Politik

Söldner auf dem Vormarsch: EU zieht Militärberater aus Zentralafrika ab

Machtkampf in der Sahelzone: Russische Söldner bauen ihren Einfluss auf Kosten der EU aus.
21.12.2021 14:23
Lesezeit: 2 min
Söldner auf dem Vormarsch: EU zieht Militärberater aus Zentralafrika ab
Französische Soldaten sichern im Juli 2014 die St. Joseph-Kathedrale in Bambari (Zentralafrikanische Republik), nachdem diese von muslimischen Rebellen angegriffen wurde. (Foto: dpa) Foto: Tanya Bindra

Die EU hat ihr militärisches Ausbildungsprogramm in der Zentralafrikanischen Republik abrupt beendet. Dutzende der entsandten Militärberater seien bereits nach Europa zurückgekehrt, berichtet der EU Observer. Begründet wurde der Schritt mit dem wachsenden Einfluss, den Söldner der russischen Militärfirma „Wagner“ in dem Land ausüben sollen.

„Die vorübergehende Aussetzung unserer Operationen zielt darauf ab, jegliche Überlappungen mit diesen Söldnern zu vermeiden und sicherzustellen, dass sie nicht die von uns trainierten Soldaten der Zentralafrikanischen Republik benützen“, wird der Kommandeur der EU-Mission, Jacques Langlade de Montgros, zitiert.

Sanktionen gegen „Wagner“

Die EU hatte am 13. Dezember Sanktionen gegen Wagner und mit ihr verbundene Unternehmen und Personen verhängt. Grund für den Schritt sind insbesondere die Aktivitäten von Wagner in Syrien, Libyen und der Ukraine - darunter angeblich „Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe, außergerichtliche, summarische oder willkürliche Hinrichtungen und Tötungen“, wie aus einem in Brüssel gefassten Beschluss der Außenminister hervorgeht, aus dem die dpa zitiert.

Die Sanktionen richten sich konkret gegen die Wagner Group sowie drei mit ihr verbundene Firmen und acht Personen. Sie sehen vor, dass ihre in der EU vorhandenen Vermögenswerte eingefroren werden und betroffene Personen nicht mehr in die EU einreisen dürfen. Betroffen ist laut Amtsblatt unter anderen der Russe Dmitri Utkin, der als Gründer der Wagner Group genannt wird und für die Entsendung von Söldnern in die Ukraine verantwortlich sein soll.

Gelistet sind zudem drei Unternehmen, die im syrischen Öl- und Gassektor tätig sein sollen. Unternehmen und Bürger aus der EU dürfen mit den Betroffenen auf Grundlage des nun in Kraft getretenen Sanktionsbeschlusses keine Geschäfte mehr machen. Der prominente russische Außenpolitiker Leonid Sluzki kritisierte das Vorgehen gegen die Energie-Firmen als „absolut rechtswidrig.“

Die neue deutsche Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) sagte, man sehe, dass es gerade in der Sahelzone massive Unterstützung auch von der Wagner-Gruppe mit enormen Konsequenzen gebe. Deswegen seien die Maßnahmen ergriffen worden.

„Wagner“ auch in Mali auf dem Vormarsch

Die EU hatte am 13. Dezember überdies die Voraussetzungen für Sanktionen gegen die Regierung in Mali geschaffen. Wie EU-Chefdiplomat Josep Borrell nach einem Außenministertreffen in Brüssel mitteilte, werden künftig gegen all diejenigen Strafmaßnahmen verhängt werden können, die einen „politischen Übergang“ in dem westafrikanischen Krisenstaat behindern.

In Mali mit seinen rund 20 Millionen Einwohnern hatte im Mai das Militär die Übergangsregierung entmachtet, die eigentlich bis zu Wahlen am 27. Februar 2022 im Amt sein sollte. In Folge ließ sich der Putschistenführer Assimi Goïta zum neuen Übergangspräsidenten ausrufen. Aus Sicht von Kritikern verschleppt er seitdem die notwendigen Vorbereitungen für die Präsidentschafts- und Parlamentswahlen.

Der wirkliche Grund für die Vorbereitung von Sanktionen gegen die malische Regierung dürfte in dem wachsenden Einfluss der Wagner-Söldner in dem Land wurzeln. Zuletzt konnten nicht nur Russland, sondern auch die Türkei ihren Einfluss dort ausbauen.

Relevant für Europa sind die Entwicklungen in dem Land vor allem wegen Terrorgefahren und dem umfangreichen militärischen Engagement europäischer Länder - angeführt von Frankreich und Deutschland. Die EU ist in Mali unter anderem mit einer militärischen Trainingsmission aktiv (EUTM Mali). Ziel des Einsatzes ist es eigentlich, die Streitkräfte in der Region durch Beratung und Ausbildung beim Kampf gegen islamistische Terrorgruppen zu unterstützen. Zudem gibt es den Einsatz EUCAP Sahel Mali, der Hilfe für die nationale Polizei, die nationale Gendarmerie und die Nationalgarde bei der Umsetzung einer Sicherheitsreform vorsieht.

Deutschland hatte zuletzt noch rund 1400 Soldaten in Mali stationiert. Rund 350 davon waren für EUTM Mali abgestellt, die anderen für die Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen (MINUSMA).

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Technologie
Technologie Wasserstofffabrik auf Rädern: Kleine Anlage soll Generatoren und Drohnen versorgen
30.05.2026

In Nord-Tallinn, in der Laevastiku-Straße, steht ein Gebäude aus roten Ziegeln. Von außen wirkt der Ort verlassen, doch im Inneren wird...

DWN
Panorama
Panorama Entwarnung beim Klimawandel? Forscher korrigieren Worst-Case-Szenario
30.05.2026

Die schlimmsten Klima-Prognosen gelten inzwischen als weniger wahrscheinlich. US-Präsident Donald Trump sieht sich dadurch bestätigt.

DWN
Politik
Politik Der übergriffige Staat: Bremst Regulierung Europas Wohlstand?
30.05.2026

Europa verliert an wirtschaftlicher Dynamik. Während die USA Innovationen skalieren und China Märkte strategisch erobert, verstrickt sich...

DWN
Panorama
Panorama Toyota bZ4X Touring im Test: Wenn Reichweite ihren Namen wirklich verdient
30.05.2026

Toyotas elektrisch angetriebenes SUV bZ4X präsentiert sich auch in der Version Touring. Der Einstiegspreis liegt mit Förderung bei 35.990...

DWN
Panorama
Panorama Wie 3D-Drucker aus deutschen Garagen den Ukraine-Krieg beeinflussen
30.05.2026

Kleine Plastikteile aus Deutschland helfen der Ukraine im Krieg gegen Russland. Hinter der Initiative stehen Freiwillige mit 3D-Druckern,...

DWN
Panorama
Panorama Tanken, WM, Shopping: Das ändert sich im Juni
30.05.2026

Der neue Monat bringt gute Nachrichten für Sportfans und schlechte Aussichten für Autofahrer. Welche Änderungen stehen im Juni an?

DWN
Technologie
Technologie KI in der Produktion entscheidet über Deutschlands Industriekraft
30.05.2026

Eine Fabrik von 1961 wird zum Vorbild für die Industrie von morgen. Bei ams OSRAM zeigt sich, dass künstliche Intelligenz nicht nur neue...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Aktien schließen auf Rekordhoch, angeführt von Tech-Werten, während der Nasdaq im Mai 8 Prozent gewinnt
29.05.2026

Künstliche Intelligenz und überraschende diplomatische Wendepunkte beflügeln die Märkte – erfahren Sie, was die Börsen aktuell...