Finanzen

Ukraine-Krieg beflügelt Goldpreis, 3.000 Dollar möglich

Gold wird von Investoren seit jeher als sicherer Hafen in Krisenzeiten geschätzt. Der Krieg in der Ukraine und die generell sehr angespannte Lage an den Finanzmärkten sprechen deshalb für das gelbe Edelmetall. Gold könnte aus seiner jahrelangen Bandbreite ausbrechen und auf 3.000 Dollar steigen.
03.03.2022 10:59
Aktualisiert: 03.03.2022 10:59
Lesezeit: 4 min
Ukraine-Krieg beflügelt Goldpreis, 3.000 Dollar möglich
Die explosive geopolitische Lage könnte Gold-Investoren den symbolischen Goldregen bescheren. (Foto: dpa)

Gold wird von Investoren seit jeher als sicherer Hafen in Krisenzeiten geschätzt. Der Krieg in der Ukraine und die generell sehr angespannte Lage an den Finanzmärkten sprechen also für das gelbe Edelmetall. Gold könnte deshalb aus seiner jahrelangen Bandbreite ausbrechen, die Marke von 2.000 Dollar knacken und auf 3.000 Dollar steigen.

Seit zwei Jahren handelt Gold fast durchgehend in einer Bandbreite zwischen 1.700 und 1.900 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm), ohne insbesondere nach oben dauerhaft ausbrechen zu können.

Nun ist der Goldpreis auf 1.936 Dollar gestiegen und scheint sich damit zum ersten Mal seit dem Spätsommer 2020 oberhalb der Marke von 1.900 Dollar zu etablieren. Damals war Gold sogar kurzzeitig bei über 2.000 Dollar, am Tagesende stand dann ein Rekordhoch von 1.975 Dollar. Es sieht so als, ob Gold gerade aus einer Bandbreite ausbricht. Wenn die Marke von 2.000 geknackt ist, kann es schnell weiter nach oben gehen – 3.000 Dollar (plus 50 Prozent) sind nicht unrealistisch.

Geopolitische Krisen und Inflation sind die besten Zeiten für Gold

Dafür sprechen neben der obigen Chart-Technik zahlreiche weiche sowie harte Indikatoren: Die Gold-ETFs verzeichneten im Januar starke Zuflüsse (laut World Gold Council 46 Tonnen), das war noch vor dem Beginn des Krieges in der Ukraine. Dazu trug eine hohe Nachfrage aus dem Schlüsselland China bei.

Viel wichtiger sind jedoch langfristige Faktoren: Gold ist seit Jahrtausenden wertstabil und schützt auf lange Sicht zuverlässig vor Inflation. Deshalb ist gelbe Edelmetall unter Anlegern seit jeher als sicherer Hafen in (finanziellen) Krisenzeiten geschätzt, und im Moment sind die Märkte sehr nervös, wie der jüngste Einbruch der Aktienmärkte und Kryptowährungen zeigt. Nun kommt noch der Krieg in der Ukraine hinzu – inklusive Wirtschaftssanktionen, steigender Preise von Öl und Gas und weiteren noch nicht gänzlich absehbarer Folgen.

"Wenn die geopolitischen Spannungen wirklich hoch werden, ist Gold immer noch der wichtigste sichere Hafen für Anleger, der Kryptowährungen und andere Vermögenswerte wie Staatsanleihen übertrifft", so Jim Wyckoff, Rohstoff-Analyst bei Kitco Metals.

In der großen Finanzkrise 2007/2008 war der Goldpreis innerhalb eines Jahres von einem Ausgangswert von circa 620 Dollar um 50 Prozent gestiegen, bis 2011 hatte er sich sogar fast verdreifacht.

Die aktuell explodierenden Inflationsraten – Produzentenpreise plus 20 Prozent, Konsumentenpreise plus 5 Prozent mit stark steigender Tendenz – sprechen ebenfalls für das gelbe Metall. Aktien schützen deutlich schlechter vor Inflation als Gold. Am Aktienmarkt tummeln sich zu grob 80 Prozent Unternehmen, die keine Preismacht haben und die in einer Inflation steigenden Kosten gar nicht oder nur bedingt an ihre Kunden weitergeben können.

Gold läuft besonders dann gut, wenn die Realzinsen (gemessen anhand der Rendite von Staatsanleihen abzüglich Inflationsrate) massiv im negativen Bereich sind. Das ergibt logisch Sinn. Gold ist keine inhärent Rendite-versprechende Anlage wie Produktivkapital (Aktien), Anleihen und Immobilien. All diesen drei Vermögenswerten ist gemein, dass sie laufendes Einkommen generieren können – Gold liegt als Wertspeicher einfach nur herum. In Zeiten positiver realer Zinsen parken viele Anleger ihr Geld lieber in Anleihen statt in unverzinstem Gold.

Wer auf Gold setzt, der setzt teilweise darauf, dass die Notenbanken nur halbherzig oder gar nicht mit Zinserhöhungen gegen die grassierende Inflation ankämpfen werden und damit verknüpft, dass die Regierungen weiter in Schuldenbergen versinken, was den Notenbankern von vornherein nur sehr begrenzten Spielraum für Zinserhöhungen gibt. Aus historischer Sicht ist das keine schlechte Wette.

Finanzexperten beobachten momentan, dass viele Anleger ihre Erwartungen hinsichtlich einer aggressiven Straffung der Geldpolitik durch die Zentralbanken gedämpft haben. „Vor diesem Hintergrund erwarte ich, dass der Goldpreis deutlich über 2.000 USD steigen wird", wird Fawad Razaqzada, Analyst bei ThinkMarkets, von Reuters zitiert.

Auch das kleine Schwestermetall Silber ist ein interessantes Investment, zumal Silber auch von einer zunehmenden Nachfrage nach Solarzellen profitieren dürfte. Das Gold-Silver-Ratio (Goldpreis zu Silberpreis) ist historisch betrachtet relativ hoch.

Jedoch ist Silber nach dem Corona-Crash 2020, der nahezu sämtliche Vermögenswerte betraf, schon deutlich mehr gestiegen als Gold – aktuell notiert Silber bei 25 Dollar je Feinunze, was aber immerhin noch knapp 50 Prozent unter dem Allzeithoch von 2011 liegt. Außerdem schwankt der Silberpreis erheblich stärker und die – im Gegensatz zu Gold – volumenmäßig sehr relevanten industriellen Anwendungen sorgen dafür, dass das graue Edelmetall zu einem gewissen Teil prozyklisch (konjunkturabhängig) ist.

Risiken einer Gold-Investition

Bevor man in Gold investiert, muss man sich darüber im Klaren sein, dass Gold im Durchschnitt immer schon eine stabilere, aber eben aus Rendite-Perspektive schlechtere Investition als Aktien war. Immobilien sind ebenfalls profitabler und zugleich ein mindestens gleichwertiger Inflationsschutz, machen allerdings auch immobil.

Grundsätzlich profitiert Gold von schlecht laufenden Aktienmärkten. Allerdings kommt es bei einem Crash auch immer zu einem temporären Abverkauf bei Gold, weil die teilweise auf Kredit spekulierenden Anleger ihre Verluste decken müssen. Und falls sich die Energiepreise normalisieren sollten und die Inflation infolgedessen deutlich sinkt, wären die Realzinsen nicht mehr so stark negativ wie aktuell, was Gold schlagartig weniger attraktiv machen würde.

Zudem übernehmen Kryptowährungen wie Bitcoin heute teilweise die Funktion als ultimativer Wertspeicher und (Parallel-)Währung, die Gold seit Jahrtausenden so attraktiv macht. Wenn Bitcoin so etwas wie das „moderne Gold“ wird (wozu vor allem die Volatilität des Bitcoin-Preises drastisch sinken und die allgemein Akzeptanz von Kryptowährungen weiter steigen müsste), dann könnte Gold perspektivisch nur noch als sekundärer Wertspeicher und Schmuck gefragt sein.

Außerdem könnte der Goldmarkt manipuliert sein. Dass das gelbe Edelmetall seit vielen Jahren partout nicht aus bestimmten Bandbreiten ausbrechen will – trotz zahlreichen Verwerfungen an den Finanzmärkten (Nachwirkungen der Eurokrise, erster Ukraine-Konflikt 2014, Coronakrise, Nullzinspolitik und Explosion der Geldmenge) – hat zumindest unter Marktbeobachtern Spekulationen einer Manipulation des Goldpreises über den Terminmarkt, wo grob das 80-fache des physisch verfügbaren Goldes gehandelt wird, ausgelöst.

Als mögliche Manipulateure werden die Zentralbanken genannt, die verhindern wollten, dass der Goldpreis zu stark steigt und damit die Inflationierung der durch nichts gedeckten Fiat-Währungen allzu offensichtlich würde. Ironischerweise akkumulieren die Zentralbanken selbst in den letzten Jahren enorm viel Gold (seit 2010 mehr als 200 Millionen Unzen), was eigentlich eher für als gegen einen steigenden Goldpreis sprechen sollte. Außerdem stehen wie üblich Großbanken wie J.P. Morgan, die Deutsche Bank und weitere im Verdacht, die beispielsweise schon für Preis-Manipulationen bei Silber und dem Libor-Zins verurteilt wurden.

Wenn die Vorwürfe stimmen und der Goldpreis seit Jahren künstlich niedrig gehalten wird, dann könnte ein etwaiger Ausbruch nach oben geradezu astronomische Ausmaße haben. Das wäre dann sozusagen die goldene Stunde für alle beharrlichen Goldinvestoren.

Haftungsausschluss: Dieser Artikel stellt keine Anlage-Beratung dar. Jeder Anleger sollte sich selbstständig informieren und Entscheidungen über den Kauf oder Verkauf von Wertpapieren, Edelmetallen und sonstigen Vermögenswerten nur auf Grundlage individueller Chance-Risiko-Abwägungen treffen.
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Jakob Schmidt

                                                                            ***

Jakob Schmidt ist studierter Volkswirt und schreibt vor allem über Wirtschaft, Finanzen, Geldanlage und Edelmetalle.

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