Deutschland

Studie sieht "Zeitenwende": Deutsche haben extreme Zukunftsangst

Schwere Krisen haben das Vertrauen der Deutschen in die Zukunft fundamental erschüttert. Zwei Drittel blicken einer Studie zufolge ängstlich in die Zukunft.
14.10.2021 10:01
Lesezeit: 1 min

Zwei Drittel der Deutschen blicken einer Studie zufolge ängstlich in die Zukunft. Mangelndes Vertrauen in Staat und Institutionen sowie die Angst vor gesellschaftlicher Spaltung forcieren demnach einen Rückzug ins Private. Gleichzeitig wachse bei einem Teil der Bevölkerung aber auch die Bereitschaft, allein oder mit Gleichgesinnten für eine lebenswerte Zukunft tätig zu werden. Das sind Erkenntnisse einer repräsentativen und tiefenpsychologischen Untersuchung des Kölner Rheingold-Instituts in Zusammenarbeit mit der Stiftung für Philosophie Identity Foundation in Düsseldorf.

Schwere Krisen hätten das Vertrauen in die Zukunft fundamental erschüttert, sagte Rheingold-Gründer Stephan Grünewald. Die größte Zukunftsangst betrifft demnach den Klimawandel mit seiner fortschreitenden Polarisierung und dem Auseinanderdriften der Gesellschaft. Das während der Corona- und Klimakrise erlebte Regierungshandeln sei als unzulänglich erlebt worden.

61 Prozent stimmen der Studie zufolge dem Satz zu "Deutschland steht vor einem Niedergang", 88 Prozent der These "Durch Krisen wie Corona und den Klimawandel stehen uns drastische Veränderungen bevor". Viele Bürger befänden sich in einem Machbarkeitsdilemma: Einerseits würden sie die großen Zukunftsprobleme durchaus erkennen, könnten sich aber andererseits nicht vorstellen, wie sich diese bewältigen ließen. Die Folge: Rückzug ins Schneckenhaus, ins Private.

Dabei könne man zwischen unterschiedlichen Zukunftstypen unterscheiden. Das Spektrum reiche von den Eingekapselten, die Zukunftsfragen am liebsten ausblendeten oder die Vergangenheit verklärten, über die "Tribalisten", deren Aktionsradius in der Nachbarschaft oder im Verein ende, bis hin zu den Missionierenden, die sich zum Beispiel dem Veganismus verschrieben.

Im Kleinen zeige sich aber auch eine hoffnungsstiftende Graswurzel-Mentalität: Viele entwickelten das Gefühl, selbst etwas Sinnvolles zu einer besseren Welt beitragen zu können. Nachbarschaftliche Initiativen, veränderte Ernährungs- und Konsumgewohnheiten, soziale und ökologische Netzwerke oder post-kapitalistische Geschäftsmodelle fänden immer mehr Aufmerksamkeit. Dass diese vielen kleinen Pflänzchen zu einer breiten gesellschaftlichen Strömung zusammenwachsen könnten, sei zurzeit die große Hoffnung eines ansonsten ernüchternden Bildes.

"Wir erleben eine Zeitenwende", sagte Grünewald. Dabei sei noch offen, ob sich letztlich die Tendenzen zu Rückzug und weiterer Parzellierung durchsetzen würden oder die Kräfte des gesellschaftlichen Zusammenwachsens und der Überwindung von Trennlinien.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Dow schließt deutlich höher, während sich die Wall Street erholttitle
15.10.2026

Erfahren Sie, welche überraschenden Faktoren und Einzelwerte die jüngste Erholung an den US-Börsen angetrieben haben.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Gewerbesteuer auf Rekordhoch: Warum Kommunen trotzdem Milliarden fehlen
15.10.2026

Deutschlands Gemeinden haben 2025 so viel Gewerbesteuer eingenommen wie nie zuvor. Allerdings stiegen die Einnahmen nur geringfügig, die...

DWN
Finanzen
Finanzen Bank-Aktien: US-Banken überraschen mit Zahlen, Dimon warnt vor wachsenden Risiken
15.10.2026

Während Goldman Sachs und Citigroup mit ihren jüngsten Quartalszahlen die Gewinnerwartungen der Analysten übertroffen haben, blieb...

DWN
Technologie
Technologie Solar-Aufschlag ab 2029: Drohen Mehrkosten für Photovoltaik-Besitzer – was hinter dem Prosumer-Aufschlag steckt
15.10.2026

Solaranlagen auf dem Dach könnten ab 2029 einen höheren Grundpreis für die Stromnetznutzung auslösen. Elf Verbände fordern, den...

DWN
Politik
Politik Berlin-Sondierungen gehen weiter: Linke, SPD und Grüne einigen sich auf zentrale Grundsätze
15.10.2026

Nach tagelangem Streit setzen Linke, SPD und Grüne in Berlin ihre Gespräche über eine mögliche Regierungsbildung fort. Beim Umgang mit...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis-Prognose: Einer der größten Käufer beginnt zu verkaufen
15.10.2026

Jahrelang kauften Zentralbanken Gold in außergewöhnlichem Umfang. Nun schlägt mit Kasachstan einer der größten Käufer einen anderen...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie überspringt die 1.000-Euro-Marke: Ist das die Trendwende?
15.10.2026

Nach deutlichen Kursgewinnen am Mittwoch setzt die Rheinmetall-Aktie ihre Erholung am Donnerstag fort. Eine frühe Xetra-Notierung liegt...

DWN
Finanzen
Finanzen Kospi-Crash: Warum Südkoreas Chipaktien die Börsen erschüttern – was jetzt wichtig ist
15.10.2026

Der südkoreanische Leitindex Kospi rutschte am Donnerstag zeitweise rund acht Prozent ab. Besonders stark traf es die Samsung...