politik
Politik Streit um Starlink: Elon Musk erhebt Vorwürfe gegen die Ukraine
26.10.2026

Elon Musk wirft der Ukraine vor, Starlink für unerlaubte Drohnenangriffe eingesetzt zu haben. Ein entsprechendes Schlupfloch sei...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Lkw-Maut bereits fast ein Fünftel höher: Wo es teurer wird und was 2027 kommt
26.10.2026

Lkw-Maut wird in Europa immer teurer und komplizierter. Neben gefahrenen Kilometern entscheiden zunehmend CO₂-Ausstoß, Fahrzeugklasse...

DWN
Finanzen
Finanzen 10 Europa-Aktien, denen Analysten besonders großes Wachstum zutrauen
26.10.2026

Ich habe mir erneut die Empfehlungen der Analysten angesehen, um Aktien mit dem größten Aufwärtspotenzial zu finden. Diesmal habe ich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Opel Frontera Electric im Test: Viel Komfort, aber kaum Ausdauer
26.10.2026

Viel Platz, hoher Komfort und ein vergleichsweise günstiger Preis: Der Opel Frontera Electric könnte das perfekte Elektro-SUV für...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ifo-Geschäftsklima steigt: Deutsche Wirtschaft trotzt hohen Energiepreisen
26.10.2026

Deutschlands Unternehmen blicken zuversichtlicher nach vorn: Das Ifo-Geschäftsklima steigt erneut und übertrifft die Erwartungen der...