Politik

Österreich beschließt umfassende Impfpflicht

Mit einer umfassenden Impfpflicht will sich Österreich gegen künftige Corona-Wellen wappnen. Das Parlament segnete den in der Öffentlichkeit kontrovers diskutierten Schritt am Donnerstag mit breiter Mehrheit ab.
20.01.2022 21:59
Lesezeit: 1 min
Österreich beschließt umfassende Impfpflicht
Eine Kinderärztin bereitet bei einer Impfaktion die Spritze vor. (Foto: dpa) Foto: Robert Michael

Mit einer umfassenden Impfpflicht will sich Österreich gegen künftige Corona-Wellen wappnen. Das Parlament segnete den in der Öffentlichkeit kontrovers diskutierten Schritt am Donnerstag mit breiter Mehrheit ab. Österreichs Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) verteidigte die Impfpflicht als Akt der Solidarität. „Je mehr Menschen eine Corona-Schutzimpfung haben, desto weniger sterben an den Folgen einer Corona-Pandemie“, sagte der Minister am Donnerstag im Parlament. Bis auf die FPÖ trägt die Opposition die Maßnahme mit. Der Schritt ist die bisher weitreichendste Regelung in der EU. Italien und Griechenland haben eine Impfpflicht lediglich für ältere Menschen, meldet die dpa.

Die Regierung agiert mit Zuckerbrot und Peitsche. Denn mit der Impfpflicht wurde auch ein milliardenschweres Paket von Anreizen verabschiedet. Eine Impf-Lotterie soll die Bereitschaft zur Immunisierung steigern. Laut Regierung sind pro Teilimpfung 500 Euro zu gewinnen, die als Gutscheine in der Gastronomie oder im Handel eingelöst werden können.

Teilnehmen können nicht nur Spätentschlossene, sondern auch jene, die schon geschützt sind. Rund jeder zehnte Stich soll so belohnt werden. Für Gemeinden mit einer Impfquote von 80 Prozent werden insgesamt 75 Millionen Euro ausgeschüttet, bei 85 Prozent 150 Millionen, und bei 90 Prozent 300 Millionen Euro. In Summe stünden bis zu 1,4 Milliarden Euro zur Verfügung, sagte Kanzler Karl Nehammer von der konservativen ÖVP.

Die Impfpflicht soll für alle Bürger gelten, die mindestens 18 Jahre alt sind. Ausnahmen sind vorgesehen für Schwangere sowie alle, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen dürfen. Auch Genesene sind bis 180 Tage nach der Erkrankung von der Impfpflicht befreit. Bei Verstößen gegen die Verpflichtung drohen einkommensabhängige Strafen von bis zu 3600 Euro. Der Bundesrat, also die Länderkammer, muss dem Gesetz voraussichtlich am 3. Februar ebenfalls noch zustimmen - das gilt aber als Formsache.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen DeFi-Hashing nutzt die Rechenleistung künstlicher Intelligenz, um das Vermögen der Nutzer zu mehren.

Major economies are actively promoting the establishment of a unified capital market regulatory framework and plan to strengthen the...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Misere Ausbildungsmarkt: Weniger Ausbildungsplätze trotz steigender Nachfrage
05.06.2026

Der Anteil der Betriebe, die noch ausbilden, hat 2025 einen neuen Tiefpunkt erreicht. Der Rückgang des Angebots an Ausbildungsstellen...

DWN
Politik
Politik Umfrage beziffert wackelige Zukunft: Deutsche zweifeln an Koalition und Sozialpolitik
05.06.2026

Das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit der Politik schwindet massiv: Fast drei Viertel der Deutschen bezweifeln laut dem aktuellen...

DWN
Technologie
Technologie Appell an die Tech-Riesen: Anthropic fordert globale KI-Pause
05.06.2026

Der OpenAI-Rivale Anthropic plädiert überraschend für eine kontrollierte Pause bei der Entwicklung extrem leistungsstarker Künstlicher...

DWN
Politik
Politik Ukraine-Krieg: Belügt Putins Generalstab den Kremlchef über die Front?
05.06.2026

Eine geleakte Karte aus dem russischen Verteidigungsministerium wirft neue Fragen über Putins Informationslage im Ukraine-Krieg auf....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Nach Drohnenangriffen: Moskau muss erstmals Einbruch der Ölförderung einräumen
05.06.2026

Die ukrainischen Angriffe auf die russische Energie-Infrastruktur zeigen Wirkung: Vize-Regierungschef Alexander Nowak hat beim...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Gigant der Meere: Ein Blick an Bord der LNG-Tanker für Deutschlands Gasversorgung
05.06.2026

Um den weltweiten Bedarf zu decken, transportieren riesige Spezialschiffe verflüssigtes Erdgas über die Ozeane. Einer dieser Giganten,...

DWN
Politik
Politik EU-Stromnetze werden zur Machtprobe zwischen Berlin und Brüssel
05.06.2026

Brüssel will Europas Stromnetze schneller bauen, doch ausgerechnet Deutschland tritt auf die Bremse. Hinter dem technischen Begriff des...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte im Überblick: Dow Jones erreicht neue Höhen, während Broadcom den Nasdaq im Minus hält
04.06.2026

Zwischen neuen Rekordhochs und überraschenden Verlusten: Entdecken Sie, was die Börsen aktuell bewegt und worauf Anleger jetzt achten...