Deutschland

Deutsche Industrie will "richtig viel" neue Gaskraftwerke bauen

Industriepräsident Siegfried Russwurm hält neue Gaskraftwerke für notwendig, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. In den kommenden Jahren sollten 43 Gigawatt Gaskraftwerke gebaut werden.
23.11.2021 10:47
Aktualisiert: 23.11.2021 10:47
Lesezeit: 1 min
Deutsche Industrie will "richtig viel" neue Gaskraftwerke bauen
Schornsteine des Heizkraftwerks Lichterfelde in Berlin. (Foto: dpa) Foto: Matthias Tödt

Die deutsche Industrie hält in den kommenden Jahren eine massiven Zubau von Gaskraftwerken als Übergangstechnologie für notwendig. Industriepräsident Siegfried Russwurm sprach am Dienstag bei einem Klimakongress des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) von einem Zubau von 43 Gigawatt Gaskraftwerken bis 2030. «Das ist richtig viel.» Die Gaskraftwerke sollten mit Erdgas betrieben und später auf «grünen Wasserstoff» umgestellt werden. Die neue Regierung müsse den Bau neuer Gaskraftwerke schnell beschließen.

Dies ist aber umstritten. Im Grünen-Wahlprogramm etwa heißt es, neue Gaskraftwerke oder Infrastrukturen, die für den Kohleausstieg gebraucht würden, dürfe es nur geben, wenn sie «aktuell zwingend» notwendig seien und bereits «Wasserstoffready» geplant und gebaut werden.

Der BDI hatte bereits in einer vor einem Monat vorgelegten Studie darauf verwiesen, neue Gaskraftwerke seien nötig, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Die letzten verbliebenen Atomkraftwerke in Deutschland sollen Ende 2022 vom Netz gehen. Die mögliche neue Bundesregierung aus SPD, Grünen und FDP will den Kohleausstieg vorziehen. «Idealerweise» solle dies bereits 2030 geschehen und nicht erst 2038 wie bisher geplant, wie es im Sondierungspapier heißt. Beim Ausbau des Ökostroms aus Wind und Sonne gibt es bisher aber viele Hemmnisse.

Die Industrie legte kurz vor dem erwarteten Ende der Ampel-Koalitionsverhandlungen einen Fünf-Punkte-Plan dazu vor, was die neue Regierung schnell umsetzen müsse. Mit Blick auf Klimaziele in neun Jahren sagte Russwurm: «2030 ist aus Sicht der Industrie morgen.» Er verwies auf Investitionszyklen in der Wirtschaft. Viele Unternehmen seien bereit, zu investieren. Die Infrastruktur für erneuerbare Energien müsse aber schneller und massiv ausgebaut werden.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Ukrainische Eisenbahn: Russland eröffnet eine neue Front gegen Kiew
13.09.2026

Russland verändert seine Angriffstaktik und nimmt immer häufiger ausgerechnet jene Infrastruktur ins Visier, die die Ukraine...

DWN
Finanzen
Finanzen AppLovin-Aktie: Ist dieser KI-Titel jetzt viel zu billig?
13.09.2026

Mehr als die Hälfte ihres Wertes hat die AppLovin-Aktie seit Jahresbeginn verloren. Doch während Anleger fliehen, wachsen Umsatz und...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Die ältesten Familienunternehmen Deutschlands – von Konzern bis Mittelstand
13.09.2026

Von Merck bis Meindl, von Haniel bis Herder – die 50 ältesten deutschen Familienunternehmen bilden die ganze Vielfalt dieses...

DWN
Technologie
Technologie KI-Cyberangriffe: Banken warnen vor einem neuen Wettrüsten
13.09.2026

Eine vernetzte Kaffeemaschine kann reichen, um Hackern den Weg in eine Bank zu öffnen. Künstliche Intelligenz verändert die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arbeiten bei 35 Grad: Braucht Deutschland ein Hitzearbeitsrecht?
13.09.2026

Der Sommer 2026 brachte Rekordtemperaturen von über 41 Grad und mehr als 12.000 hitzebedingte Todesfälle. Jeder Hitzetag kostet die...

DWN
Technologie
Technologie Cyber Resilience Act: Wie Saugroboter zu Waffen werden
13.09.2026

Saugroboter saugen Staub, Kameras überwachen das Haus – und im schlimmsten Fall greifen beide nebenbei fremde Computersysteme an....

DWN
Panorama
Panorama Höhere Kassenbeiträge: Warum Versicherte jetzt selbst aufpassen müssen
13.09.2026

Ein höherer Krankenkassenbeitrag kann das Nettogehalt spürbar schmälern. Bislang kündigten persönliche Schreiben solche Änderungen...

DWN
Politik
Politik Nord Stream bis Schulen: Was könnte die AfD in Mecklenburg-Vorpommern ändern?
13.09.2026

Nord Stream reaktivieren, Windkraft bremsen, den Rundfunkbeitrag abschaffen: Die AfD plant für Mecklenburg-Vorpommern tiefgreifende...