Wirtschaft

Krieg in der Ukraine bedroht Lieferungen von Weizen und Mais

Der russische Angriff auf die Ukraine könnte für einige Länder schwerwiegende Folgen für die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln haben.
25.02.2022 16:30
Aktualisiert: 25.02.2022 16:30
Lesezeit: 2 min

Der Angriff der russischen Armee auf die Ukraine und die damit zusammenhängende Schließung aller ukrainischen Häfen sowie die Verhängung von Sanktionen und Gegensanktionen könnte schwerwiegende Folgen für die Versorgung zahlreicher Länder mit Grundnahrungsmitteln haben.

Wie die Financial Times unter Berufung auf Daten des US-amerikanischen Landwirtschaftsministeriums berichtet, entfällt rund ein Drittel des weltweit gehandelten Weizens und ein Fünftel des Maises auf die Erzeugerländer Ukraine und Russland. Die Ukraine wiederum exportiere etwa 90 Prozent ihres Weizens auf Schiffen, welche wegen des Krieges nun nicht mehr einsatzbereit seien.

Beide Staaten verfügen über die sehr fruchtbaren Schwarzerderegionen und gelten für zahlreiche Länder weltweit als wichtigste Bezugsquelle für die Grundnahrungsmittel Weizen, Mais - aber auch Sonnenblumenöl und Dünger. Zu den besonders abhängigen Ländern gehören Staaten Nordafrikas wie beispielsweise Libyen und Ägypten und Länder des Nahen und Mittleren Ostens wie die Türkei, der Libanon, der kriegsgeplagte Jemen oder Bangladesch.

Russland ist darüber hinaus ein wichtiger Produzent von Pflanzendünger. Rund 13 Prozent des weltweiten Angebots soll das Land bereitstellen. Die in den vergangenen Wochen angefallenen und durch den Krieg erneut angefachten immensen Preisanstiege für das zur Düngerproduktion nötige Erdgas könnten sich Beobachtern zufolge in einer Düngerknappheit auf dem Weltmarkt materialisieren, die sich wiederum negativ auf die kommenden Ernten auswirken könnte.

Schon jetzt liegen die Notierungen für Getreide und Mais auf hohem Niveau. Der Weltmarktpreis für Getreide war zuletzt mit 9,30 Dollar je Scheffel auf den höchsten Stand seit mehr als neun Jahren gestiegen:

Die Preise für Mais an der Chicagoer Terminbörse liegen auf dem höchsten Stand seit vergangenem Sommer - im historischen Vergleich aber ebenfalls auf dem höchsten Stand seit rund neun Jahren:

Da die ukrainischen und russischen Lagerbestände an Weizen und anderem Getreide noch auf den Versand warten, erwarten Analysten, dass die Preise weiter steigen werden. Wenn ein erheblicher Teil des russischen und ukrainischen Getreides nicht verschifft wird, könnten die Weizenpreise auf ein Niveau steigen, das seit der Krise der Jahre 2007-08 nicht mehr erreicht wurde, als steigende Getreidepreise in einigen Ländern Unruhen auslösten, sagte Andrey Sizov vom Moskauer Getreideforschungsunternehmen Sovecon der FT. Der US-amerikanischen Denkfabrik Center for Strategic and International Studies zufolge hätte jede Unterbrechung der Versorgung schwerwiegende Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit in einer Reihe von Ländern.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Immobilien
Immobilien Wende am Immobilienmarkt: Hier lohnt sich Wohneigentum wieder
07.06.2026

Der deutsche Immobilienmarkt kommt in Bewegung. Gerade Eigentumswohnungen werden wieder interessanter, allerdings bleiben die regionalen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Was die Chinesen in Europa alles aufkaufen
07.06.2026

Ein halbes Dutzend aufsehenerregender Übernahmen – welche haben am meisten wehgetan?

DWN
Unternehmen
Unternehmen KI-Einsatz in Deutschland: KI bleibt in Unternehmen oft im Testlauf stecken
07.06.2026

Der Hype um Künstliche Intelligenz in der deutschen Wirtschaft ist groß. Doch der Schritt vom ersten Testlauf in den täglichen...

DWN
Finanzen
Finanzen VW-Aktie: Mit ID. Polo und Cupra Raval beginnt die Elektro-Offensive von Volkswagen
07.06.2026

Volkswagen startet mit einer neuen Generation kompakter Elektroautos in einen der wichtigsten Wachstumsmärkte Europas. Die Erwartungen an...

DWN
Finanzen
Finanzen Ende des billigen Geldes: Wie Staaten den Preis des Krieges zahlen
07.06.2026

Der Krieg im Iran ist nicht nur ein Ölpreisschock. Er zeigt, wie verwundbar Staaten geworden sind, wenn Energiepreise, Inflation und hohe...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft IEA-Bericht: Das Zeitalter der Elektrizität beginnt mit Rekordinvestitionen
06.06.2026

Die zweite Energiekrise in fünf Jahren verändert den globalen Energiemarkt. Strom, Netze, Batterien und Solarenergie rücken ins Zentrum...

DWN
Technologie
Technologie E-Auto: Gebrauchte Elektroautos könnten bald deutlich attraktiver werden
06.06.2026

Der Markt für gebrauchte Elektroautos wächst, bleibt aber deutlich hinter klassischen Verbrennern zurück. Gründe dafür sind hohe...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Deutsche Wirtschaftspolitik unter Beschuss: Mittelstand und Traditionsunternehmen in Existenznot
06.06.2026

Insolvenzrekorde, verzweifelte Unternehmer und eine stagnierende Wirtschaft. Die Existenznot in deutschen Firmen geht um, die Lage war noch...