Wirtschaft

EU und USA arbeiten an transatlantischer Technologieallianz

Im Rahmen eines neuen Formats wollen die EU und die US-Regierung gemeinsam Strategien im Bereich der Hochtechnologie formulieren. Allerdings gibt es Meinungsverschiedenheiten mit Blick auf den letztendlichen Zweck des Unterfangens.
17.11.2021 12:00
Lesezeit: 2 min

Die Europäische Union und die US-Regierung arbeiten derzeit an einem umfassenden Regelwerk, um gemeinsame Strategien und Normen im Bereich der Hochtechnologie zu formulieren.

Den institutionellen Rahmen für dieses Vorhaben stellt der sogenannte „EU-US Trade and Technology Council“ (TTC) dar, welcher Ende September in Pittsburgh gegründet wurde. Zehn Arbeitsgruppen versuchen demnach, gemeinsame Industriestandards und Normen zu entwickeln, an die sich europäische, amerikanische und alle Unternehmen, die in diesen Wirtschaftsräumen aktiv sein wollen, in Zukunft halten müssen.

Diese Arbeitsgruppen beschäftigen sich mit Themen wie Welthandel, Exportkontrollen, Lieferketten, Klima, „grüne“ Technologien, Investitionskontrollen, Technologiestandards oder Künstliche Intelligenz.

Interessant scheint der Umstand zu sein, dass Europäer und Amerikaner offenbar unterschiedliche Zielsetzungen mit dem TTC verbinden. Wie das Portal German Foreign Policy berichtet, soll der TTC in den US-Überlegungen eine wichtige Rolle beim Feldzug gegen das aufstrebende China spielen. den Europäern hingegen schwebte eher eine Verbesserung der bilateralen technologischen Zusammenarbeit vor. Das Portal schreibt:

„Bislang prallen im TTC allerdings noch teils stark konträre Auffassungen aufeinander. Vor allem sind sich EU und USA nicht einig, ob die gemeinsame Formierung als High-Tech-Block oder darüber hinaus ein umfassender Ausschluss Chinas im Vordergrund stehen soll. Ersteres ist die Position Berlins und der EU - bedingt dadurch, dass eine starke Fraktion deutscher Konzerne ein massives Interesse an der Sicherung ihres Geschäfts in der Volksrepublik hat. Letzteres steht für Washington im Vordergrund. Die jeweiligen Positionen verbergen sich hinter teils unscheinbaren Details. So heißt es in einer gemeinsamen Erklärung, die nach dem ersten TTC-Treffen in Pittsburgh beschlossen wurde, Künstliche Intelligenz (KI) solle "universale Menschenrechte und demokratische Werte" achten. Nach westlicher Lesart kann dies bei Bedarf als Legitimation zum Ausschluss Chinas von transatlantischen KI-Projekten genutzt werden. In der Debatte um Exportkontrollen wiederum geht es unter anderem darum, einheitliche Boykottregeln zu finden. Aktuell erlauben es US-Regularien, die Ausfuhr von Waren aus der EU nach China zu verbieten, wenn sie bestimmte US-Bauteile enthalten. Das bietet Washington einen Hebel, um ganz nach Wunsch das Chinageschäft europäischer Konzerne zu sabotieren. In Brüssel stoßen diese Regelwerke freilich auf Widerspruch.“

Der Botschafter Chinas in der EU, Zhang Ming, begrüßt den TTC im Prinzip zwar, wies jedoch auch auf die möglichen negativen Folgen hin. Der Vorstoß der EU hin zu mehr strategischer Autonomie entspreche dem Status der EU als „globaler Macht“ und Peking unterstütze die Initiative. Unternehmen aus Drittstaaten seien sich aber auch darüber im Klaren, dass das Projekt unwillkommene Nebenwirkungen für die weltumspannenden Lieferketten und auch die Entwicklung der Inflation haben könnte. Damit spielte Zhang auf mögliche technologische Abkopplungstendenzen und Autonomiebestrebungen an, welche alle größeren Wirtschaftsräume seit einiger Zeit verfolgen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Düstere Botschaft aus Kiew: Putin will Krieg führen, bis er stirbt
16.09.2026

Dmytro Kuleba war bis September 2024 Außenminister der Ukraine. Jetzt warnt er Europa vor Illusionen über Russland. Putin werde Krieg...

DWN
Politik
Politik Milliardendefizit Arbeitsagentur: Kommt ein kürzerer Arbeitslosengeld-Bezug?
16.09.2026

Ältere sollen weniger lang Arbeitslosengeld beziehen dürfen - das fordern Wirtschaftsverbände und bestimmte Parteien. Doch Forscher...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Onboarding neuer Mitarbeiter: Darauf kommt es an
16.09.2026

Die Vorstellungsgespräche sind geschafft, es wurde sich für einen passenden Bewerber entschieden und dieser hat ebenfalls zugesagt. Damit...

DWN
Politik
Politik Ursula von der Leyen: Fünf Pleiten und zwei Erfolge
16.09.2026

Der Europäer glaubt nicht, dass er durch die EU besser leben wird. Dieses politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Problem ist in...

DWN
Politik
Politik Strafjustiz am Limit: 1,1 Millionen Strafverfahren auf Halde
16.09.2026

Deutschlands Staatsanwaltschaften kommen mit der wachsenden Zahl neuer Fälle kaum noch hinterher. Zur Jahresmitte 2026 lagen bundesweit...

DWN
Politik
Politik Mecklenburg-Vorpommern: AfD in Umfrage nur zwei Punkte vor SPD
16.09.2026

In wenigen Tagen wählt Mecklenburg-Vorpommern einen neuen Landtag. Einer neuen Umfrage zufolge könnte sich ein Erfolg für die SPD...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU will Arbeiten in Europa einfacher machen
16.09.2026

Wer als Europäer in Europa arbeiten will, soll künftig weniger Papierkram und kürzere Wartezeiten haben. Die EU-Kommission will...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft US-Staatsverschuldung: Das gefährliche Spiel mit Inflation und Zinsen
16.09.2026

Die USA sitzen auf einem Schuldenberg von umgerechnet fast 35 Billionen Euro. Nun wächst die Sorge, dass die Fed höhere Inflation dulden...