Deutschland

Stärkste Inflation seit 1992, Nahrungsmittel deutlich teurer

Die Preise für Waren und Dienstleistungen kletterten im Dezember um durchschnittlich 5,3 Prozent zum Vorjahresmonat.
19.01.2022 09:20
Aktualisiert: 19.01.2022 09:20
Lesezeit: 2 min

Die Inflation in Deutschland hat sich zum Jahresausklang 2021 auch wegen höhere Nahrungsmittelpreise nochmals beschleunigt. Die Preise für Waren und Dienstleistungen kletterten im Dezember um durchschnittlich 5,3 Prozent zum Vorjahresmonat und damit so stark wie seit 1992 nicht mehr, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch bestätigte. Im November lag die Teuerungsrate noch bei 5,2 Prozent.

Die Energiepreise zogen im Dezember um 18,3 Prozent an. "Hier wirkten sich zusätzlich die CO2-Bepreisung und die Rohstoffpreisentwicklung aus", hieß es dazu. Leichtes Heizöl verteuerte sich dabei mit 61,0 Prozent besonders stark, ebenso Kraftstoffe mit 33,8 Prozent. Nahrungsmittel kosteten im Schnitt 6,0 Prozent mehr. "Teurer wurde vor allem Gemüse", betonten die Statistiker. Dafür wurden 9,9 Prozent mehr verlangt als im Dezember 2020. Bei Bekleidung und Schuhen lag das Plus bei 5,5 Prozent, während Nettokaltmieten um 1,5 Prozent zulegten.

Für Januar erwarten die meisten Experten einen Rückgang - auch wegen eines Statistikeffekts. Denn die Preise werden dann nicht mehr mit jenen aus dem zweiten Halbjahr 2020 verglichen, als die Mehrwertsteuer wegen der Corona-Krise zeitweise von 19 auf 16 Prozent gesenkt worden war. Einige Experten sehen die Gefahr, dass die Inflation auch in Europa ein hartnäckiges Problem wird. Das würde die Europäische Zentralbank (EZB) unter Druck setzen, die eine Teuerungsrate von zwei Prozent als ideal für die Wirtschaft in der Währungsunion erachtet. Ihre Präsidentin Christine Lagarde hat dennoch Zinserhöhungen für dieses Jahr bislang ausgeschlossen.

Ifo-Umfrage: Viele Unternehmen wollen Preise weiter erhöhen

Die deutschen Verbraucher und Unternehmen müssen sich auf weitere Preiserhöhungen einstellen. Das Barometer für die Preiserwartungen fiel im Dezember nur geringfügig auf 44,6 Punkte und blieb damit lediglich 0,3 Zähler unter dem im November erreichten historischen Höchststand, wie das Münchner Ifo-Institut am Mittwoch zu seiner Umfrage mitteilte, bei der Unternehmen nach ihren Plänen für Preiserhöhungen in den kommenden drei Monaten befragt werden. "Das wird bis auf die Verbraucherpreise durchschlagen", sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. "Die Inflation wird im Verlauf dieses Jahres nur langsam zurückgehen."

In den kommenden Monaten dürften die Teuerungsrate über der Marke von vier Prozent liegen und sich erst gegen Ende 2022 allmählich der Zwei-Prozent-Marke nähern. Für das Gesamtjahr sei nun mit einer Inflationsrate von etwa dreieinhalb Prozent zu rechnen.

"Die Unternehmen geben die gestiegenen Kosten für Energie sowie bei der Beschaffung von Vorprodukten und Handelswaren weiter", sagte Wollmershäuser. Selbst wenn sich der Anstieg der Energiepreise in den kommenden Monaten nicht fortsetzten sollte und die Börsenpreise für Erdgas, Strom und Rohöl unverändert blieben, sorge das noch eine Zeitlang für hohe Inflationsraten. Denn der Anstieg der Verbraucherpreise wird immer im Vergleich zum Vorjahr gemessen. Demnach müssten die Verbraucher in diesem Jahr im Schnitt zehn Prozent mehr für Energie ausgeben.

Die Lohnkosten dürften hingegen die Inflation nicht zusätzlich antreiben. "Die bisherigen Lohnverhandlungen deuten auf keine Lohn-Preis-Spirale hin", sagte Wollmershäuser. "Wir erwarten, dass die Tariflöhne in diesem und im kommenden Jahr um knapp zweieinhalb Prozent zulegen. Das wäre dann so stark wie im Durchschnitt der Jahre vor der Coronakrise."

Die sehr hohen Umfragewerte ziehen sich durch alle Wirtschaftszweige. Im Einzelhandel liegen die Preiserwartungen bei 60 Saldenpunkten, gefolgt vom Großhandel mit 57 und der Industrie mit 55. Im Baugewerbe wurde ein Wert von 42 erreicht. Der geringste Wert mit 34 Saldenpunkten wurde bei den Dienstleistern gemessen. Dennoch stellt das für diesen Wirtschaftszweig einen neuen Rekordwert dar. Die Saldenwerte bei den Preiserwartungen geben an, wie viel Prozent der Unternehmen ihre Preise erhöhen wollen. Abgezogen wird der Prozentwert derer, die ihre Preise senken wollen. Neutrale Antworten bleiben unberücksichtigt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Inflation und Deflation zugleich - Wohin steuert das Finanzsystem?

Die wirtschaftlichen Signale aus den USA, China und Europa werden widersprüchlicher. Während der Preisdruck nachlässt, verliert der...

DWN
Panorama
Panorama Mariä Himmelfahrt: Riesige Marienstatue wird in Polen eingeweiht
15.08.2026

In einem Dorf in Polen wird am 15. August eine gigantische Marienfigur eingeweiht. Gestiftet hat sie einer der reichsten Männer des...

DWN
Politik
Politik Landtagswahl Sachsen-Anhalt: Das sind die Spitzenkandidaten
15.08.2026

Wer tritt bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt als Spitzenkandidat an? Ein Überblick über die wichtigsten Köpfe und ihre Ziele.

DWN
Finanzen
Finanzen Adieu Frankreich, adieu Deutschland: Wohin Europas Reiche ziehen
14.08.2026

Politische Unsicherheit, hohe Steuern: Das sind die wichtigsten Gründe, warum Reiche die zwei stärksten Länder Europas verlassen. Wohin...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Sandisk und Reddit glänzen trotz wachsender Konjunktursorgen
14.08.2026

Erfahren Sie, welche Dynamiken die Wall Street bewegen und warum ausgewählte Einzelwerte den trüben Konjunktursignalen trotzen.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft BMW-Werk Dingolfing rüstet auf für den entscheidenden Kampf um die Autozukunft
14.08.2026

Tausende Roboter, 280.000 Autos im Jahr und eine neue Batteriefabrik sollen BMWs größten europäischen Produktionsstandort zukunftsfähig...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Solarstrom-Produktion unter Druck: Wie sicher ist Deutschlands Stromnetz wirklich?
14.08.2026

Eine Sonnenfinsternis reicht aus, um Europas Solarstrom-Produktion binnen kurzer Zeit massiv zu drücken und die Strompreise nach oben...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Volvo ES90 im Test: Ein guter Grund, den Deutschen Lebewohl zu sagen?
14.08.2026

Der Volvo ES90 ist kein Elektroauto für Käufer, die möglichst günstig in die Premiumklasse einsteigen wollen. Doch wer Komfort,...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt ECS Energiemakler: Wenn die Stromrechnung Fragen aufwirft
14.08.2026

Strom und Gas sind für viele Unternehmen heute mehr als ein einfacher Einkaufsposten. Sie sind ein Bereich, in dem Preise, Netzentgelte...