Deutschland

Zum Tanken ins Ausland: Spritpreis treibt Autofahrer über die Grenze

Die Fahrt zur Tankstelle wird immer teurer. Da kann das Tanken in Grenzregionen deutlich günstiger sein.
19.10.2021 14:57
Lesezeit: 2 min
Zum Tanken ins Ausland: Spritpreis treibt Autofahrer über die Grenze
Im benachbarten Luxemburg sind die Benzinpreise deutlich günstiger als in Deutschland. (Foto: dpa) Foto: Harald Tittel

Die hohen Spritpreise lassen immer mehr Menschen zum Tanken über die Grenze fahren. Der Tanktourismus nehme in letzter Zeit wieder deutlich zu, hieß es am Dienstag vom Zentralverband des Tankstellengewerbes (ZTG). Und immer mehr Kunden nähmen auch längere Fahrten auf sich.

Beim Verband spricht man dabei von einem «Benzinpreis-Paradoxon», denn eigentlich bleiben die Unterschiede an den Grenzen auch bei höheren Spritpreisen relativ ähnlich. Der steigende Ölpreis, der das Tanken derzeit verteuert, macht sich ja auf beiden Seiten der Grenzen bemerkbar, die Unterschiede gehen in der Regel vor allem auf Steuern und Abgaben zurück.

Dass dennoch mehr Menschen die längeren Fahrten auf sich nähmen, liege daran, dass die Preisempfindlichkeit der Verbraucher zunehme, heißt es vom ZTG. Das sei auch im Inland zwischen günstigen und teuren Tankstellen zu beobachten.

Doch nicht immer lohnt der Tanktourismus - auch weil die Fahrt über die Grenze durch die hohen Spritpreise ja teurer werde. Zudem müsse man auch andere Kosten wie die Abnutzung bedenken, die die Ersparnis an der Zapfsäule schnell auffressen. «Wenn sich viele Leute darüber beschweren, dass sie mit den 30 Cent Kilometerpauschale ihres Arbeitgebers nicht auskommen, dann dürfen sie nicht gleichzeitig zum Tanken ins Ausland fahren», heißt es vom ZTG. «Denn dann rechnet sich das nie.»

Nicht an allen deutschen Grenzen gibt es deutliche Preisunterschiede. Zudem können diese je nach Region, Tankstelle und Uhrzeit schwanken. Klar billiger ist Kraftstoff nach Daten der Verkehrsclubs ADAC und AvD aber unter anderem in Polen, Tschechien, Österreich und Luxemburg.

In Bayern beobachtet Florian Hördegen vom ADAC Südbayern eine Zunahme des Tanktourismus nach Österreich und Tschechien. Seit vergangener Woche habe das Thema wieder an Schwung gewonnen. Jenseits der Grenze sehe man teils Schlangen an den Tankstellen, sagt er. Die österreichische Mineralölwirtschaft kann allerdings keinen weiteren Anstieg des Tanktourismus bestätigen. Der ist allerdings seit langem Thema in Österreich - etwa ein Viertel des dort getankten Sprits wird im Ausland verfahren - allerdings nicht nur in Deutschland.

Aus Sachsen hält sich der Tanktourismus nach Tschechien bisher in Grenzen. Zwar gab es mehr Andrang an grenznahen Tankstellen, aber keine Warteschlangen.

An der Grenze zu Polen nimmt der Tanktourismus zu. «Je größer die Preisunterschiede für Sprit, desto mehr leiden die Kollegen in Deutschland», sagt Hans-Joachim Rühlemann, Vorsitzender des Verbandes des Garagen- und Tankstellengewerbes Nord-Ost. An seiner Tankstelle sei der Umsatz seit Monatsbeginn um 17 Prozent gesunken. Zu den Autofahrern, die schon immer nach Polen zum Tanken fuhren, seien nun weitere gekommen.

In der Schweiz war das Tanken früher billiger, aber das hat sich geändert, so dass sich die Fahrt dorthin nicht mehr lohnt. Auch an der französischen Grenze gibt es kaum noch Tanktourismus - die Preisunterschiede sind hier eher gering.

Deutlich teurer als in Deutschland ist der Sprit dagegen in den Niederlanden. Der ZTG beobachtet keinen zunehmenden Tanktourismus von dort, doch viele Niederländer machen gerne einen Umweg, um in Deutschland zu tanken. Zu den Tankstellen direkt an der Grenze etwa im niedersächsischen Laar kommen viele Niederländer aus dem benachbarten Coevorden. In manchen Orten stehen die Autos mit den gelben Nummernschildern sogar Schlange. «Die Benzinkosten sind in den Niederlanden viel zu hoch», sagte ein Mann in Gronau dem TV-Sender RTVoost. «Wir müssen nämlich auch noch so viele Steuern extra bezahlen.»

In Dänemark tankt es sich ebenfalls teurer als in Deutschland, die Unterschiede sind aber geschrumpft. Hier lockt eher Einkaufstourismus, denn vieles ist in Deutschland billiger - und wenn man schon da ist, wird oft auch getankt, wenn auch eher als Mitnahmeeffekt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Rauchmelder oder Hitzewarnmelder? Welche Lösung eignet sich für die Küche?

Die Küche gehört zu den Bereichen eines Hauses, in denen im Alltag besonders viele Wärmequellen zusammenkommen. Herd, Backofen, Toaster,...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Mobilisierung in Russland könnte Putins größtes innenpolitisches Risiko werden
08.08.2026

Russland gehen die Freiwilligen für den Ukrainekrieg aus, doch eine neue Mobilisierung könnte für den Kreml selbst zur Gefahr werden....

DWN
Immobilien
Immobilien Wohnungsmarkt: Immer mehr Vermieter geben Geschäft auf – Investitionen unter Druck
08.08.2026

Wohnungsmangel, steigende Kosten und wachsende Unsicherheit setzen den Wohnungsmarkt unter Druck. Immer mehr Privatvermieter und...

DWN
Finanzen
Finanzen Der Tod, das Erbe und das Geld: Fragen, die Sie sich bisher nicht zu stellen getraut haben
08.08.2026

Wie sollte man eigentlich über Erbschaft und Testament nachdenken? Und warum fällt es so schwer, über Geld und den Tod zu sprechen,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Volvo ES90 im Test: Ein guter Grund, den Deutschen Lebewohl zu sagen?
08.08.2026

Der Volvo ES90 ist kein Elektroauto für Käufer, die möglichst günstig in die Premiumklasse einsteigen wollen. Doch wer Komfort,...

DWN
Politik
Politik 65 Jahre Mauerbau: Warum die deutsche Teilung bis heute nachwirkt
08.08.2026

Die Berliner Mauer ist Geschichte, ihre Spuren sind es nicht. Jahrzehnte nach ihrem Fall zeigen sich zwischen Ost und West weiterhin...

DWN
Politik
Politik Europa ist führend bei kommerziellen Klimakonzepten: Warum gelingt es nicht, diese umzusetzen?
08.08.2026

Europa hat Spitzenforscher, starke Unternehmen und viele der Technologien, die die Industrie klimafreundlicher machen könnten. Doch...

DWN
Technologie
Technologie KI-Unternehmen setzen auf Philosophen – ethische Fragen rücken in den Fokus
08.08.2026

Je leistungsfähiger Künstliche Intelligenz wird, desto drängender werden Fragen nach Verantwortung, Wahrheit und Moral. Ausgerechnet...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Warum schlechte Nachrichten gute Nachrichten für US-Anleger sein können
07.08.2026

Unerwartete Entwicklungen an der Wall Street: Warum enttäuschende Konjunkturdaten plötzlich für Jubel unter Investoren sorgen.