Deutschland

Hohe Kosten für Essen und Heizen: Tafeln rechnen mit mehr Zulauf

Milchprodukte, Eier, Brot und auch das Heizen wurden zuletzt immer teurer. Die Corona-Krise belastet außerdem viele Menschen finanziell. Das wird auch in Deutschlands Tafeln deutlich.
25.12.2021 14:48
Aktualisiert: 25.12.2021 14:48
Lesezeit: 1 min

Angesichts steigender Lebensmittel- und Energiekosten rechnen die Tafeln in Deutschland mit einer erhöhten Nachfrage in den kommenden Monaten. Zugleich forderte der Vorsitzende der Tafel Deutschland, Jochen Brühl, die Bundesregierung auf, von Armut betroffenen Menschen kurzfristig mit Sonderzahlungen zu helfen. „Zu einigen Tafeln kommen schon heute mehr Menschen“, sagte Brühl der Deutschen Presse-Agentur. Frische Lebensmittel wie Obst und Gemüse seien aktuell besonders beliebt, „da sich viele Menschen eine ausgewogene Ernährung schlichtweg nicht leisten können“, sagte Brühl. „Die steigenden Lebensmittelpreise verschärfen dieses Problem.“

An die neue Bundesregierung hat Brühl klare Erwartungen: „Egal, ob wir es künftig Bürgergeld oder Hartz IV nennen - klar ist, dass die Regelsätze deutlich steigen müssen, ebenso wie der Mindestlohn.“ Die Gesellschaft könne es sich nicht leisten, dass Millionen Menschen nicht an ihr teilhaben und dass Kinder kaum eine Chance haben, sich aus einem Leben in Armut zu befreien. „Die Tafeln dürfen keine Existenzhilfe sein, sondern eine Unterstützung, um armen Menschen einen finanziellen Spielraum zu schaffen“, sagte er.

Nach den aktuellsten Zahlen der Tafeln aus dem Mai 2021 berichteten schon da knapp 40 Prozent der Tafeln von mehr Menschen an den Ausgabestellen. Vor allem der Anteil von Menschen in Kurzarbeit, Beziehern und Bezieherinnen von Arbeitslosengeld II und Selbstständigen habe zugenommen. Viele ältere Menschen blieben dagegen aktuell wieder zu Hause. Es kommen den Angaben nach auch weiterhin viele Familien zu den Tafeln - der Anteil der Kinder und Jugendlichen ist sehr hoch. Bei rund jeder fünften Tafel gebe es jedoch auch weniger Kundschaft. „Einige Kundinnen und Kunden sind seit Pandemie-Beginn nicht wieder zurückgekommen“, so Brühl. „Das macht uns Sorgen, denn wir wissen, dass sie die Unterstützung bräuchten.“

Einige Helferinnen und Helfer, die ihr Engagement Anfang des Jahres aus Angst vor einer Corona-Ansteckung pausiert hatten, seien zurückgekommen, sagte er. Andere seien dagegen weiter verunsichert und noch nicht wieder zurück. Die neuen Ausgabemodelle mit Abstand und wenig Kontakt seien inzwischen erprobt, so Brühl. Die neuen Konzepte bedeuteten aber auch mehr Arbeit und zusätzliche Kosten, die bewältigt werden müssten. Der Winter und die aktuelle Pandemie-Situation mit der Verbreitung der Omikron-Variante würden die Helferinnen und Helfer wieder vor neue Herausforderungen stellen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Bargeld-Comeback: Läden in Schweden müssen Bargeld annehmen
01.07.2026

Schweden ist Vorreiter in Sachen bargeldlose Gesellschaft. Fast alles läuft über Karte oder Handy. Doch jetzt sollen zumindest manche...

DWN
Politik
Politik Neue Regeln für „Demokratie leben!“: Prien bezieht Verfassungsschutz ein
01.07.2026

Die Familienministerin hat neue Vorgaben für die Förderung von Initiativen gegen Extremismus und für Vielfalt entworfen. Dieses Jahr...

DWN
Panorama
Panorama Vier Buchempfehlungen für die Liege: Was Entscheider diesen Sommer unbedingt lesen sollten
01.07.2026

Das Tablet ist geladen, der Sonnenschirm steht, die E-Mails dürfen warten. Wir haben vier Wirtschaftsbuch-Empfehlungen für Sie, die den...

DWN
Immobilien
Immobilien Mieten statt Kaufen: Deutschland bleibt das Land der Mieter in Europa
01.07.2026

Eigenheim - Nein, danke? In Deutschland ist das Interesse nach einer eigenen Immobilie im europaweiten Vergleich am geringsten ausgeprägt....

DWN
Finanzen
Finanzen Der Juli wird an der Börse heiß werden
01.07.2026

In der vergangenen Woche kam es zu einer Korrektur, wie sie entsteht, wenn überhöhte Bewertungen, eine restriktive Fed und schlechte...

DWN
Finanzen
Finanzen Anlagestrategie: Warum Ihr Geld auf dem Konto langsam verschwindet
01.07.2026

Geld auf dem Konto vermittelt Sicherheit, kostet aber langfristig Vermögen. Eine Investorin zeigt, warum genau dieses Denken der größte...

DWN
Immobilien
Immobilien Klimaanlage einbauen: Was Sie vor dem Kauf wissen müssen
01.07.2026

Die Sommer werden heißer – und die Nachfrage nach Klimaanlagen steigt. Doch der Einbau ist komplizierter, als viele denken. Wer nicht in...

DWN
Immobilien
Immobilien Mehr Rechte für Mieter: So reformiert das Kabinett das Mietrecht
01.07.2026

Mietpreisbremse, Möblierung, Kündigung: Im April 2026 wurde ein Entwurf zur Änderung des Mietrechts im Bundeskabinett angenommen. Was...