Politik

Biontech gründet weltweit erste Anlage für spezielle Krebs-Immuntherapie

Nach dem Erfolg mit seinem Corona-Impfstoff nimmt Biontech nun die Suche nach Medikamenten gegen Krebs stärker in den Blick.
01.12.2021 14:57
Aktualisiert: 01.12.2021 14:57
Lesezeit: 2 min
Biontech gründet weltweit erste Anlage für spezielle Krebs-Immuntherapie
Ein Kameramann filmt nach dem Richtfest die neue Biontech "iNeST"-Produktionsstätte, über der der Richtkramz am Kran hängt. (Foto: dpa) Foto: Frank Rumpenhorst

Nach dem Erfolg mit seinem Corona-Impfstoff nimmt Biontech nun die Suche nach Medikamenten gegen Krebs stärker in den Blick. Am Mittwoch feierte das Mainzer Pharmaunternehmen Richtfest für die „weltweit erste Anlage ihrer Art für die Herstellung individualisierter Produkte für die Krebs-Immuntherapie“, wie Vorstandschef Uğur Şahin sagte. Sollten die laufenden Entwicklungen Erfolg haben, sollen dort jährlich mehr als 10 000 Chargen für die maßgeschneiderte Therapie krebskranker Menschen hergestellt werden. Basis ist wie beim Corona-Impfstoff das Botenmolekül mRNA. Zuvor hatte Biontech verkündet, insgesamt eine Milliarde Euro in Mainz investieren zu wollen.

Die medizinische Geschäftsführerin und Biontech-Mitgründerin Özlem Türeci erklärte, derzeit befänden sich zwei Immuntherapie-Ansätze des Unternehmens gegen Krebs in der klinischen Phase zwei. Sie zielen auf die Behandlung von Dickdarm- und schwarzem Hautkrebs. Türeci erinnerte daran, dass Biontech vor 13 Jahren „getrieben vom Traum“ gegründet wurde, patientenspezifische Medikamente zur Behandlung von Krebs zu entwickeln. Deswegen liege das künftige Werk Biontech auch sehr am Herzen.

Şahin räumte ein, dass Biontech damit ein unternehmerisches Risiko eingehe. Es gebe „keine Garantie“, dass die Forschungen am Ende Erfolg haben und ein Medikament zugelassen werde. Wenn aber alles gelinge, habe Biontech die Möglichkeit, schnell in die Produktion einzusteigen.

Die künftige Produktionsstätte, die 2023 in Betrieb gehen soll, liegt in einem Gewerbegebiet wenige Minuten von der Firmenzentrale entfernt. 500 Menschen sollen einmal dort arbeiten.

Für die Produktion seines Corona-Impfstoffs hatte Biontech im vergangenen Herbst das Marburger Werk des Schweizer Pharmariesen Novartis übernommen - noch bevor sich die Mainzer überhaupt sicher sein konnten, dass ihr Impfstoff, der damals noch in der klinischen Testphase war, einmal in der EU, den USA oder anderswo zugelassen wird. Diese Investition hat sich ausgezahlt. Falls dem Unternehmen bei der Krebsforschung ein ähnlicher Coup gelingen sollte, könnte durch den Bau des neuen Werks in Mainz die Produktion von Anfang an ins Rollen kommen.

Der operative Geschäftsführer Sierk Poetting wies darauf hin, dass Biontech im Projekt „Lightspeed“ fast alle Kräfte auf die Entwicklung des Corona-Impfstoffs konzentriert habe. Dennoch habe ein „kleines, aber feines Team“ parallel weiter an der Suche nach einem Krebsmedikament gearbeitet.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) erklärte, die Anstrengungen von Biontech in der Krebsforschung seien ein Lichtblick für Krebskranke. Das Richtfest sei ein besonderer Tag für Mainz und Rheinland-Pfalz und sie sei stolz, dass Biontech in dem Bundesland seinen Hauptsitz habe. „Wir wollen alles dafür tun, dass Sie weiter gute Rahmenbedingungen haben“, sagte sie bei der kleinen Feier in dem Rohbau zu den drei Biontech-Vorständen. Das Zukunftsfeld Biotechnologie und die Weiterentwicklung des Wissenschaftsstandortes Rheinland-Pfalz sei einer der Schwerpunkte der Ampel-Koalition.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Blackchainmining kann XRP-Inhabern helfen, ein stabiles Einkommen von 6.777 US-Dollar pro Tag zu erzielen.

Im volatilen Kryptowährungsmarkt ist „stabile Rentabilität“ für viele Anleger zu einem zentralen Anliegen geworden. Trotz der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Teilzeit boomt: Wie Unternehmen, Branchen und Demografie die Quote treiben
03.02.2026

Das Angebot an Teilzeitjobs wächst seit Jahren, damit auch die Anzahl an Beschäftigen in Teilzeit – freiwillig oder nicht. Warum die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Entscheidungsautonomie: Warum Führungskräfte entscheiden dürfen, aber nichts bewirken
03.02.2026

Flache Hierarchien, Vertrauen und Agilität gelten als neue Leitbilder moderner Unternehmensführung. Doch hinter der Fassade...

DWN
Politik
Politik US-russischer Atomvertrag vor dem Aus: Risiken für die globale Sicherheitsordnung
03.02.2026

Der US-russische Atomvertrag läuft aus und beendet die letzte verbindliche nukleare Rüstungskontrolle zwischen Washington und Moskau....

DWN
Panorama
Panorama Sind Aldi und Lidl wirklich billiger als Supermärkte?
03.02.2026

Discounter oder Supermarkt – welche Preise sind tatsächlich günstiger? Aldi und Lidl liefern sich einen erbitterten Wettkampf, doch...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Silberpreis im Fokus: Anlegerinteresse und Industrienachfrage wachsen
03.02.2026

Der Silberpreis rückt im aktuellen geopolitischen Umfeld stärker in den Fokus der Märkte. Entwickelt sich Silber damit zu einem...

DWN
Technologie
Technologie SpaceX und xAI fusionieren: Musk schmiedet KI-Rechenzentren im All
03.02.2026

Elon Musk verschmilzt seine Raumfahrtfirma SpaceX mit dem KI-Entwickler xAI zu einem neuen Tech-Giganten. Rechenzentren sollen künftig im...

DWN
Finanzen
Finanzen Gold und Silber: Preise erholen sich nach heftigen Einbrüchen
03.02.2026

Nach heftigen Einbrüchen springen die Preise für Gold und Silber wieder nach oben. Anleger reagieren auf die rasanten Schwankungen,...

DWN
Finanzen
Finanzen Bafin warnt: Drohen Kursstürze bei Aktien, Gold und Krypto?
03.02.2026

Die Börsen wirken stark, doch unter der Oberfläche wächst die Nervosität. Rekordbewertungen, hohe Staatsschulden und politische...