Politik

Dänische Zeitung entschuldigt sich bei Lesern für fehlende Kritik an Corona-Politik

Eine der größten Zeitungen Dänemarks entschuldigt sich für ihr "Versagen" bei der Corona-Berichterstattung. Man habe nur die Regierungsmitteilungen veröffentlicht, ohne sie zu hinterfragen.
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14.01.2022 09:00
Lesezeit: 2 min
Dänische Zeitung entschuldigt sich bei Lesern für fehlende Kritik an Corona-Politik
Ministerpräsidentin Mette Frederiksen bei einer Pressekonferenz neben Soren Brostrom, dem Direktor des Nationalen Gesundheitsamtes. (Foto: dpa) Foto: Olafur Steinar Gestsson

Eine der größten dänischen Zeitung, die 1904 gegründete Boulevardzeitung Ekstra Bladet mit einer Auflage von 60.000 Stück, hat sich in einem Artikel bei ihren Lesern dafür entschuldigt, dass sie einfach die Regierungsberichte zur Covid-19-Pandemie übernommen hat, ohne sie kritisch zu hinterfragen. "Wir haben versagt", lautet die Überschrift des Artikels. Es folgt der vollständige Text in deutscher Übersetzung:

Seit fast zwei Jahren sind wir - die Presse und die Öffentlichkeit - wie hypnotisiert von den täglichen Corona-Berichten der Behörden.

Wir haben die Pendelschwingungen bei den Infizierten, den Krankenhausaufenthalten und den Toten mit Corona miterlebt. Und wir haben uns die Bedeutung der kleinsten Bewegungen des Pendels von Experten, Politikern und Behörden erklären lassen, die uns immer wieder vor dem schlummernden Corona-Monster unter unseren Betten gewarnt haben. Ein Monster, das nur darauf wartet, dass wir einschlafen, damit es in der Dunkelheit der Nacht zuschlagen kann.

Die ständige geistige Wachheit hat uns allen zugesetzt. Wir - die Presse - müssen also auch eine Bilanz unserer eigenen Bemühungen ziehen. Und wir haben versagt.

Wir waren an der Gartenpforte nicht wachsam genug, als die Behörden Antworten darauf brauchten, was es eigentlich bedeutet, dass Menschen mit Corona und nicht wegen Corona ins Krankenhaus kommen. Weil es einen Unterschied macht. Einen großen Unterschied. Um genau zu sein, wurde festgestellt, dass die offiziellen Einweisungszahlen um 27 Prozent höher liegen als die tatsächliche Zahl der Menschen, die nur wegen Corona im Krankenhaus sind. Das wissen wir erst jetzt.

Es ist natürlich in erster Linie Aufgabe der Behörden, die Öffentlichkeit korrekt, genau und ehrlich zu informieren. Die Zahlen darüber, wie viele Menschen an Corona erkrankt sind und sterben, hätten aus offensichtlichen Gründen schon vor langer Zeit veröffentlicht werden müssen, damit wir uns ein möglichst klares Bild von dem Monster unter dem Bett machen können.

Insgesamt lassen die Mitteilungen der Behörden und Politiker an die Öffentlichkeit in dieser historischen Krise viel zu wünschen übrig. Und so lügen sie, wie sie es getan haben, wenn Teile der Bevölkerung das Vertrauen in sie verlieren.

Ein anderes Beispiel: Impfstoffe werden immer wieder als unsere "Superwaffe" bezeichnet. Und unsere Krankenhäuser werden als "Superkrankenhäuser" bezeichnet. Dennoch stehen diese Superkrankenhäuser offenbar unter maximalem Druck, obwohl fast die gesamte Bevölkerung mit einer Superwaffe bewaffnet ist. Selbst Kinder werden in großem Umfang geimpft, was in unseren Nachbarländern nicht der Fall ist.

Mit anderen Worten: Hier gibt es etwas, das die Bezeichnung "super" nicht verdient. Ob es an den Impfstoffen, an den Krankenhäusern oder an einer Mischung aus beidem liegt, lässt sich nur vermuten. Aber die Art und Weise, wie die Machthaber mit der Öffentlichkeit kommunizieren, verdient ganz sicher nicht das Prädikat "super". Ganz im Gegenteil.

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