Wirtschaft

Probleme in Industrie mehren sich: Kaum Wachstum am Jahresende

In der deutschen Industrie mehren sich die Probleme angesichts massiver Engpässen bei dringend benötigten Vorprodukten wie Mikrochips.
04.11.2021 13:53
Lesezeit: 2 min
Probleme in Industrie mehren sich: Kaum Wachstum am Jahresende
Roboter im Volkswagen-Werk in Zwickau montieren einen Audi Q4 e-tron. (Foto: dpa) Foto: Hendrik Schmidt

Ein enttäuschendes Auftragswachstum, weniger Umsatz, mehr Kurzarbeit: In der deutschen Industrie mehren sich die Probleme angesichts massiver Engpässen bei dringend benötigten Vorprodukten wie Mikrochips. Die Unternehmen zogen im September nur 1,3 Prozent mehr Bestellungen an Land als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Die Erholung von dem im August erlittenen Einbruch von 8,8 Prozent fiel damit bescheiden aus. Ökonomen hatten mit einem Plus von 2,0 Prozent gerechnet. Der Umsatz im Verarbeitenden Gewerbe schrumpfte zudem um 0,3 Prozent zum Vormonat und blieb sogar um 2,9 Prozent unter dem Niveau von September 2020.

Die Unternehmen reagieren auf die Probleme mit mehr Kurzarbeit: Gegen den gesamtwirtschaftlichen Trend stieg die Zahl der davon betroffenen Industriebeschäftigten im Oktober um 20.000 auf 226.000, wie das Ifo-Institut herausfand. „Der Engpass bei den Vorprodukten würgt die Produktion regelrecht ab“, erklärte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser die Entwicklung. Beim gegenwärtigen Auftragsbestand dürften eigentlich höchstens 10.000 Beschäftigte in der Industrie in Kurzarbeit sein.

Ökonomen erwarten angesichts des anhaltenden Materialmangels schwierige Monate, auch wenn sich in den vergangenen Monaten ein Auftragsberg aufgetürmt hat. „Wegen des Materialmangels kann die Industrie das allerdings kaum in eine steigende Produktion ummünzen“, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Hinzu komme, dass die neue Corona-Welle in China wieder zu Schließungen von Fabriken führen dürfte, die für den Nachschub der hiesige Industrie wichtig seien. „Die deutsche Wirtschaft wird im vierten Quartal wohl kaum wachsen“, so die Prognose des Ökonomen. Im Sommerquartal hatte es noch zu einem Plus von 1,8 Prozent gereicht.

Für das Auftragswachstum im September sorgte allein die anziehende Auslandsnachfrage. Sie stieg um 6,3 Prozent zum Vormonat. Dabei sanken die Aufträge aus der Euro-Zone zwar um 7,3 Prozent, doch die aus dem restlichen Ausland kletterten dafür um 14,9 Prozent. Die Bestellungen aus dem Inland ließen um 5,9 Prozent nach und damit bereits den dritten Monat in Folge. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sieht darin ein Warnsignal. „Hier schlagen die langanhaltenden Lieferengpässe und Preissteigerungen bei Rohstoffen, Vorprodukten und Energie durch“, sagte DIHK-Konjunkturexperte Jupp Zenzen. Neun von zehn Produzenten von Vorleistungsgütern sehen in steigenden Rohstoff- und Energiepreisen aktuell ein Geschäftsrisiko, wie die Herbstkonjunkturumfrage des DIHK ergab.

„Die Situation wird wohl noch längere Zeit paradox bleiben“, sagte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel, zu der Entwicklung. „Die Industrie hat eigentlich genügend Aufträge, um die Produktion auf Hochtouren laufen zu lassen, doch in Anbetracht fehlender Teile tröpfelt der Ausstoß lediglich vor sich hin.“ So fehlen beispielsweise Mikrochips, die in zahlreichen Produkten von Autos bis Haushaltsgeräten enthalten sind. Wegen der Engpässe wird der Aufschwung in diesem Jahr nach Prognose der Bundesregierung eine Nummer kleiner ausfallen als ursprünglich gedacht. Sie senkte ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr auf 2,6 Prozent von zuvor 3,5 Prozent. 2022 soll es zu einem Plus von 4,1 Prozent reichen, 2023 dann zu 1,6 Prozent.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Rauchmelder oder Hitzewarnmelder? Welche Lösung eignet sich für die Küche?

Die Küche gehört zu den Bereichen eines Hauses, in denen im Alltag besonders viele Wärmequellen zusammenkommen. Herd, Backofen, Toaster,...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Energieriese warnt vor Wasserstoff-Kollaps
08.08.2026

Milliardenhilfen aus der EU und Deutschland sollen Dänemarks Wasserstoffindustrie anschieben. Doch fehlende Klarheit über Stromnetz und...

DWN
Politik
Politik Mobilisierung in Russland könnte Putins größtes innenpolitisches Risiko werden
08.08.2026

Russland gehen die Freiwilligen für den Ukrainekrieg aus, doch eine neue Mobilisierung könnte für den Kreml selbst zur Gefahr werden....

DWN
Immobilien
Immobilien Wohnungsmarkt: Immer mehr Vermieter geben Geschäft auf – Investitionen unter Druck
08.08.2026

Wohnungsmangel, steigende Kosten und wachsende Unsicherheit setzen den Wohnungsmarkt unter Druck. Immer mehr Privatvermieter und...

DWN
Finanzen
Finanzen Der Tod, das Erbe und das Geld: Fragen, die Sie sich bisher nicht zu stellen getraut haben
08.08.2026

Wie sollte man eigentlich über Erbschaft und Testament nachdenken? Und warum fällt es so schwer, über Geld und den Tod zu sprechen,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Volvo ES90 im Test: Ein guter Grund, den Deutschen Lebewohl zu sagen?
08.08.2026

Der Volvo ES90 ist kein Elektroauto für Käufer, die möglichst günstig in die Premiumklasse einsteigen wollen. Doch wer Komfort,...

DWN
Politik
Politik 65 Jahre Mauerbau: Warum die deutsche Teilung bis heute nachwirkt
08.08.2026

Die Berliner Mauer ist Geschichte, ihre Spuren sind es nicht. Jahrzehnte nach ihrem Fall zeigen sich zwischen Ost und West weiterhin...

DWN
Politik
Politik Europa ist führend bei kommerziellen Klimakonzepten: Warum gelingt es nicht, diese umzusetzen?
08.08.2026

Europa hat Spitzenforscher, starke Unternehmen und viele der Technologien, die die Industrie klimafreundlicher machen könnten. Doch...

DWN
Technologie
Technologie KI-Unternehmen setzen auf Philosophen – ethische Fragen rücken in den Fokus
08.08.2026

Je leistungsfähiger Künstliche Intelligenz wird, desto drängender werden Fragen nach Verantwortung, Wahrheit und Moral. Ausgerechnet...