Finanzen

Ein Ende des Geld-Regens ist nicht in Sicht: Die Inflationierung der Börsen geht munter weiter

Wie lange spielen die Finanz-Orchester von Fed und EZB in ihrer jetzigen Form noch weiter? Das fragt DWN-Finanzexperte Andreas Kubin und liefert die Antwort gleich mit: Ein Ende ist nicht in Sicht.
26.10.2021 15:53
Aktualisiert: 26.10.2021 15:53
Lesezeit: 3 min
Ein Ende des Geld-Regens ist nicht in Sicht: Die Inflationierung der Börsen geht munter weiter
Händler im Ring der Londoner Metallbörse. (Foto: dpa) Foto: Yui Mok

USA - FED

Rückblickend sehen wir, beginnend mit der Finanzkrise 2007/ 2008, gewaltige Bilanzsummen-Anstiege der FED von damals 870 Milliarden Dollar auf vorerst 8,56 Billionen US-Dollar (entspricht 7,36 Billionen Euro /Stand: 19. Oktober 2021) - also fast eine Verzehnfachung.

EUROZONE - EZB

Die „konsolidierte Bilanz des Eurosystems" , also die Bilanz der Europäischen Zentralbank (EZB), beträgt mittlerweile (Stand 15. Oktober) 8,336 Billionen Euro.[1]

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Eurozone betrug im Jahr 2020 11,36 Billionen Euro. Nach den globalen Makromodellen von „Trading Economics“ und den Erwartungen der Analysten werden Ende 2021 11,8 Billionen Euro zu Buche stehen. Im Jahr 2022 soll das BIP der Eurozone den ökonometrischen Modellen zufolge 12,21 Billionen Euro betragen, im Jahr 2023 sollen es 12,73 Billionen sein (gemäß Abfrage vom 12. Oktober 2021).[2]

Zwischenrechnung: Die derzeitige EZB-Bilanzsumme beträgt 70,6 Prozent, also deutlich mehr als zwei Drittel, des BIP der Eurozone dieses Jahres!

Die Infos, die ich direkt von der EZB erhielt, ergeben folgendes Bild:

Ausgehend von den Daten der BIP-Gesamtsumme von 2020 (11,36 Billionen) sowie den vorliegende Eurozonen-BIP- Quartalsdaten aus Q1/2021 (2,937 Billionen) und Q2/2021 (3,007 Billionen) [Quelle Eurostat] ergäbe das hochgerechnet auf das Jahr 2021 ein Bruttoinlandsprodukt der Eurozone von 11,8 Billionen Euro fürs Jahr 2021, was den Prognose-Zahlen von Trading Economics weiter oben entspräche.

Meine eigene Prognose sieht allerdings eine deutliche BIP-Abschwächung spätestens in Q4 2021 für die Eurozone voraus. Ich selber rechne deshalb mit einem Eurozonen-BIP von 11,5 Billionen Euro für das Gesamtjahr 2021. Aber wie auch immer: Fakt ist, dass es also weiterhin gigantischer Anstrengungen und Interventionen bedarf, um das Funktionieren der Finanzmärkte aufrecht zu erhalten.

Im Vergleich zum Vormonat sanken die deutschen Exporte im August um 1,2 Prozent. Es handelt sich um den ersten Rückgang seit April 2020.[3]

Der Einkaufsmanagerindex der deutschen Industrie ist seit Juli (immerhin 65,9) auch rückläufig – im September betrug der Wert 58,4. Der Aluminiumpreis ist binnen Jahresfrist (Stand 12. Okt. 2021) in US-Dollar um 64,4 Prozent und in Euro um 68,1 Prozent gestiegen. Diesel und Benzinpreis befinden sich aktuell seit mindestens 2014 auf neuen Rekordständen.

Frage: Wird die EZB - angesichts dieser eher düsteren Aussichten - weiter Geld ins System pumpen?

Die österreichische Tageszeitung „DER STANDARD“ schreibt in ihrer Print-Ausgabe vom 21. Oktober 2021 auf Seite 21 von Jens Weidmanns festen persönlichen Überzeugungen ebenso wie von der hohen Bedeutung der Unabhängigkeit der Geldpolitik. Weidmann, der sein Amt als Präsident der Deutschen Bundesbank am 31. Dezember dieses Jahres niederlegen wird, warnt wiederholt vor Inflation. Es gelte, „perspektivische Inflationsgefahren nicht aus den Augen zu verlieren“.

In Berlin sorgte er mit seiner Bitte an den deutschen Bundespräsidenten um Entlassung für eine gehörige Überraschung. Weidmann hätte nämlich sein Mandat bis 2027 innegehabt. Immer wieder in der Vergangenheit hatte er seine Unzufriedenheit über den Kurs der Europäischen Zentralbank anklingen lassen und, betont, dass er einen geldpolitischen Kurs innerhalb des (Neu) Verschuldungsrahmens der EZB bevorzuge.

Mir persönlich tut sein Rückzug sehr leid, und ich sehe darin ein weiteres Bröckeln eines der letzten Bollwerke, das sich gegen diese exzessiven Staatsverschuldungen stemmt.

Bereits wenige Tage später proklamieren Ökonomen des „Europäischen Stabilitätsmechanismus“ (ESM) dafür, die Schuldengrenze für EU-Staaten anzuheben. Lässt man das auch noch zu, sehe ich ziemlich schwarz, den Schuldenkarren jemals wieder aus dem Dreck ziehen zu können!

Resümee: Wenngleich auch ich innerhalb der nächsten neun Monate mit zwischenzeitlichen Börsenrücksetzern rechne, so gehe ich doch weiterhin stark von einer fortlaufenden Inflationierung der Börsen, das heißt Börsenanstiegen aus.

Weder die EZB noch die FED werden es in den kommenden (mindestens) acht Quartalen schaffen, jene beträchtlichen Summen, welche sie in ihren jeweiligen Finanzmarkt gepumpt haben, diesem Markt wieder zu entziehen.

Das heißt, um obige Frage zu beantworten: Ja, die EZB wird ihren Kurs fortsetzen - der Markt wird weiter mit Geld überschwemmt werden.

[1] [www.ecb.europa.eu] id="ftn2">

[2] Forecast: GDP Eurozone “Forecast”: [tradingeconomics.com] id="ftn3">

[3] [www.zeit.de]

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Andreas Kubin

Andreas Kubin lebt in Oberösterreich, hat ein MBA mit Schwerpunkt "Finanzen" und verfügt über drei Jahrzehnte Börsen-Erfahrung. 
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