Technologie

Münchener Klinik setzt Roboter für Gehirn-Operationen ein

Für das Münchener "Klinikum rechts von der Isar" beginnt eine neue Ära.
31.12.2021 13:27
Lesezeit: 1 min
Münchener Klinik setzt Roboter für Gehirn-Operationen ein
Das "Klinikum Rechts der Isar" in München. (Foto: dpa) Foto: Andreas Gebert

„Eine neue Ära“: Die habe laut der Ärzte des "Münchener Klinikums rechts von der Isar" durch die neue Technologie, die ihnen ab jetzt zur Verfügung steht, begonnen. Bei der Technologie handelt es sich um einen Roboter, der den Chirurgen noch genauere und schonendere Eingriffe in die Gehirngefäße ermöglicht als bisher. Wie das Klinikum auf seiner Website berichtet, ist dies im deutschsprachigen Raum einmalig.

Die Technologie, die sich „CorPath GRX Neurovascular“ nennt, wurde vom US-Spezialhersteller "Corindus Vascular Robotics" entwickelt – einem Unternehmen, das zum deutschen Hersteller von Medizintechnik "Siemens Healthineers" gehört.

Das Hightech-Gerät wird erstmals an Patientinnen und Patienten mit einem Hirnaneurysma zum Einsatz kommen, deren Gehirngefäß krankhaft erweitert ist und jederzeit zu einer lebensbedrohlichen Hirnblutung führen kann. „Das ist eine gänzlich neue Behandlungsrichtung bei dieser Art von Erkrankungen“, sagt Professor Claus Zimmer, Direktor der Abteilung für Diagnostische und Interventionelle Neuroradiologie. In Zukunft könnte der Roboter sogar eine telemedizinische Fern-Behandlung von Schlaganfall-Patienten auf dem Land möglich machen.

Zum Hintergrund: Schon länger setzen Mediziner bei vielen Erkrankungen der Gehirngefäße auf schonende minimal-invasive Katheter-Eingriffe. „Dabei muss der Schädel nicht operativ geöffnet werden“, erklärt Zimmer den entscheidenden Vorteil. Um das erkrankte oder verletzte Blutgefäß im Gehirn zu erreichen und zu behandeln, führen die Behandelnden einen biegsamen Katheter in ein Blutgefäß in der Leiste ein. Von dort schieben sie ihn - dem Lauf der Gefäße folgend - bis zur erkrankten Stelle im Gehirn vor. Röntgenstrahlung und Kontrastmittel machen Gefäße und Durchblutung dabei für sie sichtbar.

Der Roboter könne bei solchen Eingriffen künftig unterstützend zugeschaltet werden, erklärt Zimmer. „Er wird den Arzt also nicht ersetzen, sondern ihn vielmehr beim noch genaueren Arbeiten unterstützen.“ Die benötigten Hilfsmittel – der Katheter selbst, aber auch Drähte oder Stents, also Gefäßstützen, die für den Eingriff nötig sind – werden dann nicht mehr ausschließlich direkt durch die Hand von Ärzten gelenkt, sondern indirekt über einen Joystick, den sie bedienen. Operateur oder Operateurin sitzen dabei wie in einer Art strahlengeschütztem Cockpit.

Die schwere Bleischürze, die sie sonst zum Schutz vor der Röntgenstrahlung tragen müssen, ist darin also nicht nötig. Arzt oder Ärztin können sich daher noch besser auf den Eingriff konzentrieren. Per Touchscreen und mit mehreren Hebeln steuern sie die Bewegungen des Katheters. Sie orientieren sich dabei an den Live-Aufnahmen des Gefäßsystems der Patienten, die sie auf Bildschirmen im Cockpit sehen können.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie PC-Gaming in Europa erlebt eine Phase der Zurückhaltung

Einst galt PC-Gaming in Europa als lohnende Langzeitinvestition. Man baute sich einen Rechner zusammen oder rüstete ihn auf, zahlte im...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Panorama
Panorama DWN-Wochenrückblick KW 15: Die wichtigsten Analysen der Woche
10.04.2026

Im DWN Wochenrückblick KW 15 aus dem Jahr 2026 fassen wir die zentralen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen der vergangenen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Daimler-Aktie: US-Schwäche und Bus-Flaute belasten Absatz von Daimler Truck
10.04.2026

Daimler Truck verzeichnete im ersten Quartal 2026 einen weltweiten Absatzrückgang von neun Prozent auf 68.849 Einheiten. Besonders der...

DWN
Finanzen
Finanzen Verpflegungspauschale 2026: Wie Sie Spesensätze berechnen und was zu beachten ist
10.04.2026

Spesensätze 2026 im Überblick: Wie hoch die Verpflegungspauschale 2026 ist, wann 14 Euro oder 28 Euro gelten und welche Regeln bei...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Spritpreise: Deutlicher Rückgang an den Zapfsäulen – Kommt jetzt die Trendwende?
10.04.2026

Nach einer langen Phase extremer Kosten geben die Kraftstoffpreise den zweiten Tag in Folge spürbar nach. Laut ADAC verbilligte sich...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Reisebranche im Sinkflug: Ifo-Geschäftsklima bricht wegen Iran-Krise ein
10.04.2026

Die Eskalation in Westasien belastet die Reisebranche massiv. Laut aktuellem Ifo-Index führen Umbuchungen, Stornierungen und steigende...

DWN
Politik
Politik Trump erhöht den Druck auf die NATO: Interne Konflikte verschärfen sich
10.04.2026

Donald Trump stellt die Verlässlichkeit der NATO zunehmend infrage und verschärft damit die Spannungen innerhalb des Bündnisses. Welche...

DWN
Politik
Politik Sicherheit in Europa: Warum die Stabilität auf dem Balkan jetzt entscheidend ist
10.04.2026

Heeresinspekteur Christian Freuding warnt bei seinem Besuch in Bosnien vor wachsenden Spannungen auf dem Balkan. Angesichts externer...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Inflations-Schock: Iran-Krieg treibt Teuerung auf höchsten Stand seit 2024
10.04.2026

Der Konflikt im Iran belastet die deutschen Verbraucher massiv. Im März 2026 sprang die Inflationsrate sprunghaft auf 2,7 % – der...