Finanzen

EZB-Vize-Präsident: „Kurzfristig“ droht noch höhere Inflation und Konjunkturflaute

EZB-Vizepräsident Luis de Guindos bereitet die Europäer „kurzfristig“ auf schwierige Zeiten vor - verbreitet aber auch optimistische Prognosen.
31.03.2022 14:00
Aktualisiert: 31.03.2022 14:35
Lesezeit: 2 min
EZB-Vize-Präsident: „Kurzfristig“ droht noch höhere Inflation und Konjunkturflaute
Luis de Guindos. (Foto: dpa) Foto: Shawn Thew

Angesichts der Erschütterungen durch den Ukraine-Krieg erwartet die EZB auf kurze Sicht weiter rasant steigende Preise und eine Konjunkturflaute. EZB-Vizechef Luis de Guindos sagte am Donnerstag auf einer Veranstaltung an der Universität Amsterdam, er rechne erst nach einer Reihe von Monaten mit dem Höhepunkt der Inflationswelle. In der zweiten Jahreshälfte werde sie dann aber voraussichtlich abflachen. Die am Freitag anstehenden Verbraucherpreisdaten für März würden höher als im Februar ausfallen. "Im März werden wir die Auswirkungen des Krieges spüren", warnte er mit Blick auf die im Sog des Ukraine-Kriegs stark gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise hinzu.

Mit Blick auf die Konjunktur rechnet der Spanier zwar nicht damit, dass die Euro-Zone kurzfristig in eine Rezession rutscht. Für das erste Quartal sei nach seinem Eindruck allerdings nur ein geringes Wachstum zu erwarten und für das zweite Quartal ein Wert nahe null. Auf die Frage, ob eine Stagflation drohe - also eine vor sich hin dümpelnde Wirtschaft bei gleichzeitig hoher Inflation, antwortete der Spanier: "Ich glaube nicht, dass wir 2022 ein negatives Wachstum haben werden." Auch EZB-Chefin Christine Lagarde sagte jüngst, weder eine nachhaltige Rezession noch eine immer höhere Inflation zeichneten sich ab.

Auf Basis welcher Fakten Lagarde und de Guindos zu ihren recht optimistischen Prognosen gekommen sind, bleibt unklar. Bei all den berechtigten Verweisen auf den Krieg in der Ukraine als Treiber von Unsicherheit und Teuerung sollte nicht vergessen werden, dass es insbesondere die im Zuge der Pandemie von den Zentralbanken aus dem Nichts geschaffenen Billionen sowie die von den Staaten verhängten Lockdowns waren, die zu Brüchen in den Lieferketten und den massiven Preisanstiegen führten.

Die EZB will im dritten Quartal ihre milliardenschweren Anleihenkäufe im Rahmen des Programms APP beenden, wenn es die Inflationsaussichten erlauben. Das Ausschalten des Programms gilt als Vorstufe einer Zinserhöhung, die laut EZB "einige Zeit" nach Ende der Anleihen-Zukäufe vollzogen werden soll. Einige Währungshüter dringen darauf, dass die Wende zügig eingeleitet wird.

Tecktonischer Schock

Für die Inflationsdaten im Euroraum erwarten Experten einen neuen Rekordwert von 6,6 Prozent im März, nach 5,9 Prozent im Februar. Die Wirtschaftsweisen rechnen für 2022 in Deutschland mit einer Inflationsrate von 6,1 Prozent, halten aber in den nächsten Monaten hierzulande auch zweistellige Werte für möglich, sollte es einen Lieferstopp russischer Energie geben.

Trotz des massiven Preisauftriebs im Euroraum rechnet die Europäische Zentralbank (EZB) weiter mittelfristig mit dem Erreichen ihres Inflationsziels. Gestützt von einer angemessen austarierten Geldpolitik werde sich die Inflation auf mittlere Sicht wohl um den Zielwert von 2,0 Prozent stabilisieren, sagte EZB-Chefökonom Philip Lane. Auch Lane nannte keine konkreten Faktoren, warum die Geldentwertung auf "mittlere Sicht" wieder auf den Zielwert von 2 Prozent einschwenken sollte. Zugleich erscheine es plausibel, dass die Zeiten relativ niedriger Inflation nicht zurückkehrten, wie sie vor Ausbruch der Corona-Pandemie herrschten, so Lane.

Die russische Invasion habe in der globalen geopolitischen und wirtschaftlichen Ordnung einen "tektonischen Schock" ausgelöst, sagte der Ire und fügte an: "Wir werden alles tun, was nötig ist, um das Mandat der EZB zu erfüllen, für stabile Preise zu sorgen und Finanzstabilität zu sichern."

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Börsentag: Technologiesektor erholt sich, AMD und Softwarefirmen glänzen
24.02.2026

Die US-Aktienmärkte legten am Dienstag zu, da die Ängste der Investoren vor KI-bedingten Umwälzungen nachließen. Der Fokus des Marktes...

DWN
Politik
Politik Düsterer Jahrestag des Ukraine-Kriegs: Ungarn blockiert EU-Hilfen für die Ukraine
24.02.2026

Fünf Jahre nach Beginn des russischen Angriffskriegs steht die Ukraine weiter unter massivem Druck. Politische Blockaden in der EU,...

DWN
Finanzen
Finanzen MTU-Aktie nach Rekordhoch unter Druck: Ausblick und sinkende Margen belasten
24.02.2026

Die MTU Aero Engines-Aktie gerät nach starken Zahlen und ehrgeizigen Zielen spürbar unter Druck. Trotz Rekordhoch mehren sich Zweifel an...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU-Schweiz-Abkommen: EU-Staaten ebnen Weg für intensivere Zusammenarbeit mit der Schweiz
24.02.2026

Die Europäische Union und die Schweiz rücken politisch und wirtschaftlich enger zusammen. Neue Abkommen sollen zentrale Bereiche wie...

DWN
Finanzen
Finanzen Fedex-Aktie: Versandriese klagt auf Rückerstattung von Trump-Zöllen
24.02.2026

Der Logistikriese Fedex zieht gegen die US-Regierung vor Gericht – mit potenziell weitreichenden Folgen für die Fedex-Aktie und den...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Aldi und Lidl vor juristischen Hürden: Expansion in Irland stößt auf Widerstand
24.02.2026

Aldi und Lidl stoßen bei ihrer Expansion in Irland zunehmend auf Widerstand durch Wettbewerber, die Planungsverfahren und Gerichte...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Kurs aktuell unter 65.000 Dollar: Kryptowährung unter strukturellem Druck – was das heißt
24.02.2026

Der Bitcoin-Kurs gerät zunehmend unter strukturellen Druck. Es scheint immer mehr, dass Bitcoin der verwüstete Name des „digitalen...

DWN
Finanzen
Finanzen AMD-Aktien mit Kurssprung: Mega-Deal mit Meta euphorisiert die US-Börsen
24.02.2026

Die AMD-Aktie sorgt mit einem überraschenden Kurssprung für Aufsehen an den US-Börsen. Ein milliardenschwerer AMD-Meta-Deal beflügelt...