Wirtschaft

Deutsche Autobauer kritisieren Bidens neue „Made in America"-Politik

Deutsche und internationale Automobilkonzerne kritisieren eine neue protektionistische Richtlinie der US-Regierung.
14.12.2021 09:19
Aktualisiert: 14.12.2021 09:19
Lesezeit: 2 min

Deutsche Autobauer haben eine neue von der US-Regierung ausgearbeitete Regelung zur Förderung von Hybrid- und Elektroautos scharf kritisiert. Die neuen Vorgaben legen fest, welche Autos künftig mit dem vollen staatlichen Fördersatz subventioniert werden - und welche nicht. Der Gesetzesentwurf muss noch den Senat passieren, bevor er in geltendes Recht gegossen wird.

Die vollen 12.500 US-Dollar Förderung erhalten demnach nur Autos amerikanischer Hersteller, welche Gewerkschaften in ihren Belegschaften zulassen. Importierte Autos oder Fahrzeuge aus Werken, in denen keine Gewerkschaften existieren, verlieren bereits einen Förderanteil von 4.500 Dollar. Weitere 500 Dollar werden von den Subventionen abgezogen, wenn die Antriebsbatterie der Autos nicht in den Vereinigten Staaten gefertigt wurde.

Der Vorstandsvorsitzende von Daimler, Ola Källenius, kritisiert die protektionistischen Pläne: „Die Marktwirtschaft funktioniert am besten, wenn alle Teilnehmer die gleichen Bedingungen vorfinden und auf Augenhöhe handeln“, sagte Källenius der Financial Times. Källenius verwies auf die Regelungen in Deutschland: Dort gelten die Subventionen für E-Autos und Hybridefahrzeuge für jedes Fahrzeug - unabhängig davon, wo dieses gebaut wurde. Die USA sollten diesem Beispiel folgen, so Källenius, und „den Markt entscheiden lassen.“

Der Verband der deutschen Automobilhersteller (VDA) kritisiert die Maßnahmen ebenfalls: „Einseitig formulierte Subventionskriterien widersprechen der transatlantischen Kooperation, welche wir lieber ausbauen als abschwächen sollten“, zitiert die FT VDA-Präsidentin Hildegard Müller. „Zur Erreichung der Klima-Ziele braucht es gemeinsame Anstrengungen. Neue Handelskonflikte müssen vermieden werden.“

Deutsche Autobauer beschäftigen in den USA rund 60.000 Menschen. In dem Interview mit der FT verwies Källenius auf den Umstand, dass Daimler rund 22.000 Menschen in den USA Arbeit gebe und überdies dutzende amerikanische Zulieferer mit Aufträgen versorge. Daimler sei demnach eine „richtige amerikanische Firma.“

Der japanische Hersteller Toyota verstärkte zuletzt mit einer PR-Kampagne den Druck auf die US-Regierung. Die Amerikaner sollten nicht „4.500 Dollar mehr für ein E-Auto bezahlen müssen, nur weil es nicht von Ford, GM oder Chrysler gefertigt wurde.“ Toyota forderte amerikanische Bürger ausdrücklich dazu auf, ihre entsprechenden Abgeordneten auf das Problem aufmerksam zu machen.

Im Oktober hatten rund zwei Dutzend Botschafter aus Staaten mit bedeutender Autoindustrie eine Protestnote an US-Politiker gesendet, in der sie gegen die geplanten Maßnahmen argumentierten. Die EU-Kommission warnte vor einer „ungerechtfertigten Diskriminierung europäischer Autobauer und europäischer Zulieferer.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bonuszahlungen: Wenn Boni aus dem Ruder laufen
02.10.2026

Bonusprogramme waren früher oft spontane Belohnungen, heute sind sie ein professionelles Steuerungsinstrument für Vorstände und...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Lukoil: Der russische Öl- und Gaskonzern soll Förderlizenz nahe der Kurischen Nehrung erhalten
02.10.2026

Der russische Öl- und Gaskonzern Lukoil soll bis Ende dieses Jahres eine Lizenz zur Erschließung des Ölfelds „Nadeschda“ in der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Galeria-Insolvenz: Warenhauskette stellt erneut Insolvenzantrag
02.10.2026

Die Krise bei Galeria verschärft sich erneut: Nach mehreren Insolvenzen, Filialschließungen und finanziellen Engpässen folgt der...

DWN
Politik
Politik DWN-Podcast Folge 45: Die Woche im Rückblick – KW 40
02.10.2026

Unser neuer Podcast ist da: Die ganze Woche in wenigen Minuten. Der DWN-Wochenrückblick bringt die Themen, die zählen – eingeordnet,...

DWN
Politik
Politik Midterms in den USA: Trump startet Wahlkampfoffensive
02.10.2026

Gut einen Monat vor den Midterms erhöht Donald Trump das Tempo im Wahlkampf. Der US-Präsident reist durch mehrere Bundesstaaten, setzt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Heizölpreis so hoch wie seit 2022 nicht mehr: Was Haushalte jetzt wissen müssen
02.10.2026

Der Heizölpreis ist zum Start der Heizperiode deutlich gestiegen. Viele Haushalte fragen sich deshalb, ob sie ihren Öltank jetzt füllen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Toyota Corolla Cross im Test: Der Hybrid, der an einen Diesel erinnert
02.10.2026

Der Toyota Corolla Cross verbindet Hybridtechnik mit viel Komfort und erstaunlich niedrigem Verbrauch. In der getesteten GR-Sport-Version...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU und China an der Schwelle zum Handelskrieg: Die Schüsse fallen noch nicht, aber die Geschütze sind geladen
02.10.2026

Auch wenn die ersten Schüsse noch nicht gefallen sind, zeichnet sich zwischen der Europäischen Union und China ein Handelskonflikt ab....