Politik

US-Beauftragter in Bosnien: „Es wird keinen Krieg geben“

In Bosnien-Herzegowina schwelen seit Monaten Spannungen zwischen den Volksgruppen. Die US-Regierung schickte nun einen Sondergesandten ins Land.
08.11.2021 17:00
Aktualisiert: 08.11.2021 17:27
Lesezeit: 2 min
US-Beauftragter in Bosnien: „Es wird keinen Krieg geben“
Milorad Dodik. (Foto: dpa) Foto: Darko Vojinovic

Der amerikanische Beauftragte für die Westbalkan-Region, Gabriel Escobar, sieht keine unmittelbare Kriegsgefahr in Bosnien-Herzegowina. Der US-Diplomat besuchte am Montag Sarajevo, wo er in getrennten Treffen mit den drei Mitgliedern des Staatspräsidiums zusammenkam. «Wir sind uns mit allen Gesprächspartnern einig gewesen, dass es keinen Krieg geben wird», sagte Escobar bosnischen Medien zufolge.

Zuletzt stiegen in dem Balkanland die Spannungen, nachdem Milorad Dodik, das serbische Mitglied des Staatspräsidiums, mit der Abspaltung des serbischen Landesteils gedroht und entsprechende Schritte angekündigt hatte. Zuletzt drohte Dodik mit der Schaffung einer eigenen Armee der bosnischen Serben. Der Repräsentant der internationalen Gemeinschaft in Bosnien, der Deutsche Christian Schmidt, hatte in der Vorwoche vor neuen Konflikten gewarnt, sollte Dodik seine Abspaltungspolitik ungehindert fortführen.

Der UN-Sicherheitsrat autorisierte derweil am vergangenen Mittwoch einstimmig die laufende EU-Mission für weitere zwölf Monate. Voran ging allerdings ein Streit um Schmidts Rolle als Hoher Repräsentant - Russland argumentiert, die Position würde nicht mehr benötigt und wollte sie zuletzt sogar abschaffen. Unter Androhung eines Vetos für die Verlängerung der EU-Mission verhinderte Moskau, dass Schmidt das mächtigste UN-Gremium am Mittwoch in New York auf Grundlage seines Berichts über die Lage in Bosnien-Herzegowina briefen durfte.

Escobar bezeichnete am Montag das Treffen mit Dodik als «produktiv». Dabei seien Möglichkeiten erörtert worden, dass der Serbe jene Schritte zurücknimmt, die auf eine Abspaltung der Serbiscen Republik (RS) abzielten. Dodik sagte wiederum vor Journalisten, er habe dem Amerikaner klargemacht, dass sich seine Politik im Rahmen des Dayton-Friedensabkommens von 1995 bewege.

Bosnien war von 1992 bis 1995 Opfer eines von Serbien gestarteten Krieges mit 100 000 Toten. Das Abkommen von Dayton schuf die Grundlagen für den heutigen bosnischen Staat, der aus der bosnisch-kroatischen Föderation (FBiH) und der RS besteht. Im Staatspräsidium sitzen neben Dodik der Bosniake Sefik Dzaferovic und der Kroate Zeljko Komsic.

Orban besucht Dodik

Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban hatte dem bosnisch-serbischen Spitzenpolitiker Dodik einen Besuch abgestattet. Das Treffen fand am Samstag in Banja Luka, der Hauptstadt des serbischen Landesteils von Bosnien-Herzegowina, statt, wie die staatliche ungarische Nachrichtenagentur MTI und das bosnisch-serbische Fernsehen RTRS in Banja Luka berichteten.

Orbans Reise nach Banja Luka verwunderte insofern, als dass der Ungar den Weg in die bosnische Hauptstadt Sarajevo scheute und außer Dodik keine weiteren Vertreter des bosnischen Staates traf. Der Ministerpräsident der RS, Radovan Viskovic, ein Gefolgsmann Dodiks, sagte nach dem Treffen laut RTRS: «Wir haben die volle Unterstützung von Ministerpräsident Orban und des Staates Ungarn.» Orban sucht in vielen Fragen die Nähe zu Russland, das Dodik und seine Abspaltungspolitik in Bosnien offen unterstützt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Zollstreit zwischen USA und Kanada eröffnet deutschen Firmen neue Chancen
09.09.2026

Der Zollstreit zwischen den USA und Kanada spitzt sich zu und zwingt Ottawa zur wirtschaftlichen Neuorientierung. Deutsche Unternehmen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Gefährliche Mängel: Rund 20 Prozent der Nutzfahrzeuge fallen beim TÜV durch
09.09.2026

Fast 3,9 Millionen Nutzfahrzeuge sind in Deutschland angemeldet. Das Durchschnittsalter ist in den vergangenen Jahren gestiegen – mit...

DWN
Finanzen
Finanzen Salus-Aktie: Dieser Börsenstar muss sein Wachstum erst beweisen
09.09.2026

Mehr als 2.000 Prozent Rendite in zehn Jahren, stark steigende Gewinne und eine beeindruckende Übernahmebilanz: Die Salus-Aktie gehört zu...

DWN
Politik
Politik Brüssel hat ein neues Rezept, um öffentliche Aufträge noch komplizierter und teurer zu machen
09.09.2026

Je stärker die EU öffentliche Aufträge reformiert, desto weiter entfernen wir uns durch die Einhaltung der Regeln davon, das beste...

DWN
Finanzen
Finanzen Ölpreis aktuell über 100 Dollar: Hormus-Konflikt eskaliert
09.09.2026

Neue Angriffe rund um die Straße von Hormus lassen den Brent-Preis erneut über 100 US-Dollar steigen. Die umkämpfte Meerenge wird damit...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Börsenrisiken im September: Diese acht Gefahren bedrohen Anleger
09.09.2026

Der September gilt ohnehin als schwieriger Börsenmonat. Diesmal treffen jedoch gleich mehrere Risiken zusammen: hohe Energiepreise,...

DWN
Panorama
Panorama Auswandern nach Norwegen: „Du hast keine Rückfahrkarte mehr“
09.09.2026

Peter Grunewald hat Deutschland hinter sich gelassen und lebt heute mitten im norwegischen Wald. Drei Jahre nach seiner Auswanderung...

DWN
Finanzen
Finanzen Apple-Aktie: iPhone-Konzern will den Markt für faltbare Smartphones erobern
09.09.2026

Jahrelang überließ Apple faltbare Smartphones der Konkurrenz. Nun soll ein eigenes Modell folgen – kompakt wie ein Reisepass, mit zwei...